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Artikel | Haus & Garten 4/2006

Elektrische praktischer als Benziner

«Haus & Garten» hat fünf Laubbläser für Hobby-Gärtner getestet. Fazit: Elektrobläser sind zwar nicht viel leiser, aber viel komfortabler als Benziner.

Laubbläser haben einen miserablen Ruf. Sie machen einen Höllenlärm und wirbeln viel Staub auf. Eine Studie des deutschen Umweltbundesamtes hat nachgewiesen, dass diese Geräte auch schädliche Keime aufwirbeln, unter anderem Schimmelpilze und Darmbakterien.

Maschinen, die Laub nicht nur wegblasen, sondern auch aufsaugen und anschliessend häckseln, sind mittlerweile Standard. In Bau- und Gartenmärkten findet sich eine grosse Auswahl für den Heimgebrauch. «Haus & Garten» wollte wissen: Was taugen solche Maschinen im Alltag - und wie laut sind sie wirklich? Für den Praxistest wurden fünf Geräte unterschiedlicher Preisklassen ausgewählt, drei mit Elektromotor, zwei mit Benzinmotor (siehe Tabelle Seite 48).

Als Testort diente der Kannenfeldpark in Basel. Die Aufgabe für die Testpersonen: Laub von einem Weg, aus verschieden hohem Gras und aus verwinkelten Stellen bei einem Gartenzaun zusammenblasen. Anschliessend wurde die Saug- und Häckselfunktion geprüft.


Keine grossen Unterschiede unter den Elektrogeräten

Durch eine Kabelrolle ans Netz angeschlossen, starten alle Elektrogeräte problemlos. Ein Schultergurt soll das Tragen der über 5 Kilo schweren Maschinen erleichtern. Trotzdem macht das Gewicht Beatrice Moppert schon bald zu schaffen. Die vorne am Saug- und Blasrohr angebrachten Rollen sind keine grosse Hilfe, weil man sie nur auf hartem, flachem Grund verwenden kann. Damit man richtig blasen kann, muss man die Geräte aber sowieso tragen - so die einhellige Meinung der drei Testpersonen.

Auf hartem Grund und im niedrigen Gras blasen alle drei Elektrogeräte das Laub problemlos weg. Auch Zigarettenstummel und Papierabfälle verschwinden im Nu.

Im hohen Gras und an schwierigen Stellen wie einem Zaun stösst das günstigste Modell im Test - der Einhell Royal - an seine Grenzen. Atika und Variolux hingegen überzeugen. Erstaunlich: Bei Einhell und Atika ist als Blasgeschwindigkeit 270 km/h deklariert, beim Variolux steht 120 bis 250 km/h. Hier zeigt sich, dass solche Angaben wenig Aussagekraft haben.

Durch Umlegen eines Schalters wechseln die Geräte vom Blasmodus in den Saug- und Häckselbetrieb. Bei diesem Kriterium gibts für den Einhell von allen drei Testern gute Noten. Schlecht schneidet beim Saugen der Laubbläser Atika ab.
Eine mögliche Erklärung ist die Aufteilung des Rohrs. Es ist zweigeteilt; der untere, schmalere Teil dient zum Blasen, der grössere, obere Teil zum Saugen.

Beim Variolux verfangen sich gleich zweimal Laub und dünne Zweiglein an einem Zwischensteg und verstopfen den Übergang vom Saugrohr zum Gebläse. Das Problem lässt sich rasch beheben, erleichtert die Arbeit aber nicht gerade.

Alle Hersteller weisen darauf hin, dass sich die Geräte nur für das Blasen, Saugen und Häckseln von trockenem Laub und dünnen Zweigen, nicht aber für Äste eignen. Die Testpersonen halten sich an diese Vorgabe. Das Häckseln erledigen alle drei Elektrogeräte ohne Probleme. Das Resultat sind zerhackte Blätter und Zweiglein, die sich kompostieren lassen.

Für Ärger sorgt der Reissverschluss des Fangsacks beim Einhell Royal. Er lässt sich nur mit grossen Schwierigkeiten öffnen und schliessen. Der Aufhängehaken ist bereits beim Montieren gebrochen und hält nur behelfsmässig.


Benziner sind mühsam zum Starten und Umbauen

Bei den Benzinmodellen beginnen die Probleme schon beim Starten des Motors. Selbst die Profis benötigen mehrere Versuche, bis es klappt (siehe «Vorsicht Betriebsanleitung»). Anders als die Elektrogeräte haben die Benziner keinen Traggurt. Man muss sie an einem Griff halten. Das wird mit der Zeit mühsam.
Punkto Blasleistung gibt es bei den Benzinern nichts auszusetzen. Daniel Mutz findet, dass die Benziner mehr leisten als die Elektro-Laubbläser. Aber für den Saugbetrieb muss man die Benzingeräte richtiggehend umbauen. An die Stelle des Blasrohrs kommt der Fangsack, das grosse Saugrohr wird am Gebläse montiert.

