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Artikel | saldo 5/2007

Arbeiten im Netz mit Online-Programmen

Programme zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sind oft teuer und mit Funktionen überladen. Eine Alternative sind Web-Anwendungen: Sie sind gratis, überschaubar und auch unterwegs nutzbar.

Eine gewisse Grundausstattung an Programmen braucht jeder PC-Nutzer. Eine Textverarbeitung für Briefe und eine Tabellenkalkulation für die eigene kleine Buchhaltung gehören mittlerweile zum Standard. Doch solche Programme sind oftmals teuer und mit unnötigen Zusätzen ausgerüstet.

Das meistgekaufte Software-Paket, Office von Microsoft mit der Textverarbeitung Word, der Tabellenkalkulation Excel und dem Präsentationsprogramm Powerpoint, kostet in der Standardversion bereits über 600 Franken. Für alltägliche Anforderungen sind deshalb Web-Anwendungen eine gute Alternative.

Im Unterschied zu einem normalen Programm werden sie nicht auf dem eigenen Computer installiert, sondern direkt auf dem Server des Programmanbieters aufgerufen. Das spart Speicherplatz auf der eigenen Festplatte und stellt weniger Ansprüche an Arbeitsspeicher und Rechnergeschwindigkeit. Auch um Updates braucht sich der Nutzer nicht mehr zu kümmern, denn vom Server startet immer die neuste Programmversion. Nur eine schnelle Internetverbindung per ADSL oder Kabel mit einer Downloadrate von mindestens 1000 Kilobit pro Sekunde wird benötigt.

Da auf dem PC nichts installiert wird, ist der Zugriff auf die Web-Programme von jedem beliebigen Computer aus möglich. Online abgelegte Texte oder Tabellen lassen sich genauso vom eigenen PC zu Hause wie auch vom Rechner eines Bekannten oder im Internet-Café im Urlaub ansehen oder bearbeiten.


Internet Explorer und Firefox eignen sich am besten

Schnittstelle zwischen dem PC und der Web-Anwendung ist der normale Internet-Browser. Über ihn ruft der Nutzer die Internetseite des Web-Programms auf, registriert sich einmalig, und im Browser-Fenster erscheint Sekunden später die Programmoberfläche. Möglich machen das die Web-Programmiersprachen Java oder Ajax. Java ist unabhängig vom Betriebssystem des Computers, und jeder moderne Browser versteht sie, sofern die Option «Java» in den Voreinstellungen aktiviert ist. Die meisten Web-Programme harmonieren dabei am besten mit den aktuellen Versionen des Internet Explorer und Firefox. Weniger geeignet ist der Apple-Browser Safari.

Inzwischen gibt es für jedes Anwendungsgebiet zahlreiche Web-Programme, die sich aber in der Qualität stark unterscheiden. Fast alle Programme sind für den privaten Nutzer kostenlos, die Anbieter finanzieren sich durch Werbebanner oder indem sie von Geschäftskunden Nutzungsgebühren erheben. Ein solches Modell verfolgen zum Beispiel Google, Thinkfree und Zoho. Sie stellen derzeit die besten Web-Anwendungen mit insgesamt weit über einer halben Million registrierten Nutzern. «Wir sind fest davon überzeugt, dass die Reise weg von installierter Software hin zu webbasierten Anwendungen geht», sagt Kay Oberbeck vom Suchmaschinenbetreiber Google, der seit Anfang Februar seine Web-Anwendungen «Text & Tabellen» auch in Deutsch anbietet.


Praktisch: Automatische Sicherung bei Google und Zoho

Zwar orientieren sich die meisten Online-Ableger an Microsoft Office, konzentrieren sich aber auf Hauptfunktionen wie Formatieren mit Schriften und Stilen, Suchen und Ersetzen, Einfügen von Tabellen und Bildern und Erstellen von Diagrammen. Besonders Thinkfree ist optisch und funktionell stark an Office angelehnt. Doch auch Google, Zoho und Ajax können in Office erstellte Dokumente einlesen oder online neu erstellte Dokumente im Office-Format abspeichern, sofern nicht zu aufwendige Tabellen und Formatierungen verwendet werden.

Thinkfree und Google bieten zudem für ihre Textverarbeitung eine deutsche Rechtschreibkorrektur. Nützlich ist die Funktion Auto-Save bei Google und Zoho, die Daten in kurzen Abständen automatisch abspeichert, damit sie bei einer Unterbrechung der Internetverbindung nicht verloren gehen. Die Web-Programme beherrschen darüber hinaus etwas, das Microsoft bislang vernachlässigte: Auch andere Personen können, sofern legitimiert, die Daten online bearbeiten, und das von jedem beliebigen PC aus.


Import und Export von Daten möglich

Auch in Sachen Sicherheit hinken die Web-Anwendungen Microsoft Office nicht hinterher. «Nutzer von Online-Anwendungen sind nicht anfälliger für Hackerangriffe als beim normalen Surfen im Internet», sagt der Virenexperte Candid Wüest von der Sicherheitsfirma Symantec. Voraussetzung ist die aktuellste Version des Betriebssystems, des Browsers und der Sicherheits-Software. «Für unsere Web-Applikationen gelten die gleich hohen Sicherheitsstandards wie für unsere unternehmensinterne Kommunikation», sagt auch Kay Oberbeck von Google. Zoho will zudem in Kürze als erster Anbieter von Web-Programmen seinen Nutzern eine Verschlüsselung anbieten, die die auf dem Server abgespeicherten Daten für Unbefugte unlesbar macht.

Google, Thinkfree, Zoho und Ajax bieten auch die Möglichkeit, Dateien in verschiedenen Formaten von der eigenen Festplatte zu importieren oder online erstellte Dateien auf die Festplatte zu exportieren. Letzteres ist notwendig, wenn der Nutzer auch dann seine Daten bearbeiten möchte, wenn er vom Netz getrennt ist. Für diesen Fall muss er eine Software auf der Festplatte installieren. Doch auch hier geht es ohne Microsoft Office. So bietet etwa Thinkfree für rund 50 Dollar seine Online-Software als Desktop-Edition für den PC an. Alternativ steht auch das bewährte und kostenlose Office-Paket Open Office für Windows-, Apple- und Linux-PCs zur Wahl.



So funktionieren Web-Anwendungen

Web-Anwendungen müssen auf Aktionen des Nutzers so schnell reagieren wie ein Programm von der Festplatte. Mit der Standardprogrammiersprache im Internet HTML geht das nicht. Sie lädt bei jeder Änderung die komplette Internetseite neu. Das macht schnelles Arbeiten unmöglich.

Erst Ajax, eine Kombination aus den beiden schon länger im Internet verwendeten Programmiersprachen XML und Java-Script, macht Websites im Internet-Browser quasi interaktiv, denn es aktualisiert nur einzelne Elemente der Homepage. So müssen, für den Nutzer unbemerkt, nur kleine Datenmengen nachgeladen werden.

21. März 2007 | Andreas Grote


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