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Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2006

Waschen nützt nichts

Bei Trauben hilft alles Waschen und Einweichen nichts: Die vielen Rückstände von Giften gegen Pilze und Insekten lassen sich damit nicht wegspülen.

Einweichen, abspülen, abtrocknen: So sorgfältig reinigen viele Konsumentinnen und Konsumenten Tafeltrauben - im guten Glauben, damit die Rückstände von schädlichen Pflanzenschutzmitteln wegzuspülen.

Doch die Mühe kann man sich sparen. Das zeigt eine Untersuchung des deutschen AID-Infodienst für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Die Pestizide gegen Pilzkrankheiten und Insekten lassen sich kaum abwaschen. Weder kaltes noch warmes Wasser, weder Einweichen noch Abtrocknen, nicht einmal Geschirrspülmittel oder Zitronensäure bringen die Gifte von den Trauben weg.


Neuartige Pestizide dringen in die Früchte ein

Vor und nach diesen Behandlungsmethoden suchten Fachleute nach Pestiziden auf den Trauben. Die Resultate erschütterten sie: «Ursprünglich hatten wir gehofft, dass sich mit den Waschversuchen zumindest die Rückstände von Pilzgiften abspülen liessen. Doch das hat sich nicht bestätigt», sagt die Ernährungswissenschaftlerin Carina Lubinski.

Dafür gibt es einen Grund: Immer mehr Pflanzenschutzmittel wirken nicht nur auf der Oberfläche der Trauben, sie dringen in die Früchte ein. Das bestätigt der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter: «Viele Pestizide be?nden sich im Fruchtfleisch und in der natürlichen dünnen Wachsschicht, die mit der Traubenhaut verbunden ist. Man kann sie deshalb nicht abwaschen.» Höchstens Dreck und allfällige Kupfer- und Schwefelrückstände liessen sich unter fliessendem kaltem Wasser entfernen.

Auch noch gründlicheres Waschen hat keinen Zweck. Etter: «Es macht die Früchte einfach kaputt.» Wer keine Pestizid-Rückstände essen will, muss auf Trauben verzichten oder Bio-Trauben kaufen. Untersuchungen der Kantonslaboratorien zeigen nämlich, dass Bio-Trauben in der Regel keine oder höchstens geringe Spuren von Schadstoff-Rückständen enthalten. Die Untersuchungsergebnisse bei konventionell angebauten Trauben sind hingegen erschreckend.

Bis zu 90 Prozent der Tafeltrauben enthalten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - und zwar häu?g nicht nur von einem, sondern gleich von mehreren verschiedenen Mitteln. Das Kantonale Laboratorium von Bern stellte in 28 untersuchten Proben 12 verschiedene Pilz- und Insektenbekämpfungsmittel fest. Die Zürcher Lebensmittelchemiker wiesen in 46 Traubenproben 23 verschiedene Pestizide nach. Und die Genfer Kantonslaboranten kamen sogar auf 36 Rückstände - bis zu elf davon in derselben Traubenprobe!

Solche Pestizid-Cocktails setzen die Produzenten ein, um zu vermeiden, dass die Schädlinge resistent gegen die Gifte werden. Und: Mit solchen Mischungen können die Produzenten auch besser verhindern, dass einzelne Wirkstoffe die zugelassenen Höchstwerte überschreiten.


Grenzwerte für Pestizid-Cocktails fehlen

Verschiedene Kantonale Labors - darunter Genf, Bern und Zürich - fordern deshalb schon seit einiger Zeit, dass Toleranz- und Grenzwerte nicht nur für einzelne Pestizid-Rückstände gelten, sondern dass die Rückstände auch bestimmte Gesamtmengen nicht überschreiten dürfen.



Biotrauben kaufen

Kantonale Laboratorien, Saldo (15/2002) und K-Tipp (12/2000) haben Pestizide gemessen. Die Tipps:
- Vermeiden Sie konventionelle Tafeltrauben aus europäischen Ländern. Sie enthalten in der Regel sehr viel Pestizide.
- Kaufen Sie Biotrauben.
- Trauben aus Übersee (Argentinien, Chile) oder Südafrika und Ägypten enthalten wegen des ausgezeichneten Klimas normalerweise wenig Spritzmittel. Dafür ist der Transportweg sehr lang.

11. Oktober 2006 | Esther Diener Morscher


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