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Artikel | Haus & Garten 1/2007

Gärtnern hinter Glas

Wer selber ansäen will, was später im Garten gedeihen soll, muss die Fensterbank frei machen. Denn jetzt ist der beste Zeitpunkt für die Vorkultur der meisten Gartenpflanzen.

Sommerblumen, Kräuter und Gemüse: Hinter schützendem Glas kann im Haus schon jetzt heranwachsen, was draussen noch keine Überlebens-Chance hat. Dies verschafft dem Hobby-Gärtner nicht nur einen Vorsprung auf die Natur. Es ist auch günstiger, Setzlinge selber zu produzieren, als sie später im Gartencenter zu kaufen.

Eine Hexerei ist das Ganze nicht, sofern man beachtet: Je nach Entwicklungsstadium haben die Pflänzchen andere Bedürfnisse und benötigen einen anderen Standort.


Keimlinge schätzen ein kühles Plätzchen

«Zum Keimen eignet sich die Fensterbank sehr gut», sagt Hans Raeber von der Bäuerinnenschule Pfäffikon SZ. «Dort können Sie beobachten, wie sich die Pflänzchen entwickeln, und vor allem ist es dort warm.» Denn fast alle Samen benötigen zum Keimen Temperaturen um die 20 Grad. Zwar eignet sich auch ein Gewächshaus. Es muss aber beheizt sein.

Die Keime in der Saatschale sollte man feucht halten - aber nicht zu nass. Raeber empfiehlt, die Schale zusätzlich mit Zeitungspapier abzudecken: Das speichert Wärme und Feuchtigkeit. Wenn die Pflänzchen aus der Erde stossen, muss das Papier jedoch weg. Denn ab diesem Zeitpunkt benötigen sie viel Licht.

«Sobald die Keimlinge sichtbar sind, muss man sie kühler stellen», sagt Gärtnerin und Gartenberaterin Pia Oechslin aus Lauerz SZ. Andernfalls schiessen die Keimlinge in die Höhe und fallen schliesslich zusammen.

Die Pflanzen benötigen in diesem Stadium einen Standort, der hell ist - wo die Sonne sie aber nicht verbrennen kann -, und der kühl ist, aber nicht kalt. Etwa ein schwach geheiztes Entrée, ein Schlafzimmer und ein Wintergarten sind gute Standorte. Optimal sind eine Temperatur von 15 bis 18 Grad und eine Ausrichtung nach Südosten oder Südwesten: Dort ist der Lichteinfall am besten.


Pflänzchen brauchen hell, aber keine direkte Sonne

Ein Frühbeet oder ein ungeheiztes Gewächshaus kann zum Ausreifen der Mini-Pflanzen dienen. Die Pflege ist aber - je nach Witterung und Standort - mit etwas Aufwand verbunden. Bei direkter Sonne muss man die Pflanzen beschatten - am besten mit einem Vlies oder einer Schilfmatte. «Lüften ist ebenfalls wichtig, damit die Pflanzen frische Luft und nicht zu heiss bekommen. Überhaupt sollte man die Temperatur im Auge behalten - vor allem nachts kann es ihnen zu kalt werden. Einpacken mit Vlies kann auch in diesem Fall helfen», sagt Hans Raeber.


Der richtige Zeitpunkt, die Jungpflanzen zu pikieren

Nach dem Ansäen stehen die Pflänzchen in der Regel zu dicht beieinander. Dann muss man vereinzeln (im Fachjargon: pikieren), damit jede Jungpflanze genügend Platz hat. Nach den Erfahrungen von Fachfrau Pia Oechslin pikieren Laien oft zu spät. Der richtige Zeitpunkt: Sobald sich nach dem ersten Blattpaar - den sogenannten Keimblättern - die ersten «richtigen» Blätter entwickelt haben. Man hievt die empfindlichen Jungpflanzen vorsichtig aus der Aussaaterde, ohne die feinen Wurzeln zu verletzen, und pflanzt sie in ein Töpfchen um. Hans Raeber: «Pikierstifte erleichtern die Arbeit, es funktioniert aber auch mit einem Holzstift.»

Bei grösseren Pflanzen wie Kopfsalat, Kohlrabi und Sonnenblumen kommt je ein Pflänzchen in einen kleinen Topf, bei kleineren Gewächsen wie Kräutern sind es drei bis vier. Die Pflänzchen setzt man in die mit Anzuchterde gefüllten Vertiefungen von Eierkartons. Hilfreich sind auch spezielle Anzuchtschalen aus dem Gartencenter. Daraus lassen sich die Pflanzen später leicht herausnehmen und samt dem kleinen Erdballen versetzen. Die Erde immer feucht halten - aber nicht zu nass, sonst drohen die empfindlichen Gewächse zu verfaulen.
Wer sich das Pikieren ersparen will, kann laut Oechslin auch einzelne Samen in kleine Töpfe stecken. Das geht allerdings nur bei Pflanzenarten mit relativ grossen Samen. Dazu gehören Sonnen- und Ringelblumen, Tagetes und Stockrosen, Krautstiele, Zucchetti und Tomaten.

Das Vorurteil vieler Hobby-Gärtner, wonach Tomaten nur schwer selber zu ziehen seien, teilt Hans Raeber nicht: «Sie sind nur insofern anspruchsvoll, als sie lange nicht im Freien stehen können.» Tomaten sollten mindestens bis Ende April oder gar bis Mitte Mai (Eisheilige) drinnen bleiben, weil sie sehr frostempfindlich sind.



Welche Erde ist am besten?

Damit aus einem Samenkorn eine stattliche Jungpflanze wird, braucht es neben Wärme und Licht vor allem eines - die richtige Erde.

Hans Raeber von der Bäuerinnenschule Pfäffikon SZ empfiehlt unterschiedliche Substrate für Aussaat und Anzucht:
- Zum Keimen eignet sich Aussaaterde mit einem erhöhten Anteil an Sand. Diese ist leicht und luftdurchlässig. Raeber: «Schwere Erde aus dem Garten ist ungeeignet.»
- Die Erde in den Töpfchen, in die man die Mini-Pflanzen vereinzelt, sollte laut Raeber hingegen 10 Prozent Torf enthalten. Sie bietet den Vorteil, dass sie luftdurchlässig ist, aber dennoch zusammenhält. Das Wurzelsystem kann sich darin gut verzweigen.

Substrate mit Torf-Ersatz aus Zellulose eignen sich laut Raeber nicht für die Anzucht. «Der Torfersatz bindet viele Nährstoffe und entzieht so den kleinen Pflanzen die Nahrung.» Das sichtbare Symptom für Nährstoffmangel: Die Blätter der Jungpflanze werden gelb.

Aus ökologischen Gründen empfiehlt Raeber, Erde mit Torf ausschliesslich für die Anzucht zu verwenden. Um den Gartenboden zu verbessern, sollten Hobby-Gärtner zu Torf-Ersatz greifen.

14. März 2007 | BENNIE KOPRIO


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