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Artikel | K-Tipp 3/2007

Süsse Früchte voller Pestizide

Frische Ananas sind beliebt. Aber: Fast alle Früchte sind mit Pestiziden belastet. In zwei Proben fand das Kantonslabor Genf zudem hoch giftige Stoffe.

Schweizerinnen und Schweizer essen so viel frische Ananas wie noch nie: ?ber 15000 Tonnen pro Jahr, doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Auch in anderen L?ndern boomt der Ananas-Konsum.

Damit die Ananas ?t wird f?r den globalen Handel, kommt viel Chemie zum Einsatz - «und zwar w?hrend des ganzen Lebenszyklus der Pflanze», sagt Fran?ois Meienberg von der Erkl?rung von Bern. Schon bevor die Sch?sslinge in die Erde kommen, werden sie mit einem Insektizid pr?pariert. In der Wachstumsphase kommen D?nger und weitere Pestizide dazu. Auch beim Reifeprozess wird Chemie eingesetzt. Und nach der Ernte werden die Ananas-Stauden mit einem Herbizid abget?tet, damit das Feld frei wird f?r die n?chste Bepflanzung.

Dabei sind laut Ananas-Spezialist Claude Teisson von der franz?sischen Forschungsanstalt Cirad selbst im konventionellen Anbau sechs Monate vor der Ernte keine Pestizide mehr n?tig. Dann w?ren die Fr?chte in den L?den frei von Pestiziden. Ein frommer Wunsch, wie ein Test des Westschweizer Konsumentenmagazins A Bon Entendeur (ABE) zeigt.


«Das Insektizid wirkt ?hnlich wie Kampfgas»

Das Genfer Kantonslabor hat im Auftrag von ABE 14 Proben frische Ananas auf Spuren der krebserregenden Schwermetalle Blei und Cadmium sowie auf Pestizid-R?ckst?nde untersucht.
Nur zwei waren sauber:
- Fruit d’Or aus Benin, gekauft bei Manor
- Ivoria von der Elfenbeink?ste, gekauft bei der Westschweizer Ladenkette Hyper Casino

Bei zehn Proben fand das Labor R?ckst?nde von Pestiziden, bei drei Ananas ferner Spuren von Cadmium. Die Analyse-Resultate lagen jedoch unter den Toleranz- bzw. Grenzwerten.

Zwei Proben enthielten bedenklich viel giftige Stoffe:
- Max Havelaar Super Sweet aus Costa Rica, gekauft bei Manor. Der Cadmium-Gehalt dieser Ananas erreichte mit 0,05 mg/kg den Grenzwert. Die Schweizer Max Havelaar-Stiftung schreibt dazu, das Cadmium stamme vermutlich von D?nger, «den ein oder mehrere Produzenten unerlaubterweise verwendet haben». Die Stiftung versprach, die Kontrollen zu verst?rken.
lKonanga Selection aus Kamerun, gekauft bei Globus: Die Ananas war mit dem Insektizid Profenofos verunreinigt. «Profenofos greift ?hnlich wie Kampfgas das Zentralnervensystem an», sagt Patrick Edder vom Kantonslabor. Die Ananas ?berschritt den Toleranzwert f?r dieses sehr giftige Insektizid. Globus schreibt, die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten sei «unverz?glich und de?nitiv» eingestellt worden.



Katastrophale Bedingungen auf vielen Plantagen

Hungerl?hne, krank machende Arbeitsbedingungen, verschmutzte Umwelt: Auf vielen Ananas-Plantagen herrschen katastrophale Zust?nde.

Das Gesch?ft mit der Ananas boomt - vor allem in Costa Rica. Das kleine Land in Mittelamerika ist innert weniger Jahre zum gr?ssten Ananas-Produzenten aufgestiegen. F?r die riesigen Monokulturen wurde der Regenwald abgeholzt. Pestizide verschmutzen das Wasser und f?rdern die Verbreitung von Insekten, die Krankheiten ?bertragen.

Unter den desolaten Bedingungen leiden vor allem die Plantagenarbeiter. Sie riskieren ihre Gesundheit f?r einen Hungerlohn. Fran?ois Meienberg von der Erkl?rung von Bern sch?tzt, dass ein Landarbeiter rund 8 Franken pro Tag verdient - f?r bis zu 12 Stunden Arbeit, oft ohne Schutz vor Pestiziden.

«Selbst wo es Schutzanz?ge gibt - so angezogen k?nnten die Akkordarbeiter in der br?tenden Hitze ihr Soll oft nicht erf?llen», sagt Meienberg. So sind sie teils jahrelang dem Gift ausgesetzt. Folge: Viele leiden unter Nagelpilz, ?belkeit, es kann zu Fr?hgeburten, Krebs und Todesf?llen kommen.

Laut Meienberg ist es dringend n?tig, Druck zu machen, damit sich die Zust?nde ?ndern. Ein Boykott w?re jedoch das falsche Mittel: Die Menschen sind auf die Arbeit in den Plantagen angewiesen.

(ko)

14. Februar 2007 | Pasquale Ferrara, Bennie Koprio


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