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Artikel | Gesundheits-Tipp 12/2006

Die Medizin der Reichen

Bis zu 5000 Franken kostet eine Woche Delfintherapie für behinderte Kinder. Bedeutende Therapiezentren be?nden sich im sonnigen Kuba oder in Florida. Vielfach begleitet die ganze Familie das Kind und macht zugleich Ferien im Hotel nebenan. Die Kosten steigen so rasch gegen 20 000 Franken, wie der Bericht auf Seite 12 zeigt. Die Kinder erleben zwar viel Freude und machen Fortschritte mit den Del?nen, doch der langfristige Erfolg der Methode ist umstritten. Eltern dürfen aber von sich sagen, keine Kosten für ihr Kind gescheut zu haben.

Von einer solchen Luxus-Therapie können viele Patienten nur träumen. Es gibt Kranke in der Schweiz, die kein Arzt mehr behandelt. Obwohl sie dringend Medikamente oder eine Operation benötigen. Der Grund: Sie sind arm und können die Kassenprämien nicht bezahlen. Seit einem Jahr dürfen Kassen in solchen Fällen ihre Leistungen verweigern. Oft verstreichen Wochen, bis vom Sozialamt Hilfe kommt. Andere sind angewiesen auf den Zustupf von Hilfswerken, damit der Zahnarzt die Löcher in den Zähnen ihrer Kinder flicken kann.

Doch gerade Arme brauchen den Arzt häufiger als gut Verdienende. Denn sie ernähren sich weniger gesund. Sie leiden vermehrt unter krankmachendem Stress, weil ihre Arbeitsbedingungen schlecht sind oder sie in der Nacht arbeiten müssen. Weil sie weniger verdienen, wohnen sie in billigen Wohnungen an lärmigen Strassen, wo die Luft verpestet ist mit giftigen Abgasen. Elend und Stress lässt sie vermehrt zu Alkohol und Zigaretten greifen. Eine teuflische Spirale.

Der Staat lässt die Schwachen und Kranken fallen. In den USA ist dies schon lange Realität - die Schweiz ist auf dem Weg dahin. Plötzlich müssen Private einspringen. Nicht nur Hilfswerke, sondern vermehrt auch Stiftungen und Fonds greifen Kranken unter die Arme. Der Gesundheitstipp sagt jetzt, wo Bedürftige Unterstützung holen können, wenn sie zum Zahnarzt gehen müssen oder eine teure Operation benötigen (siehe Seite 16). Denn die gute Medizin dürfen wir nicht einfach den Reichen überlassen.

06. Dezember 2006 | Tobias Frey, Redaktionsleiter


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Die Medizin der Reichen
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