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Artikel | K-Tipp 4/2007

Pulver gut? Viel Dichtung, wenig Wahrheit

Diesen Winter herrschen prekäre Schneeverhältnisse - und trotzdem gibts tolle Pistenberichte. Wie passt das zusammen? Der K-Tipp hat die Angaben vor Ort überprüft.

Pulver gut? Viel Dichtung, wenig Wahrheit

Pistenzustand: gut. Schneezustand: Pulver. Talabfahrt: gut.» Mit diesen Angaben warben die Adelbodner Bergbahnen am 15. Februar auf www.myswitzerland. com, der Homepage von Schweiz Tourismus. Die Organisation wird durch Bund, Kantone sowie diverse Gastro- und Tourismusverbände finanziert.

Grund genug für den K-Tipp, sich tags darauf nach Adelboden aufzumachen, um die Angaben vor Ort zu überprüfen. Dies auch in fünf weiteren Berner Oberländer Wintersportorten sowie in einem Skigebiet im Kanton Freiburg.


Nass, eisig - und am Ende 200 m Sumpf
- Befund in Adelboden: Die Pisten waren vereist. Oder nass. Eine dünne Pulverschneeschicht lag nur auf ein paar wenigen Schattenhängen. Darunter lauerte das blanke Eis. Wer ins Dorf fuhr und die Abfahrt nach Silleren 2 nahm, stand unversehens am Ende des Kunstschneebands. Dahinter 200 Meter Morast (siehe Tabelle).
Ähnliche Bilder auch in den anderen Wintersportorten:
- Mürren BE: Laut www. myswitzerland.com hätten die Talabfahrten bis auf 795 m hinunter «gut» sein sollen. Doch in Lauterbrunnen lag keine Schneeflocke.
- Wiriehorn BE: Auch hier hiess es, die Talabfahrt sei «gut». Dennoch: Das schmale Kunstschneeband hinunter ins Diemtigtal war voller Eisflächen und Kieselsteine. Wer seine Ski nicht ruinieren wollte, musste sie sogar ausziehen, um eine Strasse zu überqueren.
- Lenk BE: Angeblich «Piste gut» - aber die Ski- und Snowboardfahrer mussten sich den Weg zwischen den aperen Stellen suchen.
Dass die Verhältnisse am Tag der K-Tipp-Stichprobe manchenorts prekär waren, erstaunt wohl kaum. Den ganzen Winter hat es wenig geschneit. Und im Berner Oberland, dessen Skigebiete kaum auf 2000 m hinaufreichen, manchmal sogar geregnet. Zudem lag die Nullgradgrenze am Stichtag auf rund 3000 m.


Pulverschnee gabs so gut wie nirgends

Kein Wunder also, dass so gut wie nirgends Pulverschnee lag. Umso störender hingegen, welch tolle Pistenberichte die Bergbahn-Betreiber zum Teil verfassten. Denn an sich sind die Kriterien klar. Und auch streng.

Die Verantwortlichen bei den Bergbahnen beteuern, dass sie keinen Aufwand an Mensch und Material gescheut und das Beste aus dem wenigen Schnee gemacht hätten. Das mag so sein. Doch es berechtigt nicht dazu, bei den Pistenberichten zu schummeln.

Zudem kritisieren die Bergbahn-Betreiber, dass der K-Tipp den Pistenbericht vom 15. Februar am 16. Februar überprüft habe. Der K-Tipp geht allerdings davon aus, dass Skifahrer sich am Vortag informieren und entscheiden, ob und wohin sie tags darauf Ski fahren gehen. Die Bergbahn-Verantwortlichen beteuern alle, ihr Pistenbericht sei korrekt gewesen.


Nächste Saison gibts «Daten falsch»-Knopf

Heinrich Wasser aus Mürren und Matthias Kurt aus Lenk räumen aber ein, dass sich die Schneequalität im Laufe des Tages verändern könne: «Von hart über griffig zu matschig oder eisig», so Kurt. Zur Erinnerung: Im Lenker Pistenbericht stand «Pulvernass».

Und Markus Hostettler aus Adelboden verweist auf ein Teersträsschen. So liesse sich der Morast am Ende des Kunstschneebands umgehen. Doch Ortsunkundige werden es kaum finden.

Schweiz Tourismus überprüft die Angaben der Wintersportorte nicht, führe aber «Schulungen» durch. Reklamationen gebe es kaum, sagt Sprecherin Daniela Bär. Dennoch gibts nächsten Winter eine Neuerung: Im Internet werden enttäuschte Skifahrer den Knopf «Daten falsch» drücken können. Sobald das deren fünf getan haben, interveniert Schweiz Tourismus bei der entsprechenden Bergbahn.



Klare Regeln für Pistenberichte

Für die Verfasser der Wintersportberichte gibt es klare Kriterien - herausgegeben u. a. von Schweiz Tourismus und dem Seilbahnen-Verband. Es ist geregelt, wie die Schneehöhen zu messen sind. Weitere Vorgaben:
- Pistenzustand: Offene Pisten sind mit «gut» oder «fahrbar» zu bezeichnen. «Gut» ist nur zulässig, wenn «alle Pisten im Hauptskigebiet für den Durchschnittsfahrer ohne Schwierigkeiten (z. B. vereiste Abschnitte/Passagen) befahrbar sind». Die Kombination «gut-fahrbar» bedeutet: Zwei Drittel der Pisten sind gut, das restliche Drittel ist fahrbar.
- Schneezustand: Erlaubt sind vier Bezeichnungen - Pulver, hart, nass und Sulz. Kombinieren darf man zwei davon.
- Talabfahrten: Möglich sind gut, fahrbar, geschlossen sowie eine Kombination. «Fahrbar» heisst: vereiste Abschnitte, apere Stellen.

(mdb)

28. Februar 2007 | Marco Diener


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