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Artikel | K-Geld 2/2007

Was Anleger jetzt tun sollten

Die Börsenkorrektur im Februar und März hat viele Anleger aus ihren Träumen gerissen.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, seine Anlagestrategie zu überdenken.

Der Einbruch war heftig: Ende Februar, Anfang März gaben die Aktienmärkte weltweit um 5 und mehr Prozent nach.

Unterdessen haben sich die Börsen teilweise wieder erholt. Doch die Nervosität hält an. Das Risiko, gemessen an der Volatilität, also den Kursschwankungen des Marktes, ist klar gestiegen.

Niemand kann sagen, ob die Kurse in den nächsten Jahren 30 bis 50 Prozent fallen werden. Oder ob der Einbruch nur eine Art reinigendes Gewitter war, das einem weiteren Anstieg der Börsen vorausgeht. Aber auch eine solche Schwäche kann mit Kursverlusten von rund 20 Prozent kräftig ausfallen.

Momentan spricht einiges für eine kurzfristige Schwäche: «Die Aktienmärkte sind im historischen Vergleich gemessen am Gewinn je Aktie derzeit fair bewertet», sagt Philipp Bärtschi, Analyst der Bank Sarasin.

Der Gewinn je Aktie gibt an, welcher Teil des Unternehmensgewinns auf eine einzelne Aktie entfällt. Die Gewinne vieler Unternehmen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Das rechtfertigt die höheren Aktienkurse. Von einer Überhitzung der Aktienmärkte wie um die Jahrtausendwende kann deshalb nicht die Rede sein.
Wer von einer kurzfristigen Schwäche ausgeht, sollte seinen Aktienanteil nicht verringern. Investoren sollten gar nicht erst versuchen, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt beim Aktienkauf zu treffen. Das gelingt nie. Und das ständige Kaufen und Verkaufen löst nur Gebühren aus.

Aber auch wer mit einer Phase langfristig sinkender Kurse rechnet, sollte nicht im grossen Stil verkaufen. Er würde die Chance auf Gewinne verpassen, sofern er sich getäuscht haben sollte. Er sollte höchstens seinen Aktienanteil vorübergehend reduzieren.

Die Kurskorrekur sollte in erster Linie jenen Anlegern zu denken geben, die übertrieben ängstlich reagiert haben. Sie sind allenfalls zu viele Risiken eingegangen und sollten ihre Anlagestrategie überprüfen.
Die Anlagestrategie ist vor allem bei längerfristigem Anlagehorizont mit Abstand der wichtigste Faktor für Erfolg oder Misserfolg beim Vermögensaufbau. Die Wertentwicklung des Vermögens hängt zu 70 bis 80 Prozent von der Strategie ab. Der Zeitpunkt des Einstiegs und die Wahl bestimmter Titel spielen nur eine Nebenrolle.

Zuerst sollte man sich über Anlagehorizont und Risikotoleranz im Klaren sein (siehe Checkliste). Diese beiden Grössen führen zur passenden Anlagestrategie (siehe Tabellen):

Anlagehorizont
Je kurzfristiger der Sparer das Geld benötigt, desto sicherer sollte er es anlegen. Hohe Sicherheit heisst aber wenig Rendite. Daraus ergeben sich drei Risikoklassen:
- Risikoklasse 1: Sichere Anlagen wie Geldmarkt- und Obligationenfonds in Franken, ausserdem die Reserve auf Privat- und Sparkonten und das Vermögen der staatlichen, beruflichen und privaten Vorsorge.
- Risikoklasse 2: Festverzinsliche Anlagen in Fremdwährungen.
- Risikoklasse 3: Aktienfonds und andere Anlagen, die hohen Kursschwankungen unterliegen.

