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Artikel | K-Tipp 19/2006

Zimtsterne: Gift für die Leber

Zimthaltiges Gebäck enthält teilweise erhebliche Mengen giftiges Cumarin. Bei den Produkten gibt es jedoch grosse Unterschiede. Das ergab ein Test von Kassensturz.

Ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit muss das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Warnung herausgeben: Esst nicht zu viele Zimsterne! Denn in zimthaltigen Lebensmitteln kann viel schädliches Cumarin drin sein. «Nimmt man grosse Mengen davon auf», so Michael Beer vom BAG, «kann dies zu Leberschäden führen - von einer Leberentzündung bis hin zu einer Gelbsucht.»


Viel Cumarin in Migros-Sternen

Aber: Wie viel giftiges Cumarin enthält das Weihnachtsgebäck, das derzeit die Regale der Grossverteiler füllt? Kassensturz hat Proben von zehn Guetsli und zwei zimthaltigen Frühstücksmüesli ins Labor geschickt. Resultat: Die Produkte enthalten zum Teil grosse Mengen Cumarin.

Den höchsten Cumarin-Gehalt weisen die Zimtsterne «Grand-Mère» von Migros auf, nämlich 38 mg/ kg. Das Spekulatius-Gebäck von Burggreve enthält 26,7 mg/kg, und das Getreide-Frühstück «Cini Minis» von Nestlé bringt es auf 16,7 mg/kg.
Doch es geht auch anders: Mit nur 1,1 mg/kg enthält das Spezial-Knusper-Müesli von Familia am wenigsten Cumarin im Test, gefolgt von den Zimtsternen «Wintertraum» von Aldi mit 2,3 mg/kg.

Der Cumarin-Gehalt von industriell hergestellten Lebensmitteln hat in den letzten Wochen in der Branche und bei den Behörden für rote Köpfe gesorgt. Das Problem: In keiner Verordnung ist ein Höchstwert für zimthaltige Lebensmittel festgelegt. Zwar lässt die europäische Aroma-Verordnung höchstens 2 Milligramm Cumarin pro Kilo zu. Zimt ist jedoch ein Gewürz und kein Aroma.

Anfang November hat nun das BAG per Weisung Höchstwerte festgelegt, die je nach Produkt variieren: Für Zimtsterne liegt nun der Grenzwert bei 67 mg/ kg, bei Lebkuchen und anderem Gebäck bei 50 mg/kg und bei einem Müesli bei 20 mg/kg. Fazit: Laut den neuen BAG-Kritierien sind alle getesteten Produkte sicher und können verkauft werden.


Nur vier Zimtsterne täglich für Kinder

Doch Grenzwert hin oder her: Vor allem kleine Kinder sollten laut den Empfehlungen des BAG zimthaltige Industrie-Esswaren nur mit Mass konsumieren. Das heisst: pro Tag maximal vier Zimtsterne, einen kleinen Lebkuchen von 30 Gramm oder 75 Gramm zimthaltige Frühstücksflocken.

Die Hersteller beteuern, das Problem ernst zu nehmen. Franz Urs Schmid vom Branchenverband Biscosuisse: «Den Cumarin-Gehalt weiter zu verringern, hat bei uns absolute Priorität.»



Cassia-Zimt enthält viel Cumarin

Wie viel Cumarin in einem Lebensmittel steckt, hängt von der verwendeten Zimtsorte ab. Grundsätzlich gibt es zwei Sorten Zimt: den Ceylon-Zimt, wie er in Sri Lanka angebaut wird, und den Cassia-Zimt aus China, Vietnam und Indonesien. Ceylon-Zimt enthält nur geringe Mengen an Cumarin; Cassia-Zimt, der vor allem von der Lebensmittelindustrie verwertet wird, hat jedoch einen hohen Cumarin-Gehalt.

Cumarin kann bei empfindlichen Menschen Leberschäden bis hin zu Gelbsucht verursachen. In Tierversuchen hat sich der Stoff zudem als krebserregend erwiesen. Grundsätzlich empfiehlt das BAG Kindern wie Erwachsenen Zurückhaltung beim Konsum von industriell hergestellten Esswaren mit Zimt. Unproblematisch ist hingegen der Genuss von Selbstgebackenem, das mit Ceylon-Zimt gewürzt ist.

Allerdings ist es beim Zimtpulver für den Konsumenten nicht möglich, Ceylon-Zimt vom stark cumarinhaltigen Cassia-Zimt zu unterscheiden. Er muss darauf vertrauen, dass es sich beim Pulver mit Herkunftsangabe Sri Lanka tatsächlich um Ceylon-Zimt handelt. Coop und Migros erklären, bei ihren Eigenmarken sei nur Ceylon-Zimt drin; McCormick gibt hingegen zu, das Pulver bestehe aus Cassia-Zimt aus Indonesien (siehe K-Tipp 14/06).

Bei Zimtstangen ist eine Unterscheidung von blossem Auge möglich: Bei Cassia-Zimt ist eine einzige, relativ dicke Rindenschicht zu einem Röllchen geformt, eine Ceylon-Zimtstange ähnelt im Querschnitt hingegen einer angeschnittenen Zigarre - mehrere feine Rindenlagen sind zu einer Zimtstange gerollt.

(ko)

15. November 2006 | Pasquale Ferrara, Bennie Koprio


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