Das häufige Wechseln vom Blas- zum Saugbetrieb, wie es in der Praxis üblich ist, halten alle Testpersonen für einen Nachteil. Bläst man eine grössere Menge Laub zusammen, wird zudem der Motor heiss: Man muss aufpassen, dass man sich beim Umbauen die Finger nicht verbrennt. «Auch beim Arbeiten ist der warme Motor unangenehm», stellt Marco Papa fest.

In die Nase sticht allen drei Testpersonen der Gestank, verwendetes Ökobenzin hin oder her. Marco Papa: «Wenn ich das Gerät wie vorgeschrieben bediene, blasen mir die Abgase voll ins Gesicht.» Und das Handling mit dem angehängten Fangsack bereitet allen Mühe. Punkto Gewicht schafft der am Fangsack angebrachte Traggurt keine grosse Erleichterung. Das Häckseln hingegen verläuft bei beiden Benzinmodellen ohne Schwierigkeiten.


Bedienungskomfort: 1:0 für Elektro-Laubbläser

Trotzdem ist am Schluss für alle Beteiligten klar: Die Benziner sind gegenüber den Elektrogeräten in Sachen Bedienungskomfort klar schlechter. «Die kommen höchstens dort in Frage, wo kein Elektroanschluss in der Nähe ist», meint Daniel Mutz. Von allen getesteten Geräten favorisieren Mutz und Papa den Variolux. Beatrice Moppert möchte keines der fünf Geräte - auch nicht geschenkt. «Mit Rechen und Besen geht es ebenso schnell - und erst noch ohne Lärm und Gestank.»



Vorsicht, Betriebsanleitung!

Die Bedienungsanleitungen aller getesteten Laubbläser strotzen vor Warnungen. Erst die Instruktionen genau durchlesen, heisst es. Doch schon das erweist sich als Stolperstein:
- Beim Einhell Royal soll man das Saugrohr durch zwei Verschlussbügel am Motor befestigen. Nur fehlen sie. Also zurück in den Laden (Jumbo). Dabei kommt heraus: Die Ersatzbügel fehlen gar nicht. Die Anleitung ist veraltet, stellt der Verkäufer nach Rückfrage beim Hersteller fest. Das Rohr wird mit den mitgelieferten Schrauben befestigt.
- Beim Modell McCulloch soll man die beiden Saugrohrteile zusammenschrauben. Doch die Schrauben fehlen, ebenso die notwendigen Löcher. Ein Telefon bei Obi löst das Problem. Die Betriebsanleitung stimmt nicht.
- Beim Ryobi gibt die Anweisung zum Starten des Motors Rätsel auf. Die Lösung liefert der englische Originaltext. Doch selbst dann haben auch die Profis Mühe, das Gerät zu starten.



Lärmpegel-Test: Laubbläser für Private sind Lauter als ein Heli

Laut sind alle Laubbläser. Die drei Testpersonen, zwei davon Profi-Gärtner, waren deshalb meist froh über die Ohrenschützer. Dass man sie während der Arbeit mit dem Gerät trägt, empfehlen übrigens alle Hersteller. Welche Laubbläser am meisten Lärm machen, hat der Akustikspezialist Markus Ringger von der Gruner AG in Basel untersucht: Ermittelt wurde der so genannte Schallleistungspegel (LwA) in Debizeln (dBA).

Zum Vergleich: Ein normales Gespräch verursacht einen LwA von 70 dBA, bei einem Helikopter sind es 100, bei einer Kettensäge 110 dBA. Ein Anstieg um 10 Dezibel entspricht einer Verdoppelung des Lärms.

Gemessen wurde die Lautstärke der Laubbläser beim Blasen, Saugen und Häckseln. Die Geräusche bei diesen Betriebsarten nimmt das Ohr unterschiedlich wahr - bei den Messwerten zeigten sich aber nur geringfügige Differenzen. Trotz unterschiedlicher Leistung lagen die Dezibel-Werte der drei Elektrogeräte und des Benzinmodells Ryobi alle leicht über der 100-Dezibel-Grenze (siehe Tabelle). Deutlich lauter war der Benziner McCulloch mit 107 dBA.

Erfreulich: Keines der Geräte überschritt den vom Hersteller deklarierten Lärmwert. Zum Vergleich liess «Haus & Garten» das Profi-Gerät Stihl BR 500 testen. Trotz deutlich höherer Leistung blieb es mit 98 dBA als einziges unter der 100-Dezibel-Grenze.

Übrigens: Laut einer neuen Verordnung des Umweltdepartements müssen die Hersteller die Lärmwerte von Geräten und Maschinen im Freien mit einem Aufkleber deklarieren. Dies gilt auch für Gartengeräte wie Laubbläser, Rasenmäher und Trimmer. Zusätzlich gelten ab Mai 2007 für zwei Dutzend Geräte Lärmgrenzwerte - zum Beispiel für Rasenmäher, nicht aber für Laubbläser.

27. September 2006 | STEPHAN DIETRICH


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