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Artikel | saldo 3/2007

Wenig Bonusmeilen für treue Swiss-Kunden

Wer bei der Swiss konsequent Economy bucht, muss bis zu 120-mal hin und her jetten, bis er einen Gratisflug erhält. Andere Airlines sind grosszügiger.

Wenig Bonusmeilen für treue Swiss-Kunden

Als das Vielfliegerprogramm der Swiss noch Travelclub hiess, wurden für jeden Economy-Retourflug innerhalb Europas unabhängig vom Tarif im Minimum 2000 Meilen gutgeschrieben. Prämientickets für den innereuropäischen Verkehr kosteten 20 000 Meilen. Somit war mindestens jede elfte Reise gratis - egal, wie viel man für seine Tickets bezahlt hatte. Genauso verhielt es sich auch bei der untergegangenen Swissair.

Mit dem Beitritt zum Miles-&-More-Verbund der Lufthansa änderten sich die Spielregeln. Zum einen wurde die Zahl der für einen kostenlosen Europaflug benötigten Meilen von 20 000 auf 30 000 heraufgesetzt. Zum anderen unterscheidet die Swiss neu zwischen verschiedenen Buchungsklassen: Während Vollzahler nun im Europanetz mit 1250 Meilen pro Strecke honoriert werden und damit sogar noch 25 Prozent mehr Meilen erhalten als früher, gibt es für die drei tiefsten Tarifstufen (E, L, und T) nur noch 125 Meilen - achtmal weniger als beim ehemaligen Travelclub.


Bonusmeilen: Ein Rabatt von 0,26 Prozent

Wer also beispielsweise auf der Swiss-Website das günstigste Retourticket von Zürich nach Frankfurt bucht, hat sich mit mageren 250 Meilen zu begnügen. Das ist gerade einmal ein Hundertzwanzigstel der 30 000 Meilen, die es braucht, um in den Genuss eines Gratisfluges in die deutsche Wirtschaftsmetropole zu kommen. Einfacher formuliert: Bevor man einmal kostenlos abheben kann, muss man 120-mal bezahlen.

In Franken umgerechnet sieht die Rechnung nicht besser aus: 120 Retourflüge Zürich-Frankfurt läppern sich in der tiefsten Economy-Buchungsklasse inklusive Flughafentaxen und Treibstoffgebühren auf 24 780 Franken zusammen (Preisstand Mitte Februar). Der Lohn für die Treue ist ein Freiflug im Wert von 65 Franken. Das entspricht einem Rabatt von mickrigen 0,26 Prozent.


Air Berlin, Fly Nikki: Viel bessere Meilenprogramme

Zwar bietet Miles & More auch Prämienflüge für 15 000 Meilen an. Doch diese sogenannten Fly-Smart-Tickets können frühestens zwei Wochen vor Abflug gebucht werden und sind dadurch für Erwerbstätige und Familien, die nicht von heute auf morgen die Koffer packen können, keine echte Alternative.

Ein saldo-Vergleich zeigt: Bei anderen Vielfliegerprogrammen werden budgetbewusste Kunden deutlich besser behandelt als bei der Swiss (siehe Tabelle). Grundlage des Vergleichs war die Frage, wie oft man auf den billigsten Plätzen der jeweiligen Airline von Zürich zum Heimflughafen und zurück fliegen muss, bis ein Gratisticket für die gleiche Strecke herausspringt. Mit Abstand am besten schneiden die beiden Billigflieger Air Berlin und Fly Nikki ab. Ihr gemeinsames Bonussystem Top Bonus belohnt Retourflüge unabhängig vom Tarif mit 2000 Meilen. Flugprämien kosten 25 000 Meilen, sodass unter dem Strich jeder vierzehnte Trip nach Berlin oder Wien gratis ist.

Auch grosse Netzwerkgesellschaften zeigen sich grosszügiger als die Miles-&-More-Partner Swiss, Lufthansa und Austrian Airlines: British Airways macht nur 36-mal die hohle Hand, bevor sie eine Freikarte spendiert, KLM und Air France 54-mal. Nur die Alitalia schneidet noch schlechter ab als die Swiss:
Die italienische Airline schreibt in der günstigsten Buchungsklasse überhaupt keine Meilen gut.


Swiss will sich nicht mit Billig-Airlines vergleichen lassen

Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel bestätigt die Berechnungen von saldo, will den Vergleich mit Air Berlin und Fly Nikki aber nicht gelten lassen: «Prämienprogramme von Low-Cost-Carriern sind nur für Reisende interessant, die ihre Flugtätigkeit auf bestimmte Destinationen beschränken können.» Er bestreitet auch, dass der Übergang vom Travelclub zu Miles & More eine Verschlechterung der Bedingungen mit sich brachte: «Es ist zwar richtig, dass gewisse Leistungen jetzt anders bewertet werden - im Langstreckenbereich und besonders in höherwertigen Buchungsklassen aber sicher zum Vorteil unserer Kunden.»

Das Vielfliegerprogramm Miles & More sorgt bei Swiss-Kunden aber auch aus anderen Gründen für Unmut.
«Ich musste mich mindestens fünfmal beim Kundendienst melden, bis ich meine neue Kundenkarte erhielt», ärgert sich zum Beispiel saldo-Leser Jens G.


Generell zu wenig Plätze für Freiflüge im Angebot

Und wer seine Gratisflüge einziehen will, steht häufig vor einem weiteren Problem: Freiflüge sind bei vielen Airlines kurzfristig nämlich kaum erhältlich. Grund: Das Angebot an Prämienplätzen hält der Nachfrage nicht stand. Bei der Swiss gibt man entsprechende Engpässe zu. «Das ist aber ein Problem, das alle Airlines haben, nicht nur die Swiss», betont Donzel. Er verneint auch, dass die Swiss das Angebot der Freiplätze reduziert habe.

Wenn man nicht auf den Bonusmeilen sitzen bleiben oder sie gar verfallen lassen will, bleibt den Vielfliegern nur, sie gegen sogenannte Non-Flight-Artikel einzulösen: vom Konfekt über Wein und Kameras bis zu Stichsägen.



Forum

Sind Sie zufrieden mit den Bonusprogrammen für treue Kunden?
Schreiben Sie an: saldo, Postfach 723, 8024 Zürich oder redaktion@saldo.ch

21. Februar 2007 | Lorenz Heinzer


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Kommentare (1)

 
  • 74Amina | 10.06.2009, 15:36

    Überrissene Gebühren bei Prämienbuchung

    Die Gebühren, die für einen "Gratis-Flug" anfallen
    sind höher, als ein regulär gebuchter Flug! Für Paris
    oder Marseilles ca. 300 Franken, für Prag 230 Franken!! Da werden
    Kunden bestraft, die Meilen einlösen.
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Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
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