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Fünfmal wurde Werner Strassmann von seinen Giftschlangen gebissen. Einmal schwebte er sogar in Lebensgefahr.
Werner Strassmann, Sie haben mehr als fünfzig Giftschlangen im Haus. Leben Sie gern gefährlich?
Nein. Ich gehe sehr vorsichtig mit meinen Schlangen um. Trotzdem wurde ich bisher fünf Mal gebissen - letztmals vor anderthalb Jahren.
Wie ist das passiert?
Ich wollte eine pakistanische Wüstenviper füttern und hielt ihr eine Maus mit einer langen Pinzette hin. Aber sie verwechselte meine Hand mit der Maus und biss zu.
Hatten Sie Angst um Ihr Leben?
Nach dem Biss war mir schon bange. Denn es gibt kein Serum, das dieses Schlangengift neutralisiert. Aber ich verdrängte den Gedanken, dass ich sterben könnte. Nach einem Schlangenbiss darf man auf keinen Fall nervös werden.
Warum nicht?
Wenn sich der Puls beschleunigt, verteilt sich das Gift schneller im Körper, und der Kreislauf kann zusammenbrechen.
Was haben Sie gemacht, nachdem Sie von der Wüstenviper gebissen wurden?
Mit einem speziellen Gerät namens Venomex habe ich kleine Löcher in die Haut rund um die Bissstelle gestanzt. Mit einer Vakuumpumpe konnte ich danach einen Teil des Gifts absaugen.
Mussten Sie ins Spital?
Ja, ich lag zwei Tage auf der Intensivstation. Das Gift verhinderte, dass mein Blut gerinnen konnte. Ich wurde aber bald wieder gesund.
Hatten Sie Schmerzen?
Am Anfang tat der Biss sehr weh. Und mein rechter Arm war stark geschwollen. Ein Chirurg wollte einen Entlastungsschnitt machen, damit die Haut nicht aufplatzt. Aber ich sagte ihm: Sie werden keinen Schnitt machen! Denn ich wusste, dass die Schwellung nach ein paar Tagen zurückgeht.
Waren die anderen vier Schlangenbisse auch so gefährlich?
Nein. Die anderen Bisse konnte ich selber behandeln. Solange man kein Herzflattern hat und es einem nicht übel ist, reicht es, den Biss mit dem Venomex zu behandeln und abzuwarten. Leute, die sich mit Schlangen nicht auskennen, müssen aber immer sofort zum Arzt gehen.
Hatten Sie nie die Nase voll von diesen gefährlichen Tieren?
Nachdem ich mit 18 Jahren zum ersten Mal von einer Aspisviper gebissen wurde, habe ich mir überlegt, die Schlangen wegzugeben. Aber meine Faszination für diese Tiere war stärker. Übrigens haben auch andere Menschen gefährliche Hobbys. Beim Töfffahren oder Bergsteigen kann auch immer etwas passieren.
Warum nehmen Sie dieses Risiko auf sich?
Mir gefällt die schön gemusterte Haut der Giftschlangen. Es sind zudem sehr aktive Tiere. Ich habe aber auch ungiftige Schlangen. Auch ihre Bisse können sehr schmerzhaft sein. Wenn man Pech hat, bleiben Zähne in der Haut stecken. Dann droht eine Blutvergiftung.
Wurden Ihre Kinder und Ihre Frau nie von den Schlangen gebissen?
Nein, denn ich habe strenge Sicherheitsregeln eingeführt. Wenn meine Töchter den Raum mit den Giftschlangen betreten wollen, müssen sie zuerst anklopfen und warten. Erst dann öffne ich die Tür. Im Wohnzimmer habe ich nur ungiftige Pythons. Manchmal helfen mir die Kinder, die Pythons zu füttern.
Werner Strassmann
Im Alter von fünf Jahren erhielt Werner Strassmann von seinem Vater eine Boa Constrictor. Heute hält er im Keller seines Wohnhauses in Zürich 110 Schlangen, etwa die Hälfte davon ist giftig. Der Schlangen-Fan betreibt ausserdem im Internet die Webseite www.reptiles.de.
Werner Strassmann arbeitet als Betreibungsbeamter. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
21. März 2007 | Andreas Gossweiler
