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Viele Vorsorgesparer nutzen den Spielraum der dritten Säule zu wenig aus. Sie vergeben sich damit hohe Renditechancen.
Banken und Versicherungen haben drei Produktegruppen im Angebot, die das Sparen in der steuerbegünstigten Säule 3a erlauben: Sparkonto, Wertschriftenanlage und Vorsorgepolice.
Die Vorsorgepolice ist mit mehreren Nachteilen behaftet, weshalb K-Geld vom Kauf abrät. Zinskonten und Wertschriftenanlagen haben spezifische Vor- und Nachteile und eignen sich deshalb nicht für alle Sparer in allen Lebenssituationen.
Zinskonten verzinsen das Vorsorgekapital zu einem ?xen Satz. Bei den meisten Banken beträgt dieser Satz seit mehreren Jahren zum Ärger der Kunden magere 1,5 Prozent (siehe Tabelle). Er liegt damit rund 1 Prozent tiefer als der Zins von achtjährigen Kassenobligationen und nur rund ein halbes Prozent über der Inflation.
Trotz dieser dürftigen Rendite liegen rund zwei Drittel aller 3a-Gelder nach wie vor auf Zinskonten. Diese Anlage eignet sich aber nur für zwei Gruppen von Vorsorgesparern:
- Für Risikoscheue. Wer Kursschwankungen auf seinem Vorsorgekapital nur schwer verkraftet, sollte seine 3a-Gelder auf Zinskonten anlegen.
- Für Vorsorgesparer mit kurzem Anlagehorizont. Wer kurz vor der Auszahlung seiner 3a-Gelder steht, vermeidet mit einem Zinskonto, sein Guthaben zu einem schlechten Zeitpunkt - bei tiefen Kursen - auslösen zu müssen.
Zinskonten rentieren am meisten bei der WIR-Bank. Sie gewährt einen überdurchschnittlich hohen Zins von 2,25 Prozent. Der Transfer von anderen Banken zur WIR-Bank ist meist gratis.
Bei den 3a-Wertschriftenanlagen unterscheidet man üblicherweise drei Strategien: die defensive (bis 20 Prozent Aktien), die ausgewogene (20 bis 40 Prozent Aktien) und die offensive Strategie (40 bis 50 Prozent Aktien). Ein Aktienanteil von über 50 Prozent ist in der Säule 3a nicht zulässig.
Unterschiede sind wegen Zinseffekt wichtig
Eine defensive Strategie eignet sich für Sparer mit einem Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren. Zwei solche Produkte sind bereits seit mehr als fünf Jahren auf dem Markt und deshalb in der Tabelle berücksichtigt: BVG-Pro?l 3 von Swisscanto und Vitainvest 12 von der UBS.
Die UBS hat ihre 3a-Produkte Anfang 2006 von Fiscainvest in Vitainvest umgetauft. Anlagepolitik und Gebührenhöhe sind jedoch gleich geblieben.
Beim Vergleich der jährlichen Performance der letzten fünf Jahre zeigen sich grosse Unterschiede zwischen dem Swisscanto- und dem UBS-Angebot. BVG-Pro?l 3 rentierte seit Anfang 2001 mit 3,5 Prozent pro Jahr, Vitainvest 12 nur mit 2,3 Prozent. Dies wirkt sich wegen des Zinseffektes über die Jahre stark aus.
Die UBS-Produkte schneiden im Performancevergleich seit 2001 in allen drei Anlagestrategien schlecht ab (siehe Tabelle). Ein Grund für die schlechte Performance sind die hohen Verwaltungsgebühren. Beim Vitainvest 12 betragen sie 1,44 Prozent pro Jahr, beim Vitainvest 50 gar 1,64 Prozent.
Die vier Vitainvest-Produkte verfügen aber über einen effektiven und über einen scheinbaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Der effektive Vorteil: Alle Kostenkomponenten sind in den genannten Gebühren enthalten. Andere Anbieter verlangen beispielsweise eine Ausgabekommission.
Swisscanto hat Anfang 2005 Gebühren erhöht
Der scheinbare Vorteil: Die Haltedauer der UBS-Vitainvest-Produkte ist unbegrenzt. Sie können bei Erreichen der Alterslimite oder im Rahmen eines gesetzlich erlaubten Vorbezugs kostenlos in ein ungebundenes UBS-Depot transferiert werden.
