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Artikel | K-Geld 2/2007

Besuch von Hochwürden - Philipp Kreisselmeier, Journalist in Rom

Bekannt, wenn auch vielleicht erfunden, ist die Geschichte von der jungen Frau, die an Ostern ein hellbraunes Geschenk-Ei ihres Verlobten vorfand und es in den Abfall warf. Sie war empört, dass der Ragazzo nach mehreren Jahren der Liaison noch immer nicht wusste, dass sie keine Milchschokolade mag.

Die Pointe: In dem Ei hatte sich ein Brillantring befunden. Man kann so was in den besseren Konditoreien Italiens giessen lassen.

Mein Gemahl hat mir vor einiger Zeit auch so eine Sonderanfertigung geschenkt - ein dunkelbraun-zartbitteres Ei, in dem sich ein straussenledernes Portemonnaie befand. Leider blieb das Matrioschka-Prinzip unbeachtet: Der neue Geldbeutel war leer.

Bei Bedarf - wenns nicht bloss ein Diamant, eine Brieftasche oder ein Ferrari-Schlüssel sein soll - lassen sich auch viel grössere Ostereier herstellen. Schon Monate zuvor sind voluminöse Gebinde, gefüllt mit Süssigkeiten, erhältlich.

In vielen Cafés krönt so ein umfangreiches Ding in diesen Wochen die Auslage - der Hauptpreis einer Lotterie für die Stammgäste. Beliebig viele Einsätze zu je 1 Euro sind möglich. Das Ganze ist höchst inoffiziell und wahrscheinlich auch nicht legal - schliesslich ist das Glücksspiel in Italien stark reglementiert.

Andere vorösterliche Phänomene in Italien sind, obwohl sie sich unzweifelhaft im Rahmen der Gesetze bewegen, für den Zugereisten trotzdem verblüffend: Als ich seinerzeit am Karsamstag fürs Osterfrühstück einkaufte, verstand ich nicht, warum man im Wurstladen so lang anstehen musste.

Die nette ältere Dame vor mir in der Warteschlange klärte mich auf: In vielen römischen Familien wird an diesem einen Sonntag im Jahr richtig mitteleuropäisch gefrühstückt. Da kommen nicht bloss Gipfeli, Gebäck oder Weissbrot mit Konfitüre und Kaffee auf den Tisch, sondern auch Schinken, Geräuchertes und Aufschnitt, zusammen mit Käse und natürlich Eiern.
Dieses Stück Landeskunde wurde mir an Ort und Stelle zuteil. Eine andere Wissenslücke meinerseits ist mit bedauerlicher Verspätung geschlossen worden.

Wir bekamen vor Ostern Besuch vom katholischen Pfarrer. Sein Kirchlein ist gegenüber von unserem Haus. Es störte Hochwürden bei seiner Routine-Visite nicht im geringsten, dass wir der falschen Konfession angehörten. Der österliche Segen, den er da traditionell spenden wolle, könne auch in protestantischen Räumlichkeiten nicht schaden, sagte er lächelnd.

Und dennoch: Als Monsignore die Wohnung wieder verliess, schaute er uns komisch an. Warum, das haben wir erst später erfahren. Kirchenkundige Freunde liessen uns wissen: Der priesterliche Ostersegen fürs Haus ist von alters her der Anlass, der Pfarrei die alljährliche Spende zukommen zu lassen.

Üblich wären zwei bis drei mittelgrosse Scheine gewesen, ein ordentlicher zwei- oder gar ein kleiner dreistelliger Euro-Betrag. Und wir hatten uns nur freundlich für das uns und unseren Zimmern gewidmete Weihwasser sowie das schutzbringende Gebet bedankt, ohne einen dezenten Umschlag zu überreichen.

Der Fauxpas war offenbar unverzeihlich: Der Nachbar im Talar hat uns nie wieder zu Ostern aufgesucht. Dabei hätten wir uns beim zweiten Mal - nunmehr über Sitten und Gebräuche aufgeklärt - nicht lumpen lassen.

04. April 2007


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