Risikotoleranz
Nicht nur der Zeithorizont spielt eine Rolle bei der Wahl der Risikoklasse, sondern auch die persönliche Risikotoleranz. Wer bei einer vorübergehenden Werteinbusse schlaflose Nächte und demnach nur eine geringe Risikobereitschaft (plus/minus 5 Prozent) hat, kann den Wertverlust seiner Anlage auf 5 Prozent pro Jahr beschränken.

Er akzeptiert damit aber auch, dass seine Anlage langfristig nur 3 bis 4 Prozent pro Jahr wächst. Aufgrund der tiefen Zinsen ist dieses Ziel mit Franken-Obligationen zurzeit nicht erreichbar. Wer jedoch auch bei grösseren Kursausschlägen von 18 und mehr Prozent noch ruhig schläft, kann Anlageformen der Risikoklasse 3 übergewichten.

Anlagestrategie
Aus der Kombination von Anlagehorizont und Risikotoleranz lässt sich die Anlagestrategie ableiten. Sie zeigt, welchen Teil des Vermögens ein Anleger mit tiefer oder hoher Risikobereitschaft in welchen Risikoklassen anlegen sollte.

Selbstverständlich kann er Risikotoleranzen kombinieren: Er kann beispielsweise für den kurzfristig angelegten Teil seines Vermögens eine tiefe Risikotoleranz wählen und für den langfristigen Teil eine hohe.

Regel Nummer 1 bei der Umsetzung der Anlagestrategie, also bei der konkreten Anlage, lautet: Risiko verteilen. Privatanleger mit Vermögen bis etwa eine halbe Million Franken sollten keine Einzelaktien wählen.
Mit Fondsanteilen setzt man auf eine ganze Palette von Titeln, was einer Risikoverteilung gleichkommt. Am besten eignen sich die gebührensparenden Index-fonds (siehe Seite 24).

Wer länderübergreifende Fonds im Portfolio hat, verteilt das Risiko auch geografisch. Für zusätzliche Sicherheit sorgt die Wahl von Titeln aus grossen, stabilen Märkten, Branchen und Firmen. Je exotischer eine Anlage, desto risikoreicher ist sie.
Und dann gilt: Ruhe bewahren. Wer seine Strategie einmal umgesetzt hat, darf sich auch bei längeren und heftigeren Tauchern an den Märkten nicht zu Panikreaktionen hinreissen lassen.

Eine Abkehr von der Anlagestrategie ist nur bei geänderten Zielen (Hauskauf, Frühpensionierung) oder tieferer bzw. höherer Risikotoleranz notwendig. Tiefer wird sie üblicherweise mit zunehmendem Alter.



Checkliste: Welches Risiko will ich eingehen?

Die Checkliste hilft beim Erstellen der persönlichen Strategie. Sie kann auch hilfreich sein, die einst definierten Ziele hin und wieder zu überprüfen. Ändern sich die Ziele der Vermögensanlage, muss auch die Strategie angepasst werden.
- Vermögen und Einkommen
Wie viel Vermögen besitze ich und wie ist es aufgeteilt? Wie viel Einkommen habe ich heute und wie viel vermutlich in Zukunft? Wie viel kann ich pro Jahr sparen?
- Anlageziel
Was möchte ich mit meinem Vermögen erreichen? Will ich langfristig einen möglichst hohen Wertzuwachs oder muss ich bereits heute davon leben?
- Risikotoleranz
Welches Risiko will ich bei meinen Anlagen eingehen?
- Zeithorizont
Wann möchte ich meine finanziellen Ziele erreichen? Sind grössere Mittelzu- oder -abflüsse zu erwarten?
- Flüssige Mittel
Wie viel Geld muss kurzfristig verfügbar sein?
- Referenzwährung
In welcher Währung fallen heute und in Zukunft die Kosten für meinen Lebensunterhalt an?
- Steuern
In welchem Land zahle ich heute und in Zukunft Steuern? Wie hoch ist meine Steuerbelastung?

04. April 2007 | Daniel Hedinger, Philipp Lütscher


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