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Die Warze am Fuss wucherte, an Wandern war nicht mehr zu denken. In der Hautklinik wurde ich ambulant behandelt: Ätzen mit Säure, dann die aufgeweichte Warzenhaut abtragen. Woche für Woche, drei Monate lang. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten, ich ging an Krücken. Resigniert brach ich schliesslich die Therapie ab. Kosten: 1540 Franken. Meine letzte Hoffnung war ein in Homöopathie ausgebildeter Arzt. Er machte eine ausführliche Analyse und gab mir ein paar Kügelchen mit - die Warzen ?elen sofort ab. Kosten: 624 Franken.
Eine solche Erfahrung wird Pascal Couchepin nie machen. Denn der Bundesrat lässt sich nur von klassischen Schulmedizinern behandeln. Das vertraute er dem Gesundheitstipp bereits vor drei Jahren an. Damit nicht genug: Die Homöopathie will er gleich allen Patienten missgönnen. Die Komplementärmedizin hat er aus der Grundversicherung geworfen. Und jetzt wehrt er sich mit Hand und Fuss gegen eine Initiative, die die Komplementärmedizin wieder besser verankern will.
Das zeugt nicht von Weitblick. Couchepin überlässt bewährte Methoden wie Homöopathie, Pflanzenmedizin oder die chinesische Medizin dem freien Markt. Er setzt sie damit auf die gleiche Stufe wie esoterische und dubiose Behandlungen aus dem weiten Feld der Alternativmedizin. Patienten haben es schwer, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Ein Beispiel? Es gibt ganzheitliche Zahnärzte, die Patienten reihenweise Zähne ausreissen. Sie enthielten «Leichengift». Kritiker sprechen von Bauernfängerei (siehe Seite 16).
Homöopathie, Pflanzenmedizin und andere sanfte Therapien konnten zeigen, dass sie ebenso gut wirken wie viele Methoden der klassischen Medizin - wenn ausgebildete Fachleute sie anwenden. Sie verteuern das Gesundheitswesen nicht, wie Bundesrat Couchepin behauptet. Im Gegenteil: Sie machen es billiger. Deshalb sollten Gesundheitspolitiker sie fördern. Komplementärmedizin gehört wieder in die Grundversicherung. Auch Couchepin hätte das vermutlich längst eingesehen - würde er die Kügelchen nicht kategorisch ablehnen.
11. Oktober 2006 | Tobias Frey, Redaktionsleiter
