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Microsoft-Software zum Schnäppchenpreis: Auch private Anwender können Händlerversionen kaufen. Sie sind gleich gut - nur viel billiger.
Windows-Betriebssysteme und das Office-Paket von Microsoft sind auch in der sogenannten Version OEM (Original Equipment Manufacturer) erhältlich. Das ist Software, die ursprünglich für Händler bestimmt war. Gelegentlich werden diese Versionen auch mit SBV (System Builder Version) bezeichnet.
Den Verkauf an Privatanwender erlaubte Microsoft lange Zeit nur, wenn gleichzeitig ein neuer Computer erstanden wurde. Die Abgabe ohne Hardware war Händlern untersagt, weil das die Urheberrechte von Microsoft verletze, argumentierte der Software-Gigant.
Grosses Sparpotenzial bei gleicher Qualität
Dieser konsumentenfeindlichen Praxis hat das oberste deutsche Gericht, der Bundesgerichtshof (BGH), einen Riegel geschoben: OEM-Versionen müssen an alle abgegeben werden dürfen - unabhängig davon, ob ein Rechner gekauft wird oder nicht, entschied der BGH. Bindend ist das Urteil zwar nur für Deutschland. Doch Microsoft hat den Geltungsbereich freiwillig ausgeweitet: «Wir haben uns entschieden, diese Software auch in der Schweiz anzubieten», sagt Microsoft-Sprecher Holger Rungwerth.
Computeranwender spüren das sehr angenehm im Portemonnaie. Das Sparpotenzial ist riesig: So kostet die Normalversion des neuen Betriebssystems Windows Vista Ultimate rund 850 Franken. Die OEM-Ausgabe gibts schon ab 260 Franken. Für die Home-Premium-Ausgabe zahlt man nur 150 statt über 500 Franken. Und die Professional-Office-Bürosoftware bekommt man für unter 500 Franken statt 870 Franken.
Doch sind die günstigen Programme wirklich gleich gut wie die teuren? «Ja», bestätigt Microsoft-Sprecher Rungwerth. «Die beiden Versionen sind identisch.» Zudem ist die OEM-Software voll upgradefähig. Das heisst, der Anwender ist berechtigt, Nachfolgeversionen verbilligt zu beziehen, genauso wie beim Kauf der regulären Versionen.
Technischer Support für Kunden nur bei Sicherheitsfragen
Einschränkungen müssen die Käufer nur beim Support hinnehmen. Sie erhalten keine telefonische Unterstützung vom Hersteller. Ausser in Sicherheitsfragen. «Sicherheit geht vor. Deshalb sind wir in diesem Bereich auch OEM-Anwendern behilflich», so Rungwerth.
Die grossen Händler sind wenig begeistert von der neuen Kauffreiheit der Konsumenten. Die Marge bei OEM-Ware sei deutlich geringer, klagt einer. Deshalb müssen Kunden die Programme gezielt verlangen. Interdiscount bietet «zurzeit» keine OEM-Software an. Eschenmoser, Fust, Data Quest und Letec bestätigen auf Nachfrage von saldo, die Microsoft-Produkte zu führen.
Offensiv angepriesen werden die günstigen Programme von Media Markt. Gerhard Aerni, Verwaltungsrat und Geschäftsführer der Filiale in Dietlikon ZH: «Wir verkaufen OEM-Versionen von allen Microsoft-Produkten.» Die attraktivsten Angebote finden Anwender indes nicht bei grossen Anbietern, sondern bei kleinen Internethändlern oder bei Versteigerungsplattformen wie Ebay.
07. März 2007 | Franco Tonozzi
