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Artikel | saldo 17/2006

Bonus-Modell: Für Gesunde mit wenig Geld

Viele Krankenkassen bieten eine Bonus-Versicherung an. Doch nur wenige Versicherte kennen sie oder nutzen sie, um ihre Prämie zu senken.

Die Bonus-Versicherung funktioniert etwas kompliziert: Wer mitmacht, bezahlt im ersten Jahr eine Art Eintrittsgebühr, nämlich 10 Prozent Aufschlag auf die Prämie der 300er-Franchise. Diese ist obligatorisch. Dafür sinkt die Prämie dann mit jedem Jahr ohne Leistungsbezug: im zweiten Jahr um 15 Prozent, im dritten um 25 Prozent, im vierten um 35 Prozent, im fünften um maximal 45 Prozent.

Dabei bleibt es. Schliesslich dürfen alle Kassen laut Gesetz nicht mehr als 50 Prozent Rabatt geben. Nimmt der Versicherte Leistungen in Anspruch, stuft ihn die Kasse im nächsten Jahr eine Rabattstufe zurück - ähnlich wie eine Autohaftpflicht-Versicherung einen Versicherten, der einen Schaden meldet.


«Die Belohnung lässt zu lange auf sich warten»

Grössere Krankenkassen wie Concordia, Helsana, Intras, Visana, ÖKK, Xundheit und Groupe Mutuel bieten dieses Bonus-Modell an, jedoch ohne die Werbetrommel zu rühren. «Dafür gibt es ohnehin fast kein Interesse», sagt Groupe-Mutuel-Sprecher Christian Feldhausen. Ein Grund für die Zurückhaltung der Kassen ist laut ÖKK-Sprecher Daniel Hürzeler auch, dass der «Aufwand für wenige Kunden relativ hoch ist». So haben sich 2006 gerade mal rund 8000 Versicherte für dieses Modell entschieden. Vor zehn Jahren, bei der Einführung, waren es noch 11 000. Ein Renner ist die Bonus-Versicherung also nicht.

Auch hat das Bonus-Modell auf den ersten Blick mehr Nach- als Vorteile. Zuerst einmal muss man Eintritt bezahlen. «Das schreckt ab», sagt Peter Kraft vom Krankenkassenverband Santésuisse. Dann dauert es vier, fünf Jahre, bis der Versicherte so viel an Prämien spart wie mit der Wahl der 1500er- oder 2500er-Franchise im ersten Jahr. «Die Belohnung lässt zu lange auf sich warten», sagt CSS-Sprecherin Martina Bischof. Mit einer höheren Franchise oder Hausarztmodellen kann der Versicherte jedenfalls sofort seine Prämie senken (saldo 16/06).


Vorteil: Bessere Absicherung bei schwerer Krankheit

Hinzu kommt laut Tatjana Kursawe vom VZ Vermögenszentrum, dass das Bonus-Modell häufig von Kassen angeboten wird, die bei den Prämien «nicht zu den Preisbrechern zählen». So laufe man Gefahr, trotz Bonus-Rabatt höhere Prämien zu zahlen als bei billigeren Kassen.

Doch auch das Bonus-Modell hat seinen Vorzug. Wer schwer krank wird, ist mit der Bonus-Versicherung finanziell besser abgesichert als mit einer 2500-Franken-Franchise. Beim Bonus-Modell muss der Versicherte im schlimmsten Fall pro Jahr höchstens 1000 Franken an Krankenkosten selber bezahlen (300 Franken Franchise plus maximal 700 Franken Selbstbehalt). Wählt er hingegen die 2500er-Franchise, berappt er schlimmstenfalls pro Jahr bis zu 3200 Franken, nämlich 2500 Franken Franchise plus 700 Franken Selbstbehalt. Erst dann springt die Kasse ein.

Mit anderen Worten: Das Bonus-Modell ist interessant für diejenigen, die nie oder selten zum Arzt gehen und kein Geld auf der hohen Kante haben, also eher für gesunde Junge, die Risiken scheuen. «Wer langfristig denkt und Sicherheit will, könnte sich da wohler fühlen», sagt ÖKK-Mann Hürzeler.


Bonus-Variante müsste attraktiver werden

Damit das Bonus-Modell auch für andere attraktiv würde, müssten seine Hauptmängel wegfallen: die Bindung an die 300er-Franchise und die Eintrittsgebühr. Die Abschaffung dieses «üblen Signals» fordert der Zürcher Gesundheitsökonom Peter Zweifel, der das Bonus-Modell aufwerten will, weil es gesundheitsbewusstes Verhalten individuell belohnt. Erfahrungen in Deutschland zeigen laut Zweifel, dass «Versicherte das Bonus-Modell schätzen und sogar bereit wären, für die Flexibilität mehr zu zahlen».



Hilfen aus dem Netz

Das Bundesamt für Gesundheit bietet unter www.praemien.admin.ch einen Prämienrechner an, mit dem man seine individuelle Prämie berechnen kann. Auf www.bag.admin.ch gibt es zudem Infos und Musterbriefe zum Prämiensparen.

25. Oktober 2006 | Eric Breitinger


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