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Artikel | K-Tipp 2/2007

Luxus-Food schmeckt nicht immer besser

Premium-Lebensmittel der Grossverteiler sind teuer, aber nicht immer top. Schmackhafter kann die günstigere Alternative im Ladensortiment sein.

Sélection und Fine Food heissen die Premium-Linien von Migros und Coop. Die Lebensmittel sind edel verpackt und versprechen kulinarische Höhenflüge. Doch schmecken diese teuren Lebensmittel wirklich besser als die Produkte aus dem herkömmlichen Sortiment? Der K-Tipp verglich Brie, geräucherten Wildlachs (pazifischen Silberlachs), Balsamico di Modena, Mousse au Chocolat, Zitronensorbet und Nuss-Stängel. Drei Experten sowie zwei Laien degustierten die Proben blind.

Eingekauft wurden insgesamt 24 Produkte: je mindestens ein Premium-Lebensmittel und drei Alternativen dazu - entweder bei den beiden Grossverteilern oder bei Jelmoli, Spar, Denner und Aldi. Nach Möglichkeit wurden günstigere Vergleichsprodukte gewählt. Ausnahme: Der Wildlachs aus der Zürcher Jelmoli-Gourmet-Factory war mit Fr. 12.50 pro 100 Gramm noch teurer als der Fine-Food-Lachs von Coop. Pikant: Der teuerste Lachs schnitt am schlechtesten ab (siehe Tabelle).

Bemerkenswert auch: Bei der Degustation haben zwar vier von sechs Premium-Produkten am besten abgeschnitten. Drei Produkte jedoch nur mit mittelprächtigen bis ungenügenden Noten: Das Schoggi-Mousse und der Wildlachs von Coop Fine Food erreichten gerade mal ein «genügend». Und der Balsamico-Essig von Migros Sélection verfehlte das «genügend» knapp. Frappant: Nur wenig schlechter wurde der Balsamico di Modena von Aldi beurteilt - der günstigste im Vergleich. Das Sélection-Produkt kostet 25-mal so viel wie die Standardvariante des deutschen Discounters.

Migros-Sprecherin Monika Weibel rechtfertigt den hohen Preis unter anderem mit der aufwändigen traditionellen Herstellungsmethode. Der Sélection-Balsamico reife zehn Jahre lang in Holzfässern. Sensoriker Patrick Zbinden, einer der Degustanten, widerspricht: «Ein Top-Balsamico braucht keine Zusatzstoffe für die Süsse oder die Farbe.» Im Migros-Premium-Produkt findet sich nämlich der Farbstoff E 150 d.


Brie: Ein Billigprodukt war am besten

Die K-Tipp-Degustation lieferte den Beweis, dass auch günstige Produkte richtig gut schmecken können: Der Prix-Garantie-Brie überzeugte alle fünf Probanden durch seinen ausgewogenen Geschmack und schnitt besser ab als der aus Rohmilch hergestellte Sélection-Brie.

Auch beim Zitronensorbet landete das günstige Produkt von Spar vorne. Das Fine-Food-Sorbet bekam die schlechteste Note: «Künstliches Aussehen, künstlicher Geschmack», urteilte Jungköchin Pascale Brigger bei der Degustation. Coop kann sich das schlechte Ergebnis nicht erklären: Im Gegensatz zum herkömmlichen Sorbet verwende man beim Premium-Produkt keine Standardzutaten wie Aromen und Säurungsmittel. Man wolle ja gerade die natürliche Note unterstreichen.

Während die Sélection-Nuss-Stängel eine gute Note erzielten, erhielten jene von Denner ein glattes «ungenügend»: «Ranzig, alt, ungeniessbar», lauteten die Kommentare der Degustatoren. Denner räumte gegenüber dem K-Tipp den Fehler ein: Der Lieferant habe bei der entsprechenden Charge ebenfalls einen «etwas ranzigen Geschmack» festgestellt. Man habe die entsprechende Lieferung aus dem Verkauf genommen.



So wurde degustiert

Kriterien: Aussehen, Geruch, Konsistenz, Textur, Mundgefühl, Harmonie von Aroma und Geschmack, Nachgeschmack.
Noten: 5,5-6: sehr gut, 4,8-5,4: gut, 4-4,7 genügend, unter 4: ungenügend.
Experten: René Zimmermann, Wirt des Zürcher Restaurants Neumarkt, Patrick Zbinden, Food-Journalist und Sensoriker, Pascale Brigger, mit dem Titel «La Cuisine des Jeunes» ausgezeichnete Köchin im Reha-Zentrum Heiligenschwendi BE.



Schmecken Premium-Produkte wirklich besser als Lebensmittel aus dem Standardsortiment? Stimmen Sie ab auf www.ktipp.ch.

31. Januar 2007 | Vera Sohmer


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