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Die Brigitte-Diät braucht viel Disziplin und Zeit.
Ein Experte kritisiert, die Methode lasse sich kaum in den Alltag einbauen.
Es ist höchste Zeit, etwas für die Gesundheit zu tun», sagte sich Hanspeter Salzmann vor dem letzten Jahreswechsel. Beim Bergaufgehen kommt er immer schneller ausser Atem. Das stört ihn. Der 56-Jährige entschied sich, im Rahmen der Aktion «Fett weg» die Brigitte-Diät auszuprobieren. «Ich koche gerne», sagte er. «Die Brigitte-Diät gefällt mir, weil man dafür nur frische Lebensmittel braucht - und keine Pülverchen und Tabletten.» Bis Ende Jahr wollte Salzmann mit der Diät neun Kilo leichter werden. «Ich bin zu 80 Prozent überzeugt, dass ich das schaffe», meinte er zu Beginn der Aktion «Fett weg».
Brigitte-Diät: Im hektischen Alltag kaum durchführbar
Doch heute sagt Hanspeter Salzmann: «Ich habe den Zeitaufwand für die Brigitte-Diät unterschätzt.» Die Diät bringt nur dann den gewünschten Erfolg, wenn man sie peinlich genau befolgt.
Tag für Tag hätte Salzmann Frühstück, Snacks und Hauptmahlzeiten nach dem Brigitte-Rezeptbuch zubereiten müssen. Das geht nur, wenn man viel Zeit hat. Für die Brigitte-Diät muss man pro Tag rund anderthalb Stunden in der Küche stehen. Das haben die Autorinnen des Gesundheitstipp-Ratgebers «95 Diäten im Test» errechnet. Es gibt zwar eine Variante, die schneller geht. Dennoch ist die Brigitte-Diät nichts für Leute, die wenig Zeit zum Kochen haben. Hinzu kommt: Es gilt auch, ein Sportprogramm in die Tat umzusetzen.
Doch das Leben von Hanspeter Salzmann verlief in den letzten Monaten turbulenter als geplant. Zur- zeit muss er seinen Bauernbetrieb im Weisstannental, auf dem er Jugendliche in Krisensituationen betreut, neu organisieren. Und dann verunfallte auch noch seine Mutter. «Deshalb bin ich zurzeit oft zwischen dem Weisstannental und dem Wohnort meiner Mutter unterwegs», sagt Salzmann. «Aus diesen Gründen konnte ich die Brigitte-Diät nicht so konsequent umsetzen, wie ich mir das vorgenommen hatte.» Statt sich jeden Tag streng nach Brigitte-Vorgaben zu ernähren, hat der Bio-Bauer nur einzelne Rezepte nachgekocht. Die logische Folge: Er hat nicht abgenommen. Deshalb beendet er seine Teilnahme an der Aktion «Fett weg» schon nach dem ersten Quartal.
Viele scheitern an zu strengen Vorgaben
Kurt Laederach, Spezialist für Übergewicht am Berner Inselspital, wundert das nicht. Er kritisiert: «Die Brigitte-Diät ist zwar ausgewogen, aber sie enthält zu strenge Vorgaben, weil alles genau nach Plan verlaufen muss.» Jede Diät erfordert Disziplin, aber bei der Brigitte-Diät ist der persönliche Spielraum nach Laederachs Ansicht besonders klein: «Viele Menschen, die diese Diät ausprobieren, halten eine solche Einschränkung ihrer Freiheit nicht lange aus.» Sein Fazit: «Ein Diätprogramm muss auf persönliche Vorlieben und Abneigungen der Abnehmwilligen ausgerichtet sein, und man muss es in den Alltag einbauen können. Sonst hat es keine Chance, länger befolgt zu werden.»
Susanne Gerlach, Co-Autorin des Brigitte-Diät-Buches, räumt ein: «Nicht jeder Mensch kommt mit jeder Diät zurecht.» Mit Laederachs Kritik an der Brigitte-Diät ist sie aber nicht einverstanden: «Unsere Diät ist keineswegs starr und restriktiv - im Gegenteil», sagt sie. Die einzelnen Rezepte könne man im Baukastensystem frei miteinander kombinieren. Nichts sei verboten: «Man muss nicht auf lieb gewordene Genüsse verzichten, aber bereit sein, hie und da kleine Abstriche zu machen. Sonst wird nichts draus.»
Buchtipps: «95 Diäten im Test»: Alles zum Thema Abnehmen finden Sie im Gesundheitstipp-Ratgeber.
Bestelltalon auf Seite 9.
«Brigitte Ideal-Diät» von Susanne Gerlach, Kirsten Khaschei, Marlies Klosterfelde-Wentzel, Goldmann-Verlag, Fr. 30.10.
Haben auch Sie Erfahrungen mit der Brigitte-Diät?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung: Redaktion Gesundheitstipp, «Brigitte-Diät», Postfach 277, 8024 Zürich oder redaktion@gesundheitstipp.ch
Aktion «Fett weg»
Nach drei Monaten sind noch sechs Leserinnen und Leser dabei. Bei einigen purzeln die Pfunde weiterhin. Bei anderen geht das Abnehmen weniger schnell als am Anfang. Die vollständigen Erfahrungsberichte lesen Sie im Forum der «Aktion Fett weg» unter www.gesundheitstipp.ch.
Alexia Buck (38), Weight Watchers
«7,5 Kilo weg - weil ich kräftig abgenommen habe, erhielt ich bereits die ersten Komplimente»
Susanne Maag (33), Tipps vom Hausarzt
«6 Kilo weg - ich machte nur noch zweimal pro Woche Dinner Cancelling»
Sabine Mancosu (49), eBalance-Programm
«8 Kilo weg - obwohl ich Mitte März einen kleinen Rückfall hatte»
Alice Rüegsegger (56), Medikament Xenical
«2,5 Kilo weg - ich gehe jetzt jede Woche ins Tischtennis-Training»
Susy Schäppi (48), Glyx-Diät
«4,5 Kilo weg - ich schlug über die Stränge, weil ich zum ersten Mal Grossmutter wurde»
Hansjürg Waser (37), Medikament Reductil
«5,5 Kilo weg - ich nahm weniger schnell ab. Jetzt will ich mehr Sport treiben»
18. April 2007 | Andreas Gossweiler
