SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | K-Tipp 2/2007

Pharmamultis machen Profite mit der Todesangst

Novartis-Chef Daniel Vasella erleidet einen schweren Herzinfarkt. Die Ambulanz fährt ihn mit Blaulicht ins nächste Spital. Jede Sekunde zählt. Vasella ringt mit dem Tod. Plötzlich hält der Fahrer an. Er fragt den Konzernchef: «Wie viel ist Ihnen Ihr Leben wert? Bei Ihrem Einkommen können Sie mir gut ein paar Millionen zahlen, damit ich weiterfahre und Sie ins Spital bringe.»
«Das ist Erpressung», sagt Vasella schwach, «so viel kostet die Fahrt doch niemals.» «Das stimmt», antwortet der Fahrer, «aber der Nutzen für Sie ist gross, nicht wahr? Ich verlange von Ihnen nur das, was Ihnen die Fahrt wert ist.»

Eine absurde Vorstellung, denken Sie? Doch genau so handeln viele Pharmafirmen. Sie verlangen von todkranken Menschen horrende Preise. Ein Patient, der an Leukämie erkrankt ist, muss für das Krebsmittel Glivec von Novartis jährlich 48 000 Franken bezahlen. So viel kann der Pharmamulti fordern, weil der Kranke überleben will. Mit Glivec macht Novartis weltweit jedes Jahr 2,2 Milliarden Franken Umsatz.

Für eine einzige Chemotherapie mit Avastin gegen Dickdarmkrebs verlangt Roche 53 000 Franken. Den Krankenkassen ist es völlig schleierhaft, wie diese Preise zustande kommen. An den Kosten für Forschung und Herstellung liegt es nicht. Das gibt Thomas Cueni vom Branchenverband Interpharma ganz offen zu. Allein der Nutzen für den Patienten rechtfertige den hohen Preis, sagt er. Ein Todkranker, der mit seiner Familie noch einmal Weihnachten erleben möchte, müsse dafür halt teuer bezahlen.

Novartis strich auch im letzten Jahr wieder einen Rekordgewinn ein: 7 Milliarden Franken. Mit der Todesangst macht der Pharmamulti dicke Geschäfte.

31. Januar 2007 | Wolfgang Wettstein, Redaktionsleiter «Kassensturz»


Beitrag als PDF
Pharmamultis machen Profite mit der Todesangst
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Heftiger Streit ums Gefahr fürs Herz: Zu viel Fructose in Fertigprodukten Übergewicht schadet auch der Haut
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten