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Magenbrennen wird zu einer Krankheit hochstilisiert und mit starken Medikamenten bekämpft. Das wäre häufig unnötig.
Man nennt es Sodbrennen, Magenbrennen oder saures Aufstossen. Wenn Magensäure in die Speiseröhre gelangt, schmerzt das. Denn die Speiseröhre ist nicht wie die Magenwand gegen die aggressive Säure geschützt. In der Fachsprache werden diese Beschwerden Refluxkrankheit genannt, weil durch den Säurerückfluss nicht der Magen, sondern die Speiseröhre brennt.
Rund ein Drittel der Bevölkerung hat mindestens einmal in der Woche solche Beschwerden. Die häufigste Ursache für das Aufstossen ist ein ungenügender Verschlussmechanismus am Übergang vom Magen zur Speiseröhre. Gehäuft kommt das bei Menschen vor, die einen Zwerchfellbruch hatten. Auslöser kann auch ein verstärkter Druck auf den Magen sein, zum Beispiel bei Schwangerschaft oder Übergewicht.
Gegen Reflux gibt es die Behandlung mit Protonenpumpenhemmern (PPI). Das sind gut wirksame, auch über Jahre und Jahrzehnte sehr nebenwirkungsarme, aber teure und nur gegen Rezept erhältliche Medikamente. Sie hemmen die Produktion von Magensäure.
In vielen Fällen wäre eine medikamentöse Behandlung aber nicht nötig, und ein paar einfache Hausmittel und Verhaltensregeln könnten helfen. Hans Rudolf Koelz, Leiter der Abteilung Gastroenterologie am Triemli-Spital in Zürich, hält zwar fest, dass für den Erfolg dieser Hausmittel breite wissenschaftliche Studien fehlen. Aber er bestätigt: «Es ist zu einem rechten Teil der Propaganda der Pharmaindustrie zu verdanken, dass aus einem meist harmlosen Magenbrennen eine Krankheit gemacht wurde, die oft vorschnell medikamentös behandelt wird.»
Starke Zunahme beim Verkauf von Medikamenten
So registrierten deutsche Krankenkassen zwischen 1999 und 2004 eine Verdoppelung der Diagnose Refluxkrankheit, die Verschreibung von PPI wurde so entsprechend gefördert. Ähnliches zeigt sich in der Schweiz: Laut dem Krankenversicherungsverband Santésuisse hat sich der Umsatz von Protonenpumpenhemmern hier von 160 Millionen Franken im Jahr 2002 auf 257 Millionen Franken im letzten Jahr erhöht.
Den Arzt aufsuchen sollte man jedoch, wenn die Beschwerden mehrmals in der Woche auftreten, sehr stark sind und die üblichen Hausmittel nicht wirken. Weitere Gründe, einen Arzt aufzusuchen, sind Schwierigkeiten beim Schlucken, allgemeines Krankheitsgefühl oder ungewollte Gewichtsabnahme. Der Arzt wird in solchen Fällen je nach Notwendigkeit eine Magenspiegelung durchführen lassen.
Kleinkinder: Symptome sind ernst zu nehmen
Die These, dass Reflux nicht nur die Speiseröhre schädigt, sondern auch Husten, Heiserkeit oder Asthma auslösen kann, ist verbreitet. Hans Rudolf Koelz vermisst aber auch hier glaubwürdige Studien. Einen Zusammenhang zwischen Reflux und Asthma gibt es laut diversen Fachleuten aber doch. Thomas Rothe, Lungenspezialist an der Luzerner Höhenklinik Montana, ist überzeugt: «Reflux ist nicht die Ursache von Asthma, kann es aber verschlimmern.» Die Säure, die in der Speiseröhre aufsteigt, kann den sogenannten Vagus-Nerv reizen, der für das Funktionieren der inneren Organe und der Lunge zuständig ist. Zudem kann Magensäure, die in den Rachenraum gelangt, in die Lunge fliessen und dort ein Zusammenziehen der Bronchien, sprich Asthma, verursachen.
Vorsicht auch bei Kleinkindern: Wenn etwa ein Einjähriges Symptome wie erschwerte, pfeifende Atmung zeigt, kann Reflux die Ursache sein. «Hier ist der Einsatz von Protonenpumpenhemmern sinnvoll. Sonst kann es zu bleibenden Veränderungen der Lunge kommen», sagt Thomas Rothe.
Das hilft gegen Magenbrennen
Wer ab und zu unter Sodbrennen leidet, kann mit einfachen Mitteln Abhilfe schaffen:
- 70 Prozent der Refluxpatienten sind übergewichtig. Deshalb ist eine Gewichtsreduktion die beste Vorsorge.
- Drei Stunden vor dem Schlafengehen sollte man nichts mehr essen oder ganz aufs Abendessen verzichten.
- Zu Rückfluss von Magensäure kommt es vor allem in der Nacht. Deshalb: Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper, indem Sie das Kopfende des Betts hochstellen.
- Fette Lebensmittel fördern Reflux. Schränken Sie deshalb den Konsum von frittierten Speisen, Wurstwaren, Blätterteig und Ähnlichem ein.
- Meiden Sie schwer Verdauliches: Hülsenfrüchte, Kohl, Sauer- und Rotkraut, Peperoni, Zwiebeln, hartgekochte Eier, frisches Brot.
- Verzichten Sie soweit als möglich auf Alkohol und Nikotin, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke, Pfefferminztee, stark gewürzte, zu heisse oder kalte Speisen.
- Tragen Sie keine engen Kleider.
- Kaugummi kauen hilft, aber solchen ohne Pfefferminzgeschmack.
- Nach dem Aufstehen und vor dem Schlafen Kartoffelsaft (Reformhaus) trinken.
Wichtig: Wer regelmässig oder gar mehrmals in der Woche unter Sodbrennen leidet, sollte unbedingt zum Arzt.
07. März 2007 | Angelica Schorre
