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Einmal heisst das Wundergemüse gegen Krebs Rosenkohl, ein anderes Mal sind es Tomaten. Doch Fachleute sind sich einig: Der beste Schutz ist möglichst abwechslungsreiche Gemüsekost.
Tomaten schützen vor Krebs», schrieben letzthin viele Medien in ihren Schlagzeilen. Forscher in den USA hatten Ratten mit Tomaten gefüttert und diese waren weniger häu?g an Krebs erkrankt. Auch Broccoli wird immer wieder als Krebsschutz gepriesen. So bestrichen Forscher der John-Hopkins-Universität in Washington Nacktmäuse mit einem Broccoli-Brei. Diese bekamen dann weniger häufig Hautkrebs als unbehandelte Artgenossen.
Die deutsche Ausgabe der «Medical Tribune» gab kürzlich sogar an, welche Gemüsesorte gegen welche Krebsart wirke: Rosenkohl beuge Lungenkrebs vor, Sauerkraut und Weisskohl senkten das Risiko für Brustkrebs.
Einseitig: Laborversuche versprechen zu viel
Doch jetzt wird Kritik laut. «Solche Aussagen sind unsinnig», sagt die deutsche Ernährungsspezialistin Ulrike Gonder. «Die meisten Behauptungen stammen aus Tier- oder Laborversuchen und versprechen zu viel.» Ergebnisse aus solchen Versuchen dürften keinesfalls so interpretiert werden, als gälten sie auch für den Menschen. «Kohlarten enthalten zwar durchaus Stoffe, die vor Krebs schützen können. Doch gleichzeitig enthalten sie auch problematische Substanzen.» Deshalb solle man sich nicht auf eine Gemüseart konzentrieren.
Auch die Ärztin Eva Ebnöther von der Schweizerischen Krebsliga warnt davor, einzelne Gemüse auszuwählen. «Die Idee, dass man mit dem Bevorzugen einzelner Gemüsesorten Krebs verhindern könnte, hat mit Wissenschaftlichkeit nichts zu tun.» Bei Betroffenen würden bloss falsche Hoffnungen geschürt. «Unter Umständen fördert man damit sogar eine einseitige Ernährung.» Abwechslung beim Gemüsekonsum sei wichtig: «In jeder Gemüsesorte und auch in jeder Frucht stecken wieder andere Stoffe, die für den Körper und das Immunsystem wichtig sind.»
Wer viel Gemüse isst, hat seltener Darmkrebs
Unter Fachleuten ist mittlerweile unbestritten, dass ein hoher Gemüsekonsum das Krebsrisiko senkt. Der Lausanner Krebsspezialist Fabio Levi: «Wer viel Gemüse isst, vermindert wahrscheinlich das Risiko, an Speiseröhren- oder an Dickdarmkrebs zu erkranken.»
Gemüseliebhaber haben gemäss Studien vermutlich auch ein geringeres Risiko für Mundhöhlen-, Rachen-, Kehlkopf- und Magenkrebs sowie für Lungen-, Eierstock- und Nierenkrebs.
Verantwortlich für den Krebsschutz sind nicht nur die verschiedenen Inhaltsstoffe im Gemüse und im Obst. Weil pflanzliche Lebensmittel weniger Fett und deshalb weniger Kalorien enthalten, helfen sie mit, Übergewicht abzubauen. Und genau das gehört laut Krebsspezialist Fabio Levi - neben dem Verzicht auf Zigaretten - zu den wirksamsten Massnahmen, um Krebs vorzubeugen.
Ideal sind täglich 400 bis 800 Gramm Gemüse und Obst. Das entspricht mindestens fünf Portionen Salat, Gemüse oder Früchte. Das zu erreichen, ist nicht schwierig:
- eine Frucht zum Frühstück,
- zur Hauptmahlzeit eine grosse Portion Gemüse und einen Salat,
- Rüebli, Gurke, Tomate oder andere Rohkost zum Znüni und zum Zvieri.
08. November 2006 | Esther Diener-Morscher
