|
(0) |
Fadenwurm ist nicht gleich Fadenwurm: Die einen sind nützlich, die anderen schädlich. Mehrheitlich sorgen die Bodenlebewesen aber für gute Erde.
Die nützlichen Fadenwürmer, in der Fachsprache Nematoden, können im Hobby-Garten bei der biologischen Schädlingsbekämpfung helfen. Nematoden sind eine zoologische Gruppe, «die je nach Art unterschiedliche ökologische Nischen besetzt», erklärt Bernhard Speiser vom FiBL, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau.
Einige wenige Arten sind für Kulturpflanzen schädlich. Doch die insektenparasitischen Nematoden sind nützlich: Von ihnen ist bekannt, dass sie die Aktivitäten von Pflanzenschädlingen unterdrücken können, sagt Stefan Kuske von der Hochschule Wädenswil.
- Dickmaulrüssler-Käfer Hobby-Gärtner kennen meist jene Nützlinge, die dem Dickmaulrüssler zu Leibe rücken. Der Schädling frisst Löcher in die Blattränder verschiedenster Pflanzen, ähnlich dem Zackenrand einer Briefmarke. Noch gefürchteter sind seine Larven: Sie befallen die Wurzeln, was die Gewächse absterben lässt. Dickmaulrüssler bekämpft man mit den Nematoden Heterorhabditis bacteriophora und Heterorhabditis megidis.
- Schnecken und Trauermücken
«Gegen Nacktschnecken kann man den Parasiten Phasmarhabditis hermaphrodita einsetzen», so Fachmann Stefan Kuske. «Verbreitet sind auch Steinernema-Arten, zum Beispiel Steinernema feltiae gegen Trauermücken-Larven.» Nach ihrem Schlupf aus dem Boden bevölkern diese lästigen, winzigen Mücken häufig den Blumentopfrand von Zimmerpflanzen.
- Maulwurfsgrillen
Gegen Maulwurfsgrillen in Obst-Jungpflanzungen, im Gemüsebau und auf Sportrasen kommt die Nematode Steinernema carpocapsea zum Zug.
«In unseren Böden leben auch räuberische Fadenwürmer, die andere Nematoden fressen, und solche, die plötzliche Erreger von Pflanzenkrankheiten unterdrücken können», sagt Stefan Kuske, «nur wurden diese bis anhin nicht kommerziell genutzt.»
Schädliche Fadenwürmer werden an der Forschungsanstalt ACW Wädenswil (Agroscope Changins Wädenswil) untersucht. «Diese Pflanzenschädlinge haben einen Mundstachel, der aber nur unter dem Mikroskop erkennbar ist», erklärt Otto Daniel, Leiter Ökotoxikologie und Bodenzoologie.
Solche Nematoden sind vor allem in der Landwirtschaft ein Problem: «Dies dann, wenn man den Boden intensiv nutzt und die immer gleichen Kulturen anbaut, etwa Erdbeeren, Kartoffeln oder Zuckerrüben», sagt der Fachmann. «Nasse, tonige Böden, in denen das Wasser nicht gut abläuft, begünstigen diese Nematoden ebenfalls.»
Insbesondere folgende Methoden schaffen Abhilfe:
- Feld/Beet brachliegen lassen
- Feld/Beet mit Folie abdecken
- Einen Mikro-Pilz in den Boden bringen
- Als Alternative Tagetes (Korbblütengewächs) anpflanzen
Eine Methode allein genügt laut Otto Daniel in der Regel nicht, um den Schädlingen den Garaus zu machen. Oft sei auch eine fachliche Beratung nötig.
Wichtige Schädlinge sind Ditylenchus dipsaci, das Stengel-Älchen oder Meloidogyne, sogenannte Wurzelgall-Nematoden. «Sie setzen sich als kleine sichtbare Knöllchen - Gallen - an den Wurzeln fest. Die Weibchen ernähren sich von den Wurzelzellen, vermehren sich stark und unterbinden die Nahrungs- und Wasserzufuhr der Pflanze», so Daniel. Das kranke Gewächs sieht dann aus, als leide es unter permanentem Wassermangel. Die schuldigen Nematoden sind resistent gegen Kälte und Trockenheit und können jahrelang überleben.
Kauft man importierte Pflanzen, schleppt man allenfalls diese Schädlinge in seinen Garten oder ins Haus ein. Denn auch Tomaten- und Gurkensetzlinge sowie Blumenzwiebeln sind nicht immun gegen diese Nematoden - genauso wenig wie intensiv produzierte Bonsais. Daniel: «Durch die Globalisierung wird vieles importiert. Die Anbieter von Pflanzgut stehen unter dem Druck, schnell und viel zu produzieren.» Laut Daniel ist man aber wachsam: Die Branchen kennen bereits strenge Vorschriften. Zudem machen die kantonalen Pflanzenschutzstellen und das Bundesamt für Landwirtschaft Stichproben. Sie werden an der ACW Wädenswil untersucht, importiertes Material mit Befall wird vernichtet.
Infos und Tipps
www.nematologie.info-acw.ch
TIpps: Nematoden kaufen und richtig einsetzen
Die im Handel erhältlichen Nematoden helfen gegen Dickmaulrüssler, Trauermücken, Erdraupen, Schnecken und Maulwurfsgrillen. Als einzige Schweizer Firma produziert und vertreibt Andermatt Biocontrol AG in Grossdietwil LU (www.biocontrol.ch) insektenparasitische Nematoden.
Für Schneckenparasiten gibt es keine inländische Produktion.
Alle Anbieter (u. a. Coop, Migros, Gartenzentren, Gärtnereien) verkaufen Andermatt-Nematoden und ausländische Produkte. Der Preis für Nematoden variiert je nach Schädling und Packungsgrösse - z. B. gegen die Dickmaulrüssler (Andermatt):
Für 10 m2 ca. Fr. 20.-
Für 50 m2 ca. Fr. 60.-
Für 100 m2 ca. Fr. 85.-
Die übrigen Nematoden sind etwas günstiger.
Anwendung
Normalerweise erhält man die Nematoden in einem pulverisierten Trägersubstrat. Die Fadenwürmer sind in Plastik verpackt und im Kühlschrank 2 bis 3 Wochen haltbar. Trotzdem sollte man sie möglichst rasch anwenden: Material ins Giesswasser streuen, umrühren, Tierchen auf die feuchte Erde giessen (nach Regen, sonst vorgiessen). Nematoden können sich so leichter eingraben und ihre Opfer suchen. Je nach Schädling bringt man die Nützlinge einmal oder mehrmals pro Jahr aus.
14. März 2007 | REGINE ELSENER