«Dieser Vorteil hebt uns von unseren Mitbewerbern deutlich ab», sagt UBS-Sprecher Axel Langer. Tatsache ist aber, dass kostenbewusste Investoren bei ihren ungebundenen Anlagen, wo der Markt deutlich besser spielt als bei der gebundenen Vorsorge, keine Produkte wählen, deren Gebühren die Rendite derart stark schmälern.
Im Gegensatz zu den UBS-Produkten überzeugen alle Swisscanto-Angebote mit überdurchschnittlichen Renditen. Dieses Renditeplus könnte allerdings einen Dämpfer kriegen: Swisscanto hat Anfang 2005 die Verwaltungsgebühren stark erhöht und liegt nun mit 0,9 bis 1,2 Prozent im Mittelfeld.
Die Swisscanto-Produkte sind bei den Kantonalbanken und der Bank Coop erhältlich. Vor dem Kauf sollte man sich bei seiner Bank über die erhobene Ausgabekommission informieren. Die Bank Coop und die Zürcher Kantonalbank beispielsweise verlangen keine Ausgabekommission, die Luzerner Kantonalbank hingegen belastet eine Gebühr von 1 Prozent.
Bis im April dieses Jahres hat auch die Migrosbank Swisscanto-Anteile vertrieben. Unterdessen hat sie eine eigene Produktelinie lanciert, die Mi-Fonds (CH) V. Kunden können ihre Swisscanto-Anteile weiterhin behalten oder kostenlos in die neuen Migrosbank-Vorsorgefonds wechseln.
Migros-Produkte: Erst mal Renditezahlen abwarten
Die drei Mi-Vorsorgefonds mit strategischem Aktienanteil von 10, 30 respektive 40 Prozent sind von den Spesen her attraktiv: Ihre jährliche Verwaltungsgebühr beträgt nur 0,75 Prozent, weitere Kosten gibt es nicht. Der Kauf von Anteilen an einem der Migrosbank-Vorsorgefonds ist aber nicht empfehlenswert, solange keine Renditezahlen über mindestens drei Jahre vorliegen.
Auch die drei Versicherer Zürich, Swiss Life und Basler sind in den letzten Jahren mit Wertschriftenkonten auf den Markt gekommen. In der Tabelle sind nur jene Produkte berücksichtigt, die bereits im Januar 2001 erhältlich waren.
Die Produkte der Baloise zeichnen sich durch sehr tiefe Verwaltungsgebühren von lediglich 0,3 Prozent pro Jahr aus. Weitere Kosten fallen nicht an. Die Produkte der Zürich hingegen sind mit hohen Gebühren belastet: mit einer Ausgabekommission von bis 2 Prozent, einer Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (Spread) von 0,2 Prozent und jährlichen Verwaltungsgebühren von 1,2 bis 1,3 Prozent.
Bei den Produkten mit ausgewogener Strategie (Aktienanteil 20 bis 40 Prozent) ist die Auswahl deutlich grösser als bei jenen mit defensiver Strategie. Diese Produkte eignen sich für einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren.
Eine schlechte jährliche Performance seit 2001 erzielten die Produkte Sast-BVG-Nachhaltigkeit von der Bank Sarasin und LKB-Expert-Vorsorge von der Luzerner Kantonalbank (je 1,7 Prozent) sowie Vitainvest 25 von UBS und Anlagestrategie 35 von der Zürich (je 1,8 Prozent).
Etwas besser rentierten in dieser Zeitspanne Mixta-BVG (2 Prozent) und Mixta-BVG Defensiv (2,1 Prozent) von Credit Suisse, Pension Invest 30 von Raiffeisen (2,1 Prozent) und Sast-BVG-Rendite von der Bank Sarasin (2,4 Prozent).
Die Sarasin-Vorsorgeprodukte haben jährliche Gebühren von 1,05 bis 1,2 Prozent. Die 1,2 Prozent werden beim nach ökologischen Kriterien investierenden Produkt Sast-BVG-Nachhaltigkeit belastet.
Beim Kauf von Produkten der Bank Sarasin wird zudem eine Ausgabekommission von 1 Prozent beim Direktvertrieb fällig und von 1 bis 3 Prozent beim Vertrieb über externe Partner wie beispielsweise AWD. Auch die Raiffeisenbanken verlangen bei ihren Vorsorgeprodukten eine Ausgabekommission. Sie beträgt zwischen 0,65 und 1 Prozent und ist abhängig von der Höhe der Investition.
Swisscanto ist in jeder Kategorie hervorragend
Die Credit Suisse belastet zwar keine Ausgabekommission, sie berechnet jedoch wie die Zürich eine Differenz zwischen Ausgabe- und Rücknahmepreis, einen Spread. Er beträgt 0,35 Prozent und fliesst in die Kassen der Bank.
