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Artikel | K-Geld 5/2006

Fitness-Check mit 50 Jahren

Wie sieht die finanzielle Situation nach der Pensionierung aus? Mit etwa 50 Jahren sollte man sich dieser Frage stellen und sie ehrlich beantworten.

Helen und Kurt Biedermann schauen gelassen in die Zukunft: Es geht ihnen gut, der Job scheint sicher, das Einkommen ist überdurchschnittlich, die Belastung auf dem Haus erträglich und die Kinder stehen auf eigenen Beinen.

Im Hinblick auf ihr Alter machen sie sich keine Sorgen. AHV, Pensionskasse, Lebensversicherung, Vermögenserträge sowie gut 1000 Franken Netto-Mietzinseinnahmen aus einer geerbten und vermieteten Eigentumswohnung sind gute Gründe, sich darauf zu freuen. Und endlich all das zu tun, wofür bislang kaum Zeit und Geld vorhanden war: Reisen, Hobbys pflegen, das Leben geniessen.


Jetzt sparen - oder sich ab 65 einschränken

Doch dann vergleichen die beiden 50-Jährigen ihre mutmasslichen Einnahmen mit den Ausgaben im Rentenalter und stellen fest: Bei ihrem hohen Lebensstandard haben sie eine Lücke von mehr als 1300 Franken monatlich (siehe Tabelle).

Herr und Frau Biedermann müssen also entweder im Alter auf einige Annehmlichkeiten verzichten oder jetzt systematisch zu sparen beginnen. Entscheiden sie sich für Letzteres, müssen sie in den 15 Jahren bis zur Pensionierung fast 300 000 Franken sparen.

Diese 300 000 Franken reichen, um das zusätzlich benötigte Einkommen des Ehepaars während 30 Jahren ab Pensionierung zu decken. Voraussetzung ist eine jährliche Rendite von 5 Prozent in der Phase des Kapitalaufbaus bis zur Pensionierung und eine Rendite von 4 Prozent in der Phase des Kapitalverzehrs nach Pensionierung.

«Das sind realistische Annahmen», sagt Thomas Metzger, Finanzplaner beim VZ Vermögenszentrum in Zürich. «Über so lange Zeiträume werden an den Aktienmärkten statistisch gesehen Renditen von 7 bis 8 Prozent erzielt.»
Aktien? Besagt eine der goldenen Anlegerregeln nicht, dass der Aktienanteil gegen das Alter zu immer weiter gesenkt werden soll?

«Nein», sagt Metzger bestimmt. «Dies gilt nur bei einem kurzen Anlagehorizont.» Beim Sparprozess im Hinblick auf die Altersvorsorge sei der Anlagehorizont aber recht lang, weil das Geld ja erst 15 oder mehr Jahre später angetastet werden soll. Voraussetzung sei, dass man Wertschwankungen der Anlagen verkraften könne. «Risikoscheue Menschen fühlen sich mit Aktien oft unwohl.»

Anders wäre es, wenn man das Alterssparen erst mit 60 Jahren beginnen würde. «Dann kommt es zu einem unlösbaren Dilemma», sagt Metzger: Einerseits würde es einen hohen Aktienanteil brauchen, um in der kurzen verbleibenden Zeit hohe Renditen zu erwirtschaften. Andererseits ist das kurzfristige Verlustrisiko mit Aktien hoch, sodass sie sich als Anlageinstrument bei einem Anlagehorizont von wenigen Jahren nicht eignen.

Je früher man sich deshalb über das gewünschte Einkommen nach der Pensionierung klar werde, so Metzger, desto einfacher sei es, das dafür benötigte Vermögen aufzubauen.

25. Oktober 2006 | Fredy Hämmerli


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