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Artikel | K-Tipp 19/2006

Wer spart, bezahlt mehr

Berns Stromversorger EWB ändert sein Tarifmodell - und brüskiert damit Haushalte mit geringem Stromverbrauch.

Bei Alex Monnier hat «Energie Wasser Bern» (EWB) viel Sympathie verspielt. Grund ist nicht der halbe Rappen, um den Berns Stromversorger die Kilowattstunde (kWh) des günstigsten Stroms im Einfachtarif verteuert (siehe K-Tipp 16/06). Ursache ist die Neuregelung der Grundgebühren per Anfang 2007.

Bisher machte EWB die Höhe des verrechneten Grundpreises vom Strombezug abhängig. Im Einfachtarif lag er zum Beispiel für einen monatlichen Verbrauch zwischen 150 und 200 kWh bei Fr. 6.90 und für einen Bezug zwischen 600 und 800 kWh bei Fr. 16.-. Ab Januar zahlen alle Haushalte neu Fr. 10.- Grundgebühr pro Monat.

Das hat Folgen: Im Zwei-Personen-Haushalt von Alex Monnier mit seinen monatlich 133 kWh Stromverbrauch steigt der Grundpreis von Fr. 5.50 auf Fr. 10.-. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das Fr. 54.- Mehrkosten. Die Kilowattstunde verteuert sich für Monnier somit allein wegen der Grundpreiserhöhung um rund 3,4 Rappen.


Vielverbraucher zahlen weniger...

Vielverbraucher dagegen dürfen sich freuen. So werden etwa Haushalte mit einem Monatskonsum von 700 kWh beim Grundpreis um Fr. 6.- entlastet; ihr kWh-Preis verringert sich dadurch um 0,9 Rappen.

Unter dem Strich fahren im Einfachtarif alle Haushalte mit einem Verbrauch von monatlich mehr als 400 kWh beim Grundpreis künftig günstiger, während solche mit weniger als 300 kWh Konsum mehr zahlen.
Ähnliches droht auch andernorts: In einer Umfrage des K-Tipp gaben die Elektrizitätswerke von Stadt und Kanton Schaffhausen sowie von Bad Ragaz an, den Schritt zu einheitlichen Grundpreisen ebenfalls ins Auge zu fassen. Sie würden dadurch mit der Mehrheit der Stromversorger gleichziehen, die seit eh und je verbrauchsunabhängige Grundpreise verrechnen.
Diese rechtfertigen die Elektrizitätswerke primär mit der Parole «gleicher Preis für gleiche Leistung». Die Grundgebühr decke einen Teil der Kosten für Arbeiten wie Zählerablesen und Rechnungsstellung, heisst es etwa bei EWB. «Der entsprechende Aufwand ist für uns unabhängig vom Stromverbrauch bei allen Haushalten und bei kleineren Unternehmen ähnlich.»


...«verursachen aber die höchsten Kosten»

Der ehemalige Greenpeace-Präsident und Energiefachmann Heini Glauser widerspricht: «Nur Zählerablesung und Rechnungsstellung zu betrachten, ist eine sehr enge Sichtweise. Die höchsten Kosten verursachen Vielverbraucher, weil ihretwegen neue Kraftwerke und Leitungen gebaut werden müssen.» Glauser plädiert für die Abschaffung von Grundgebühren - damit nicht länger mit einem höheren kWh-Preis bestraft wird, wer Strom spart (siehe Interview).






«Die Einführung einheitlicher Grundgebühren ist ein absolut falsches Signal»

Energiefachmann Heini Glauser plädiert für die Abschaffung fixer Grundgebühren auf der Stromrechnung.

Der Berner Stromversorger wechselt von verbrauchsabhängigen zu einheitlichen Grundtarifen für alle Strombezüger. Macht das energiepolitisch Sinn?
Heini Glauser: Nein, das ist ein absolut falsches Signal, weil sparsamer Stromverbrauch bestraft wird. Denn Kleinverbraucher und sparsame Kunden zahlen mit den fixen Grundpreisen mehr, Vielverbraucher erhalten den Strom billiger.

Was wäre denn das richtige Signal?
Den sparsamen Stromverbrauch zu fördern, verlangt die Streichung der Grundgebühren. Andere Firmen können zur Deckung ihrer Fixkosten in der Regel ja auch nicht einfach einen «Eintrittspreis» verlangen. Oder haben Sie beim Betreten eines Lebensmittelgeschäfts schon einmal eine Grundgebühr zahlen müssen?

Gibt es in der Schweiz Stromversorger, die den Grundpreis abgeschafft haben?
Zum Beispiel das EWZ in Zürich - und das schon vor über zehn Jahren. Sparsame Haushaltkunden fahren beim EWZ günstig. Für einen Jahresverbrauch von 1200 Kilowattstunden zahlen sie nur 186 Franken - und damit 126 Franken weniger als Stadtberner Haushalte mit gleichem Verbrauch ab Anfang 2007.
Heini Glauser amtierte von 2000 bis 2006 als Präsident des Stiftungsrats von Greenpeace Schweiz. Zuvor war er Vizepräsident der Schweizerischen Energie-Stiftung.

15. November 2006 | Gery Schwager - gery.schwager@ktipp.ch


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