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Artikel | K-Tipp 5/2007

Kleiner, dafür strahlender

Die Auswahl an strahlungsarmen Handys wird immer kleiner. Nicht einmal jedes dritte Gerät erfüllt die Kriterien des Umweltlabels «Blauer Engel».

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist in der Regel nicht sehr mobilfunkkritisch. Doch was strahlungsarme Handys anbelangt, ist der Rat des BAG klar: «Achten Sie beim Kauf auf einen tiefen SAR-Wert.» Allerdings hilft diese Empfehlung den Kundinnen und Kunden wenig. Die Auswahl an solchen Geräten ist klein - und schrumpft weiter.

Gemäss einer Liste des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz - mit 814 Geräten von 26 Herstellern - erfüllt nicht einmal mehr ein Drittel aller Handys die Vorgaben des «Blauen Engels».

In der Schweiz ist die Auswahl an Handys mit einer tiefen Strahlungsleistung inzwischen auch sehr klein: Die Konsumentenplattform Topten.ch listet zurzeit gerade mal 15 Handys auf. Vor zwei Jahren waren es noch 32 Geräte.

Ob ein Handy einen hohen oder einen tiefen SAR-Wert aufweist, erfährt man meist erst nach dem Kauf. Die Handyhersteller deklarieren zwar seit 2001 den Strahlungswert. Allerdings ist dieser oft nur in der Gebrauchsanleitung zu finden. Im Internet verstecken viele Hersteller und Verkaufsgeschäfte die SAR-Werte der Handys in den Datenblättern oder in den Handbüchern, die zuerst heruntergeladen werden müssen.
«Die Deklaration der SAR-Werte muss viel benutzerfreundlicher werden», verlangt Reto Planta von Topten.ch. Er fordert eine gesetzliche Deklarationspflicht. Der SAR-Wert gehöre aufs Preisschild.

Doch er gibt nur bedingt Aufschluss über die elektromagnetische Belastung beim Telefonieren. Denn die tatsächliche Strahlung hängt von der Qualität der Verbindung zu einer Antenne ab. Je schlechter die Verbindung, desto stärker sendet das Handy.

Mobilfunkkritiker Hans-Ulrich Jakob ist überzeugt: Weil die Industrie Handys herstellen will, die auch bei schlechter Verbindung funktionieren, habe sie kein Interesse an einem tiefen SAR-Wert.

Peter Schlegel von den Organisationen Diagnose-Funk und Bürgerwelle sagt: «Mit einer optimierten eingebauten Antenne würde ein Handy mit einem Bruchteil der Strahlungsleistung gleich gut funktionieren.» Doch weil die optimale Länge der Antenne von der Frequenz abhängig ist, würde sie - wie früher - über das Gehäuse der meisten Handys herausragen. Heute seien Antennen modebedingt z.B. auf eine Spirale im Innern des Geräts reduziert. Und dies sei funktechnisch schlecht.



So reduzieren Sie die Strahlenbelastung

- Beim Kauf eines Handys auf einen tiefen SAR-Wert achten. Geräte mit einem Wert unter 0,4 W/kg finden Sie unter www.topten.ch.
- Telefonieren Sie nur bei gutem Empfang.
- Im Auto nur mit Aussenantenne und per Freisprecheinrichtung telefonieren.
- Handy erst ans Ohr nehmen, wenn die Verbindung aufgebaut ist.
- SMS senden statt telefonieren.
- Eingeschaltetes Handy nicht direkt am Körper tragen.
- Nicht direkt neben dem eingeschalteten Handy schlafen.
- Produkte, die den Kopf gegen Handystrahlung «abschirmen» oder die Strahlung «harmonisieren» sollen, können das Gegenteil bewirken.



Hochfrequenzstrahlung erwärmt Körpergewebe

Unabhängig von allen Studien über die biologischen Folgen von Handystrahlung ist klar: Die Hochfrequenzstrahlung kann Körpergewebe erwärmen.

Beim Handy gibt der sogenannte SAR-Wert (spezifische Absorptionsrate) an, wie hoch die Strahlungsleistung ist, die vom Kopf während des Telefonierens aufgenommen wird und zu einer Erwärmung des Gewebes führt. Der Wert nennt die Belastung in Watt pro Kilo Körpergewicht. Der Grenzwert liegt in der Schweiz und in der EU bei 2 Watt/kg. Das deutsche Ökolabel «Blauer Engel» verlangt einen maximalen Wert von 0,6 W/kg. Die unabhängige Schweizer Internetplattform www.topten.ch propagiert nur Handys mit einem SAR-Wert unter 0,4 W/kg. Das deutsche Nova-Institut für Ökologie und Innovation geht noch einen Schritt weiter und empfiehlt einen Wert von unter 0,2 W/kg.

14. März 2007 | Otto Hostettler


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