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Artikel | K-Geld 5/2006

Kapitale Verluste für Senioren

Lebensversicherungen für ältere Personen sind eine Kostenfalle - vor allem solche, die man ohne Gesundheitsprüfung abschliessen kann.

Das Angebot hörte sich verlockend an. Die Werbung sprach von einer «sicheren Geldanlage» mit «kapitalen Vorzügen» und «überdurchschnittlichen Renditaussichten».

Alfred Attenhofer aus Nidau BE liess sich blenden von solchen Sprüchen. Vor zehn Jahren zahlte er 33 961 Franken ein. Heute sind seine Ersparnisse aber nicht grösser, sondern kleiner als damals. Attenhofer erhielt nur 31 621 Franken ausbezahlt. Das ist ein Verlust von fast 7 Prozent.

«Das ist ein Bschiss», empört sich Attenhofer. «Aus einer angeblich sicheren Geldanlage wurde ein schmerzlicher Verlust.» Das Beispiel zeige, wie man «naive Versicherungsnehmer, wie ich einer war, ausnehmen kann».

Verantwortlich für Attenhofers Zorn ist die ehemalige Fortuna, die heute Generali heisst. Attenhofer hat 1996 im Alter von 62 Jahren einen Senioren-Anlageplan abgeschlossen und in der Folge jedes Jahr Fr. 3396.10 eingezahlt. «Anlageplan» klingt nach einer reinen Geldanlage. In Wirklichkeit war es aber eine Kombination von Sparen und Versicherung:
- Die Fortuna garantierte ihm in der Offerte eine Auszahlung von 31 621 Franken - exakt so viel, wie er erhalten hat. Nur: Die Fortuna hatte ihn damals mit den «überdurchschnittlichen Renditeaussichten» gelockt. Sie hatte ihm vorgerechnet, dass der in Anlagefonds investierte Sparteil bei einer angenommenen jährlichen Fondsrendite von beispielsweise 6 Prozent zu einer Auszahlung von 36 736 Franken führen würde.


Kein Wort, dass 22 Prozent nicht investiert werden

- Der Anlageplan war aber auch eine Todesfallversicherung. Beim Tod des Kunden vor Ablauf der zehn Jahre hätten seine Frau oder seine Kinder die garantierten 31 621 Franken erhalten.

Was Attenhofer nicht wissen konnte: Dieser Versicherungsschutz ist für Senioren enorm teuer, weil ihr Sterberisiko naturgemäss höher ist als bei Jungen. Die Fortuna zwackte für diesen Schutz und für die übrigen Kosten volle 22 Prozent vom Prämiengeld ab. Nur 26 556 Franken wurden effektiv investiert. In den schönfärberischen Unterlagen von 1996 stand davon aber kein Wort.

Die Kosten für die Versicherung sind unter anderem deshalb hoch, weil die Fortuna auf eine Gesundheitsprüfung verzichtete. Die garantierte Todesfallsumme wäre also auch ausgezahlt worden, wenn der Kunde beispielsweise nach drei Jahren an einer Krankheit gestorben wäre, die schon beim Vertragsabschluss bestand. Das verteuert die Risikoversicherung und geht auf Kosten des Sparteils.

Schon im Juni 1996 schrieb der K-Tipp unter dem Titel «Senioren als Milchkühe»: «Man darf ohne weiteres annehmen, dass viele ältere Sparer eine solche Police gar nicht abschliessen würden, wüssten sie über diese hohen Kosten Bescheid.»

Geradezu zynisch mutet es da an, dass die Generali dem unzufriedenen Kunden auf seine Reklamation hin schrieb, mit dem Anlageplan - vor zehn Jahren noch als «rentable Sparform» beworben - habe er «in erster Linie eine Versicherungsleistung» gekauft.

Viele Senioren, die in den 90er-Jahren in einen Anlageplan investierten, haben die gleiche enttäuschende Erfahrung gemacht wie Alfred Attenhofer. Die Generali schrieb dem K-Tipp dazu, aufgrund der Börsenkorrekturen der Jahre 2001/ 2002 habe «eine bedeutende Menge» der Kunden nur den garantierten Minimalbetrag erhalten.

Das alles hindert die Generali aber nicht, weiterhin teure fondsgebundene Senioren-Versicherungen ohne Gesundheitsprüfung zu verkaufen. Im aktuellen Generali-Angebot namens Privilège mit angeblich «sehr aussichtsreichen Renditeaussichten» ?ndet sich das Rechenbeispiel für einen 65-jährigen Mann, der künftig zehn Jahre lang 500 Franken pro Monat einzahlt, insgesamt also 60 000 Franken.


Versicherungen für Rentner sind meist überflüssig

Die Fonds müssten jedoch mit 5,43 Prozent pro Jahr rentieren, damit der Kunde nach zehn Jahren wenigstens den Einsatz von 60 000 Franken ausbezahlt erhalten würde. Zum Vergleich: Attenhofers Fonds warfen in den letzten zehn Jahren im Schnitt bloss 2,3 Prozent ab.

Fazit: Solche Rentenversicherungen machen in den allermeisten Fällen keinen Sinn, zumal Senioren meist gar keinen Todesfallrisikoschutz brauchen. Der überlebende Gatte erzielt durch AHV und Pensionskassen-Rente üblicherweise ein ausreichendes Einkommen.

25. Oktober 2006 | Ernst Meierhofer


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