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«Schüttet den Mammograben zu», forderte der Krebsliga-Präsident kürzlich im Magazin «Gesundheit Sprechstunde». Er machte ein Wortspiel mit Mammogra?e und Röschtigraben. In fünf Kantonen der Romandie bezahlen die Krankenkassen Programme für das Brüsteröntgen von 50- bis 69-jährigen Frauen - in der Deutschschweiz gibt es keine solchen Programme. Die Krebsliga fordert nun Gratis-Mammogra?e für die ganze Schweiz. So könne man viele Krebsopfer verhindern.
Doch der Präsident blendete wichtige Fakten aus: Innert zehn Jahren sterben ohne Mammogra?e 8 von 1000 Frauen an Brustkrebs. Lassen alle Frauen ihre Brüste regelmässig röntgen, sind es immer noch 6. Die vielen Mammogra?en können also nur zwei Frauen retten. Bei jeder fünften aber schlägt die Methode Alarm, obwohl gar kein Krebs da ist. Frauen werden so verängstigt. Es ist deshalb umstritten, ob die Kassen den teuren Untersuch allen Frauen bezahlen sollen. Die Programme in der Westschweiz sind deswegen bis Ende 2007 befristet.
Bei medizinischen Informationen ist es schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Eine Umfrage kam kürzlich zum Schluss: Nur jeder zweite Patient fühlt sich in der Lage, beim Arzt mitzuentscheiden. 85 Prozent würden es zwar gerne tun, sie haben aber zu wenig Infos. So hat die Gesundheitsindustrie ein leichtes Spiel: Ärzte und Kliniken bieten Behandlungen an, die wenig nützen. Die Pharmaindustrie verkauft zu teure Pillen. Dubiose Heiler ziehen mit fragwürdigen Versprechen Patienten über den Tisch (siehe Seite 16).
Gut informiert zu sein, ist keine Hexerei. Dafür braucht es aber Quellen, die unabhängig sind von Organisationen, Ärzten und der Pharmaindustrie. Der Gesundheitstipp ist unabhängig und ausschliesslich seinen Leserinnen und Lesern verpflichtet. Deshalb kann er kritisch und umfassend informieren: Er gibt Tipps, wie man gesund und ?t bleibt. Und er sagt, wie man beim Arzt die richtigen Fragen stellt. So können Patienten kompetent mitentscheiden. Damit keine Frau ihre Brüste zu oft durchleuchten lässt - aber auch nicht zu selten.
08. November 2006 | Tobias Frey, Redaktionsleiter
