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Gärtnern nach dem Mondkalender kann durchaus Sinn machen. Selbst Wissenschaftsgläubige können getrost ein paar Mondregeln beachten.
Mal wachsen die Tomaten prächtig, mal schiessen sie nur ins Kraut, mal blühen die Blumen üppig, mal serbeln sie vor sich hin: Was für die einen ein Makel der Natur ist, den sie mit Chemie bekämpfen, ist für eine wachsende Zahl von Gärtnern die Folge kosmischer Kräfte. Denn der Mond beeinflusst - davon sind sie überzeugt -, wie gut Pflanzen gedeihen.
Schon eine alte Bauernregel besagt: «Bohnen steckt man im Obsigänt, Rüebli sät man im Nidsigänt.» Oder anders ausgedrückt: Was auf der Erde wachsen soll, pflanzt man bei aufsteigendem, was unter der Erde gedeihen soll, bei absteigendem Mond. Was einst mündlich über Generationen weitergegeben wurde, steht heute in unzähligen Ratgebern.
Absteigender Mond für alles, was in den Boden wächst
Gärtnern nach dem Mond basiert auf komplizierten Vorgängen im Kosmos. Jürg Hädrich von der bio-dynamischen Genossenschaft Sativa setzt sich seit 30 Jahren praktisch und theoretisch mit dem Thema auseinander und fasst die wichtigsten Grundlagen zusammen.
- Auf-/absteigend, zu-/abnehmend: Auseinanderhalten sollten Mond-Interessierte insbesondere zwei Begriffe, die oft verwechselt werden: Der aufsteigende respektive absteigende Mond und der zunehmende respektive abnehmende Mond.
Den zu- und abnehmenden Mond kennt jedes Kind - nämlich die Phase von Vollmond zu Vollmond. Dazu Hädrich: «Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Samen zwei Tage vor und zwei Tage nach Vollmond am besten und am schnellsten keimen.»
Ob der Mond aufsteigend oder absteigend ist - im Jargon auch obsigänt und nidsigänt genannt -, fällt kaum jemandem auf: Denn so, wie der tägliche Bogen der Sonne im Verlauf des Jahres immer höher steigt und im zweiten Halbjahr wieder sinkt, wandert auch der Scheitelpunkt der Mondbahn. Allerdings braucht er dafür nicht ein Jahr, sondern nur knapp 28 Tage.
Auch dieser Zyklus - das haben Studien von Bio-Dynamikern nachgewiesen - wirkt sich auf die Pflanzen aus. «Der absteigende Mond hat eine positive Wirkung auf alles, was in den Boden hineinwächst wie etwa Rüebli», bestätigt Hädrich die Bauernregel. Und der aufsteigende Mond ist dementsprechend allem förderlich, was über dem Boden gedeihen soll.
- Position vor Sternzeichen: Ferner soll auch das Sternzeichen, vor dem der Mond am jeweiligen Tag steht, einen Einfluss auf die Pflanzen haben, und zwar je nach Zeichen auf Blatt-, Wurzel-, Frucht- oder Blütenpflanzen. Bisher hat jedoch noch niemand mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen, dass dies stimmt.
Zwar kann jeder auch ohne Kenntnis der Hintergründe nach den Regeln des Erdtrabanten gärtnern: Mondkalender sagen Tag für Tag teils auf die Stunde genau, was zu tun oder zu lassen ist - wann zum Beispiel der ideale Moment für die Aussaat, für den Baum- und Heckenschnitt oder für die Ernte der Früchte ist.
Sklavisch an den Mondkalender halten sollte sich aber niemand - und wird wohl kaum jemand können: So ist etwa am Donnerstag, den 5. Oktober, zwischen 19 und 20 Uhr der ideale Zeitpunkt für die Aussaat von Nüsslisalat - und was, wenn der Hobby-Gärtner dann keine Zeit hat?
Oder: Anfang Mai standen laut Kalender die Zeichen gut für die Aussaat von Bohnen. Doch der Mai war dieses Jahr nass und kalt. Jürg Hädrich hat die Bohnen erst Ende des Monats gesät, denn: «Ich schaue zuerst, wie das Wetter ist, und erst dann auf den Kalender.»
Mondkalender als Antrieb, etwas im Garten zu tun
Wenn der Boden und der Standort für die Pflanzen ungeeignet sind, können es auch die kosmischen Kräfte nicht richten. Trotzdem empfiehlt Jürg Hädrich Hobby-Gärtnern, den Mondkalender zu berücksichtigen: «Er bietet grundsätzlich eine Hilfe und gibt den Antrieb, etwas im Garten zu tun.»
Mondkalender: Das Buch
Mondkalender gibt es zuhauf - in der Buchhandlung oder im Internet. Jedoch: Die einen orientieren sich an astronomischen, die anderen an astrologischen Sternbildern. Das hat zur Folge, dass sich die Empfehlungen teils krass widersprechen.
Jürg Hädrich, Geschäftsleiter der bio-dynamischen Genossenschaft Sativa, empfiehlt Hobby-Gärtnern den Kalender, den er selber benützt - jenen von Maria Thun. Die deutsche Bäuerin publiziert seit 50 Jahren ihre «Aussaattage», gestützt auf Versuche im eigenen Garten. Nach ihrem System wird mittlerweile überall gearbeitet, von den USA bis Korea, von Europa bis Australien.
Der Kalender ist auch für Laien verständlich. «Aussaattage» von Maria Thun kommt jedes Jahr neu in den Buchhandel und kostet rund 25 Franken.
27. September 2006 | BENNIE KOPRIO
