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Artikel | saldo 4/2007

Denner darf Elmex nicht günstiger verkaufen

Weil Denner Elmex-Zahnpasta billiger verkaufen wollte, wird der Discounter nicht beliefert. Ein Musterbeispiel für das Preisdiktat der Hersteller.

Denner darf Elmex nicht günstiger verkaufen

Wer bei Coop eine Tube Elmex kauft, muss tief in die Tasche greifen: Fr. 4.60 verlangt der Grossverteiler für die Zahnpasta. Exakt gleich teuer ist Elmex bei der Migros. Und auch bei Manor kostet sie Fr. 4.60. Noch teurer ist die Tube in Drogerien: Für bis Fr. 5.10 steht sie dort im Regal. Zum Vergleich: In Österreich kostet Elmex umgerechnet rund Fr. 3.90.


Verfahren wegen vermuteter Preisabsprachen eingeleitet

Wer aber in normalen Denner-Filialen nach der Marke Elmex sucht, wird nicht fündig. Grund: Die Elmex-Herstellerin Gaba weigert sich, Denner mit günstigeren Produkten zu beliefern. saldo weiss, warum das so ist: Denner hätte die Zahnpasta für knapp 4 Franken verkaufen wollen. Doch das passte der Schweizer Elmex-Produzentin Gaba nicht.

Das ist gesetzwidrig. Denn in der Schweiz sind horizontale wie vertikale Preisabsprachen nach dem Kartellgesetz grundsätzlich verboten. Sprechen Unternehmen einer Branche die Preise untereinander ab, handelt es sich um horizontale Kartelle. Verlangen die Hersteller von Detailhändlern, dass sie ein Produkt zu einem Mindestpreis verkaufen, liegt eine vertikale Preisbindung vor.

Genau diesem Verdacht geht die Wettbewerbskommission (Weko) im Fall Elmex nach: Sie eröffnete kürzlich ein Verfahren gegen die Firma Gaba wegen vermuteter vertikaler Preisabreden und Verhinderung von Parallelimporten.

Bei Gaba äussert man sich zu diesen Vorwürfen nicht. Andrea Voegeli, Geschäftsführer von Gaba Schweiz, erklärt gegenüber saldo, man wolle wegen des laufenden Weko-Verfahrens keinerlei Aussagen zum Thema machen. Die offizielle Begründung, weshalb Denner nicht beliefert wird: Man wolle Elmex-Produkte nur in «ausgewählten Absatzkanälen» verkaufen.


Parallelen zum Preisgerangel um die Kinder-Milchschnitte

Migros nahm Elmex im April 2003 ins Sortiment auf. Dass die Zahnpasta bei der Migros gleich viel kostet wie beim Konkurrenten Coop, begründet Migros-Sprecher Urs Peter Naef damit, dass bei wichtigen Marken «Preisparität» angestrebt werde. Eine Preisabsprache gebe es nicht. «Dies wäre ja verboten», so Naef. Coop-Sprecherin Susanne Erdoes hingegen bestätigt: «Es gibt bei Markenprodukten ja üblicherweise Preisempfehlungen der Hersteller.»

Der Fall Elmex hat Parallelen mit dem Fall Ferrero: Der internationale Süsswarenkonzern hatte in der Schweiz bei der Kinder-Milchschnitte höhere Einstandspreise als in anderen Ländern verlangen wollen. Die Migros importierte die Milchschnitte deshalb direkt aus Deutschland. Das passte Ferrero nicht. Der Hersteller versuchte den Import zu unterbinden. Vor rund einem Jahr sah sich die Migros deshalb veranlasst, bei der Weko Anzeige gegen Ferrero wegen Behinderung des Direktimports einzureichen. Im Rahmen des Verfahrens einigten sich die Parteien nun auf die Senkung des Einstandspreises. Und das hat für Migros-Kunden Folgen: Ab diesem Monat soll die Kinder-Milchschnitte dort zum Preis von Fr. 2.10 statt Fr. 2.70 erhältlich sein.

Die Konkurrenten, so informierte die Migros, hätten ebenfalls profitiert und seien quasi im Lehnstuhl zu einer Preissenkung gekommen. Trotzdem werde man sich auch weiterhin gegen die zum Teil ungerechtfertigt hohen Preise im Schweizer Markt wehren und sich für die Konsumenten einsetzen. Bei der Elmex-Zahnpasta ist dies aber nicht der Fall.

07. März 2007 | Pascal Tischhauser


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