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Der neue obligatorische Aufprallschutz für Lastwagen ist untauglich. Crash-Tests zeigen: Für Autofahrer kann er verheerend wirken.
Der TCS ruft die Behörden dringend zum Handeln auf», sagt Erich Schwizer vom grössten Automobilclub der Schweiz. Der Grund: Autofahrer haben denkbar schlechte Karten, wenn sie auf das Heck eines Lastwagens prallen. Da die Fahrzeuge unterschiedlich hoch sind, kann die Knautschzone des Autos ihre Funktion nicht erfüllen. Schwerste Verletzungen bis zum Tod des Automobilisten sind die Folge.
Das Bundesamt für Strassen (Astra) und die Europäische Union (EU) haben das Problem erkannt. Ab März dieses Jahres müssen Lastwagen mit einem normierten Aufprallschutz ausgerüstet sein. Der soll verhindern, dass Autos unter den Lastwagen geraten.
«Neuer Schutz bringt nicht die nötige Verbesserung»
So weit die Theorie. Doch die Praxis sieht anders aus: Der gesetzlich vorgeschriebene Unterfahrschutz für Lastwagen ist untauglich. Das geht aus einem noch unveröffentlichten Bericht des TCS hervor. Der Schweizer Automobilclub hat gemeinsam mit dem deutschen ADAC einen Crash-Test durchgeführt. Das Ergebnis schockiert: Beim Aufprall eines PW mit nur 56 km/h knickt die obligatorische Barriere einfach weg. Das Auto bohrt sich ungehindert unter das Heck des Lastwagens. Die Wand des Lasters drückt die Airbags hinunter. So schützen sie die Insassen nicht. Die Fahrgastzelle des Autos wird bis zu den hinteren Türen komplett zerstört.
Was das bedeutet, ist klar: Den Insassen droht die Enthauptung, schreibt der ADAC. Zum gleichen Schluss kommt auch der TCS: «Der neue Unterfahrschutz bringt den Autolenkern nicht die nötige Verbesserung. Ihr Überleben hängt vom Zufall ab», sagt Erich Schwizer.
Die Vorrichtung versagt, weil sie falsch konstruiert ist. Ein lösbares Problem. Experten von TCS und ADAC haben den Unterfahrschutz verbessert und den Crash-Test wiederholt. Der Gewinn an Sicherheit ist enorm: Das optimierte System hält der Belastung stand. Das Auto rutscht nicht unter den Lastwagen. Die Energie des Aufpralls wird von der Knautschzone des PW absorbiert. So bleibt die Fahrgastzelle intakt. Sicherheitsgurten und Airbags entfalten ihre volle Wirkung. Fazit: Die Autofahrer geraten nicht in Lebensgefahr.
«Zusätzlicher Aufwand gering und vertretbar»
«TCS und ADAC haben belegt, dass mit den richtigen Änderungen am Aufprallschutz Menschenleben gerettet werden können. Der Aufwand, um das zu realisieren, ist gering und vertretbar», lautet das unmissverständliche Urteil der Automobilclubs. Jetzt liegt der Ball bei den Behörden. Sie sollen tun, was unausweichlich ist: «Die Schweiz ist aufgefordert, diese Vorschrift in Zusammenarbeit mit der EU nachzubessern», steht im TCS-Bericht.
Beim Astra hat man vom verheerenden Crash-Test gehört. Mediensprecher Frédéric Revaz ziert sich dennoch, den Fachleuten der Automobilclubs recht zu geben: «Wir sind nicht der Meinung, dass der neue Aufprallschutz untauglich ist. Er bringt immerhin eine Verbesserung zu vorher.»
Nicht ganz so wohl ist es den EU-Verantwortlichen. Sie haben eine Kommission eingesetzt, die dafür sorgen muss, dass Autofahren nicht «den Kopf kostet». Bis die Vorschläge von TCS und ADAC umgesetzt sind, kann Automobilisten nur eines ans Herz gelegt werden: Halten Sie gebührenden Abstand zu Lastwagen.
24. Januar 2007 | Franco Tonozzi
