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Artikel | Haus & Garten 4/2006

Cheminées: Ohne Rauch gehts auch

Feuerstellen in der Wohnung, die ohne Kamin auskommen - das gibts. Jedoch: Ein vollwertiger Ersatz für ein normales Cheminée sind sie nicht.

Sie nennen sich Art of Fire, Emotional Fire oder Cult Fire und verkaufen den schönen Schein: Feuerstellen - von urchig bis topmodern -, die sich überall aufstellen lassen.

Sie benötigen keinen Schornstein, keine Zulassung durch die Feuerpolizei, selbst den Vermieter brauchen Sie nicht um Erlaubnis zu fragen. Der Clou: Statt Holz sorgt Bio-Ethanol fürs flackernde Feuer - reiner Alkohol, der keine schädlichen Abgase produziert.
«Kein Holz lagern, schleppen und nachlegen, keine Asche, kein Russ, keine Brandgefahr durch Funkenflug», schwärmt Knut Paul Heckel, PR-Verantwortlicher von Cult Fire - jener Marke mit dem wohl breitesten Angebot an Bio-Alkohol-Feuerstellen in der Schweiz. Es gibt Modelle aus Holz, Glas, Stein und Stahl, freistehende und solche, die sich an die Wand hängen oder in die Ecke stellen lassen.


Eine Feuerstelle ohne Kamin - und zum Mitzügeln

Selbst ein Weinfass wurde zum «Cheminée» umfunktioniert. Auch Feuerstellen auf Rollen sind zu haben. Heckel: «Heute im Wohnzimmer, morgen im Schlafzimmer, im Bad oder auf der Terrasse - so genial!»

«Wenn richtig und nach Vorschrift betrieben, können wir gegen solche Feuerstellen keine Einwände haben», bestätigt René Stüdle von der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen. Das heisst:
- Die Feuerstelle muss genügend weit entfernt von brennbarem Material aufgestellt und die Zufuhr frischer Luft gewährleistet sein.
- Der Brenner muss abgestellt und kalt sein, bevor Alkohol nachgefüllt wird.
- Ausserdem dürfen die «Cheminées» nicht der dauernden Beheizung von Räumen dienen, in denen sich Menschen oder Tiere aufhalten.
Letzteres ist ohnehin nicht angesagt: Mit Bio-Ethanol betriebene Feuerstellen geben nur wenig Wärme ab. «Je nach Grösse des Modells und des Brenners 2,5 bis 4,5 Kilowatt pro Stunde», so Knut Paul Heckel. Das entspricht in etwa der Leistung eines kleineren Elektro-Heizlüfters. Ein offener Kamin oder ein Schwedenofen produziert laut Dana Gisin vom Fachgeschäft Alpinofen - wo sowohl Cheminées als auch Alkohol-Feuerstellen erhältlich sind - bis zu 15 Kilowatt.


Nichts für empfindliche Nasen und Grill-Fans

Auch in anderen Bereichen haben die Alkohol-Feuerstellen wenig mit Cheminées gemeinsam:
- Selbst bei relativ grossen Brennern entspricht die maximale Grösse der Flamme ungefähr jener eines einzigen brennenden Holzscheits.
- Der leichte Alkohol-Geruch des Feuers kann empfindliche Nasen stören.
- Vom Grillieren über offenen Flammen ist abzuraten. Cult-Fire-Importeur Heinz Walder begründet: «Das Bratgut würde nach Alkohol riechen.»

Um die Schwachstellen des Ethanol-Feuers zu kaschieren, haben die Hersteller tief in die Trickkiste gegriffen: Viele Modelle sind innen verspiegelt, damit das Flammenbild grösser erscheint.

Als Mittel gegen die «Alkohol-Fahne» hat Cult Fire ferner einen Aroma-Adapter entwickelt: Kleine Holzschnitzel, in einem Metall-Kistchen nahe an die Flammen geschoben, verströmen dann Holz- statt Schnapsgeruch.

Seit kurzem gibts Modelle, in denen man braten kann - allerdings bloss auf einer Platte, also mit indirekter Hitze. Angesichts der geringen Heizleistung des Ethanol-Feuers ist die Palette der Speisen, die sich so zubereiten lässt, jedoch eingeschränkt.

«Die Cheminées und Feuerstellen sind vorrangig dafür geschaffen, um Ihnen in Ihrem Heim die wohlige Atmosphäre und das angenehm beruhigende Flammenbild eines offenen Feuers zu ermöglichen», so die Werbung von Emotional Fire.

Der schöne Schein hat seinen Preis: Unter 1500 Franken ist nichts Rechtes zu haben; meist blättert der Kunde zwischen 3000 und 4500 Franken hin. Für dieses Geld gibts bereits einen Schwedenofen mit allem Drum und Dran - vorausgesetzt, ein Kaminanschluss ist vorhanden.



«Cheminées ohne Rauch»: Die Vor- und Nachteile

Bio-Ethanol wird aus Agrarprodukten wie Weizen und Kartoffeln hergestellt. Bei der Verbrennung des äusserst reinen Alkohols entstehen nach Angaben der Schweizer Alkoholverwaltung nur die natürlichen Substanzen Wasser und Kohlendioxid: etwa so viel CO2, wie zwei mittelgrosse Kerzen freisetzen, und so viel Wasserdampf, wie ein Luftbefeuchter abgibt. Ein Liter Bio-Ethanol kostet Fr. 4.90.

Gemäss Angaben der Cheminée-Herstellerin Alpinofen kostet ein Ethanol-Feuer pro Stunde je nach Brennergrösse zwischen 2 und 3 Franken, ein Holzfeuer kommt dagegen nur auf rund 1 Franken zu stehen.
Die Vorteile der «Cheminées ohne Rauch» fasst Dana Gisin von Alpinofen zusammen:
- Kein Kaminanschluss nötig
- Keine baulichen Veränderungen
- Lässt sich überall aufstellen
- Lässt sich problemlos verschieben und bei Wohnungswechsel mitnehmen
- Echte Flamme - kein Kunstfeuer wie bei Elektro-«Cheminées»
- Keine Asche, kein Schmutz

Die Nachteile:
- Relativ teuer im Verbrauch
- Geringe Wärmeabgabe
- Leichter Geruch nach
- Alkohol

27. September 2006 | BENNIE KOPRIO


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