Die beste Performance bei den ausgewogenen Produkten erzielt BVG-Universal 3 von Swisscanto mit einer Rendite von jährlich 3,3 Prozent seit 2001.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Produkten mit offensiver Strategie. Die schlechteste Performance erzielten wiederum die beiden UBS-Angebote Vitainvest 40 (1,1 Prozent) und Vitainvest 50 (0,6 Prozent). Und obenaus schwingt auch hier Swisscanto. Das BVG-Diversi?kation 3 erzielte 2,4 Prozent Rendite, das BVG-Öko-3 gar 3,4 Prozent.
Enge Vorschriften für die 3. Säule
Die steuerbegünstigte Säule 3a steht allen AHV-Pflichtigen offen. Der Maximalbetrag beläuft sich für Mitglieder einer Pensionskasse auf Fr. 6192.- (2006) respektive Fr. 6365.- (2007). Wer keiner Pensionskasse angehört, darf maximal 20 Prozent seines AHV-Lohns, höchstens aber Fr. 30 960.- (2006) respektive Fr. 31 824.- (2007) einzahlen.
Das Kapital ist bis fünf Jahre vor dem ordentlichen Pensionierungsalter blockiert, ausser:
- zur Finanzierung von selbst genutztem Wohneigentum sowie zur Abzahlung von Hypotheken (alle fünf Jahre)
- bei Invalidität oder Tod
- beim Auswandern
- beim Wechsel zu selbständiger Tätigkeit
3a-Policen: Teuer und unflexibel
Auch Versicherungen verkaufen steuerbegünstigte Säule-3a-Produkte, sogenannte Vorsorgepolicen. Versicherungs- und Finanzberater nennen sie meist ganz allgemein «Dritte Säule». K-Geld rät vom Kauf ab.
Wie die Banken unterscheiden auch die Versicherungen zwischen reinen Zinsprodukten und Wertschriftenprodukten in der Säule 3a. Erstere werden auch gemischte Lebensversicherung oder Sparversicherung genannt. Wertschriftenprodukte heissen oft fondsgebundene Lebensversicherung.
All diese Produkte legen nur einen Teil der einbezahlten Gelder an. Mit einem zweiten Teil finanzieren sie den Todesfallschutz für Hinterbliebene und die Prämienbefreiung bei Krankheit oder Invalidität. Und ein dritter, nicht unwesentlicher Teil wird als Verwaltungskosten abgezweigt.
Folgende Punkte sprechen ebenfalls gegen Vorsorgepolicen:
- Der Schutz für Hinterbliebene oder bei Invalidität lässt sich mit einer separaten Todesfall- beziehungsweise ErwerbsunfähigkeitsPolice flexibler versichern.
- Die vertraglich vereinbarte Prämie muss man Jahr für Jahr entrichten. Ist man dazu einmal nicht bereit oder nicht mehr in der Lage, muss man die Versicherung prämienfrei stellen lassen. Das ist mit hohen finanziellen Einbussen verbunden.
- Wer das Guthaben zum Beispiel für den Erwerb von Wohneigentum vorzeitig bezieht, erhält nur den Rückkaufwert der Versicherung. Der Risikoschutz ist dann nicht mehr vorhanden und die Abschluss- und Verwaltungskosten sind verloren.
So holen Sie mehr Rendite heraus
- 3a-Sparer dürfen sich ihr Guthaben im Normalfall maximal fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters auszahlen lassen. Die Steuerprogression bei der Auszahlung lässt sich brechen, indem man maximal fünf 3a-Konten eröffnet, die man gestaffelt über mehrere Jahre auflöst. Pro Bank sind zwei 3a-Konten möglich.
- Schichten Sie Ihre Säule-3a-Guthaben entsprechend der Börsen- und Zinsentwicklungen um. Diese sogenannten Switches sind meist gratis - auch von einer Bank zu nächsten.
Bei einem Switch eines grösseren 3a-Guthabens sollten allerdings Anbieter mit Ausgabekommission (zum Beispiel Raiffeisen, Zürich Versicherung und Bank Sarasin) oder Spread (Credit Suisse) vermieden werden.
- Wechseln Sie in den Jahren vor der Auszahlung auf Produkte mit tieferem Aktienanteil oder festem Zinssatz - sinnvollerweise zu einem Zeitpunkt hoher Börsenkurse.
25. Oktober 2006 | Philipp Lütscher
