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Artikel | saldo 1/2007

Das grosse Geschäft mit Ersatzteilen

Konsumenten zahlen in der Schweiz in der Regel 10 bis 25 Prozent mehr für Autoersatzteile als im Ausland. Doch es gibt Sparmöglichkeiten.

Der Kotflügel eines Golf III kostet beim Schweizer Händler 201 Franken, in Deutschland nur 165 Franken. Eine Motorhaube des Opel Corsa C gibt es in der Schweiz für 374 Franken, in Deutschland für bloss 317 Franken. Den Scheinwerfer eines zwei Jahre alten Toyota Corolla verkaufen Schweizer Händler für 246 Franken, deutsche hingegen für 192 Franken.

saldo hat in Stichproben Schweizer und deutsche Preise von identischen Original-Karosserieteilen miteinander verglichen. Das Ergebnis:
In der Regel sind die Teile in der Schweiz 10 bis 25 Prozent teurer. «Dieser Preisunterschied gilt in etwa für alle Karosserieteile», sagt Hans-Peter Schneider vom Schweizerischen Carrosserieverband (VSCI). Ähnlich hohe Preisdifferenzen stellen Experten auch bei anderen Ersatzteilen fest.


Kein Wettbewerb: Alleinvertreiber diktieren den Preis

Der Preisüberwacher Rudolf Strahm geht davon aus, dass die Preise von Schweizer Original-Ersatzteilen «in der Regel 20 bis 50 Prozent überhöht» sind. Verantwortlich macht er die grossen «Alleinvertreiberfirmen», die wie zum Beispiel die Amag AG VW-Ersatzteile beim Hersteller einkaufen und über ihr Schweizer Markenhändlernetz vertreiben. «Bei Original-Ersatzteilen gibt es keinen Preiswettbewerb, weil man sie nur vom Alleinvertreiber bekommt», sagt Strahm.

«Für Original-Ersatzteile zahlen wir zu viel», wettert Hans-Peter Schneider vom VSCI. Die grossen Importeure hätten in der Schweiz keine ernsthafte Konkurrenz: «Sie diktieren uns daher zu hohe Preise.» Den Vorwurf bestreitet Andreas Burgener, Direktor der Importeur-Vereinigung Auto Schweiz: «Es gibt genügend Anbieter importierter Autoteile, die offiziellen Importeuren Konkurrenz machen. Der Markt funktioniert.» Die höheren Schweizer Verkaufspreise erklärt er mit den landesüblichen kürzeren Lieferzeiten, höheren Mieten und Löhnen. Dessen ungeachtet will der Schweizerische Carrosserieverband demnächst ein Pilotprojekt starten, um für seine Mitglieder im Ausland billigere Ersatzteile zu beschaffen.

Doch der Konsument hat bereits jetzt zwei Möglichkeiten, teure Originalersatzteile links liegen zu lassen:
- Auf günstige identische Teile ausweichen
Bei vielen Reparaturen kann der Autobesitzer sogenannte Identteile verwenden. Sie sind im Durchschnitt 10 bis 20 Prozent billiger als Original-Ersatzteile, haben aber die gleiche Qualität. Schliesslich stammen sie zumeist vom gleichen Zulieferer, nur dass dieser sie in anderer Verpackung an den Händler, etwa die Derendinger AG in Dietlikon ZH, liefert. Die Firma hält in ihrem Landeslager in Oensingen SO 150 000 Identteile bereit und beliefert 15 000 Autowerkstätten, die diese bei der Reparatur von Occasionswagen einsetzen. Bei privaten Reparaturen müssen Kunden den Garagisten oder Karossier oft erst an diese Variante erinnern.
- Geprüfte Occasionsteile einbauen lassen
Wer ein Auto besitzt, dessen Werksgarantie abgelaufen ist, kann getrost gebrauchte Teile einbauen lassen. Geprüfte Occasionsteile bieten etwa die 30 Mitglieder der Vasso an, der Vereinigung der offiziellen Autosammelstellenhalter (www.vasso.ch). «Unsere Ersatzteile kosten nur zwischen 20 und 50 Prozent vom Preis der Originalteile», sagt Vasso-Mitglied Walter Frauenknecht, Inhaber der Verwertungsfirma Auto Moderne in Gossau SG. Einziger Nachteil: Vasso-Betriebe prüfen und reinigen die Ersatzteile zwar, doch geben die meisten nur eine Garantie zwischen drei und sechs Monaten. Und natürlich weisen die Teile Gebrauchsspuren auf.



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Grosse Profite für Hersteller und Händler

Autoersatzteile sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft. Die Unternehmensberatung Mercer stellt in einer Studie fest, dass Autokonzerne wie VW oder Toyota im Schnitt rund 50 Prozent ihrer Gewinne mit Ersatzteilen und Zubehör erwirtschaften, nur 5 Prozent verdienen sie mit Neuwagen. Die Folge: Würde man in Deutschland ein Auto gleich welcher Marke aus Ersatzteilen zusammenkaufen, würde es viermal so viel kosten wie der Neuwagen, errechnete die Uni Bamberg.

24. Januar 2007 | Eric Breitinger


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