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Artikel | saldo 3/2007

Mit E-Mail-Therapie gegen seelische Nöte

Nach der Telemedizin kommt jetzt die Telepsychiatrie: An der Uni Zürich hat man Patienten erfolgreich per E-Mail therapiert.

Die ärztliche Diagnose und die Behandlung per Telefon und E-Mail haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Nun hat das Psychologische Institut der Universität Zürich diese Art von Fernbehandlung erstmals in der Deutschschweiz auf die Psychologie ausgeweitet: Es behandelte im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie 200 Personen per E-Mail-Therapie.

An der Studie nahmen Personen teil, die an Depressionen litten oder die von einem gravierenden Ereignis wie einem Unfall oder Gewalt traumatisiert waren. Bei beiden Krankheitsbildern habe die E-Mail-Therapie eine deutliche Verbesserung der Symptome gebracht, resümiert Birgit Wagner von der psychopathologischen Abteilung des Instituts. Auch eineinhalb Jahre nach Abschluss der Studie gehe es den meisten Teilnehmern deutlich besser als vor der Behandlung. Doch wie funktioniert diese E-Mail-Therapie konkret?

Während fünf Wochen standen die Patienten in intensivem schriftlichem E-Mail-Verkehr mit ihrem Therapeuten. Dabei wurden sie zum Beispiel aufgefordert, ihre schmerzlichsten Erinnerungen in Worte zu fassen, und sie mussten versuchen, ihr Trauma genau zu beschreiben. Damit sie aus der Opferrolle heraustraten, wurde von den Patienten auch verlangt, anhand ihrer Erfahrungen selbst Ratschläge zu formulieren.

Die Therapeuten beantworteten die E-Mails, indem sie Rückfragen stellten. Beispielsweise erfragten sie genauere Angaben zum Unfallhergang oder zu den Empfindungen, die der Patient nach dem Unfall hatte. Gleichzeitig gaben sie praktische therapeutische Anleitungen zu einem Leben nach dem Trauma.


Krankenkassen müssen die Therapie nicht bezahlen

«Die kurze Therapiedauer half den Patienten teilweise besser als eine konventionelle Behandlung, die oft viel länger dauert», ist Wagner überzeugt. Hinzu komme, dass das schriftliche Formulieren zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen zwinge. Eine weitere Stärke der Online-Therapie sieht Wagner in der Anonymität, die die Kontaktaufnahme des Patienten mit dem Therapeuten erleichtere. Bei der üblichen Therapie brauche man Stunden, bis eine Beziehung hergestellt sei. In der Online-Therapie würden häufig schon im ersten E-Mail mit grosser Offenheit heikle Themen angesprochen.

Nach Abschluss der Studie bietet das Institut die E-Mail-Therapie weiterhin an. Birgit Wagner betont aber: Für Menschen mit psychotischen Symptomen (etwa Halluzinationen), Selbstmordgedanken, Drogenproblemen oder schwerer Depression eigne sich die E-Mail-Therapie nicht. Sie würden an andere Fachstellen verwiesen.

Entwickelt wurde diese Form der Psychotherapie in Holland, wo Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen. Anders sieht es in der Schweiz aus: Online-Therapien würden nicht zu den kassenpflichtigen Leistungen gehören, sagt Peter Marbet von Santésuisse, dem Verband der Schweizer Krankenversicherer.


Weitere Infos: www.psychologie. unizh.ch/psypath/praxisstelle/
therapie_internet/index.htm. Eine komplette Psychotherapie kostet 500 Franken.



Professionelle Stellen mit Online-Beratungen

Während der letzten Jahre ist im Internet die Zahl der Anlaufstellen für Menschen mit seelischen Nöten rapide gestiegen. Doch darunter hat es auch viele unseriöse Angebote. In Notfällen seriöse Erste Hilfe bieten an:
- Erste Anlaufstelle: Die Dargebotene Hand bietet telefonisch (143) sowie per E-Mail und Chat (www.143.ch) seit Jahrzehnten kostenlose Hilfe für Menschen in seelischen Nöten.
- Für Eltern: Der Elternnotruf (www.elternnot ruf.ch) berät rund um die Uhr per Telefon (044 261 88 66) oder E-Mail (24h@elternnotruf.ch).
- Für Jugendliche: Das Internetportal der Pro Juventute (www.tschau.ch) gibt kostenlos Informationen und Auskunft zu Themen, die Jugendliche beschäftigen. Per Telefon (147) oder per E-Mail (info@tschau.ch).
- Kontaktadressen: Weitere Adressen und Informationen zu psychologischen Online-Beratungen findet man unter www.onlineberatungen.com.

21. Februar 2007 | Stefan Müller


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