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Artikel | K-Tipp 16/2006

Die digitalen Stromfresser

Wer digitale TV-Programme empfangen will, braucht sinnlos viel Strom: Schuld daran sind die Receiver, die rund um die Uhr eingeschaltet bleiben.

Ob für den Empfang der Schweizer Sender über die eigene Hausantenne, das digitale Zusatzangebot der Kabelbetreiber oder Fernsehen via Satellit: Damit der Kunde digital verbreitete Programme anschauen kann, benötigt er eine Set-Top-Box - also ein Zusatzgerät, welches das digitale Signal umwandelt, damit die gängigen Fernsehgeräte es verarbeiten können.

Heute stehen in Schweizer Wohnungen bereits 700 000 Set-Top-Boxen, und sie brauchen unnötig viel Strom - so viel wie 15 000 bis 20 000 ganze Haushalte. Der Grund: Die Zusatzgeräte brauchen viel Energie, auch wenn niemand fernsieht - bis zu 13 Watt im Ruhezustand. Und in diesem Standby-Modus bleiben sie tagein, tagaus.

Diese Stromverschwendung wird in Zukunft massiv zunehmen. Denn in den nächsten fünf Jahren stellen die Fernsehgesellschaften in der Schweiz und in Europa von der analogen zur digitalen Verbreitung um. Und dann muss jedes Fernsehgerät in der Schweiz eine Set-Top-Box haben. Dazu Stefan Gasser von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (Safe): «Das heisst, der Stromverbrauch der Set-Top-Boxen wird sich gegenüber heute verfünffachen.» Das entspricht dem Stromkonsum von 60 000 bis 100 000 Haushalten.

Insbesondere die Kabelnetz-Betreiber wollen, dass die Set-Top-Boxen nie vollständig ausgeschaltet sind. «Das Gerät muss betriebsbereit sein», sagt David Salmann von Cablecom, «damit gewisse Funktionen sichergestellt sind» - zum Beispiel die automatische Aufnahme von TV-Sendungen oder das Update von Software.


Billig-Netzteile schuld am Stromverbrauch

Dieses Argument lässt Stefan Gasser nicht gelten: «Wenn man ein solches Gerät nicht braucht, sollte man es ausschalten. Software-Updates können auch überspielt werden, wenn man den Fernseher wieder einschaltet - es dauert dann einfach ein paar Sekunden länger, bis das Signal kommt.»

Auch der grosse Energieverbrauch im Standby-Modus muss nicht sein. Um die Preise tief zu halten - Set-Top-Boxen gibts bereits ab 150 Franken -, sparen die Hersteller laut Angaben von Gasser bei den Netzteilen, die oft aus billigen Komponenten bestehen. «Und die verursachen den hohen Stromverbrauch.»



Jedes Jahr Abermillionen für den Ruhezustand

Wer Elektrogeräte konsequent ausschaltet, schont Portemonnaie und Umwelt.

Apparate im Standby-Modus brauchen viel Strom: Unterhaltungselektronik, Büro- und Haushaltgeräte, die in Schweizer Wohnungen stehen, verschwenden auf diese Weise jährlich Energie im Wert von 240 Millionen Franken. Das hat Stefan Gasser von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (Safe) hochgerechnet.

Die schlimmsten Stromfresser unter den Haushaltgeräten sind die Kaffeemaschinen: Sie konsumieren im Ruhezustand Strom für 60 Millionen Franken pro Jahr. Am meisten Strom brauchen dabei die Wärmeplatten, welche die Kaffeetassen temperieren.

Aber auch Apparate wie Drucker und Audio-Geräte, die scheinbar ausgeschaltet sind, tragen zur Energieverschwendung bei. Dazu Stefan Gasser von der Safe: «Externe Netzteile, die die Geräte mit Strom versorgen, verbrauchen immer Strom, auch wenn das Gerät ausgeschaltet ist.»

Tipps:
- Alle Geräte bei Nichtgebrauch vom Netz abkoppeln, insbesondere Kaffee-Vollautomaten, Fernseher, Stereoanlagen und Drucker, aber auch ADSL-Router und Set-Top-Boxen. Das geht am bequemsten mit einer Steckerleiste, die über einen Schalter verfügt.
- Beim Kauf von Geräten auf den Standby-Stromverbrauch achten. Energieeffiziente Modelle finden Sie auf www.topten.ch. Bei den Fernsehern sind zum Beispiel LCDs am effizientesten.
- Kaufen Sie eine Kaffeemaschine, die über eine Abschaltautomatik verfügt. Stellen Sie diese auf rund eine Stunde ein.
- Fürs Heimbüro empfehlen sich stromsparende Multifunktionsgeräte mit Scanner, Drucker und Fax in einem.

(ko)

Weitere Stromspar-Tipps auf www.wwf.ch und www. topten.ch

04. Oktober 2006 | Liz Horowitz, Bennie Koprio


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