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Artikel | Haus & Garten 4/2006

Plädoyer für die Teppichetage

Teppichböden? Nein danke, sagen die meisten Mieter und Hausbesitzer. Doch Studien zeigen: So staubig und unhygienisch sind Teppiche gar nicht.

Suche 2-Zimmer-Wohnung mit Badewanne und Balkon, kein Spannteppich», «Zu vermieten: 4-Zimmer-Wohnung mit grosser Terrasse. Überall Parkett». Ein Blick auf Wohnungsinserate zeigt, wie die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer gerne wohnt: Auf keinen Fall mit Teppichböden, am liebsten mit Parkett.

Immobilienfachmann Ulrich Ackle von der Berner Lietreu Immobilien AG bestätigt: «Eine Wohnung mit Parkettböden lässt sich viel einfacher vermieten als eine mit Teppichböden. Parkett gilt heute eindeutig als der edlere Bodenbelag.»

Der Boom der glatten Böden begann erst Mitte der 90er-Jahre. Noch vor 30 Jahren war ein Spannteppich der Inbegriff von noblem Wohnen. In Verruf gerieten die Teppiche vor allem, weil sie als Staubfänger und Brutstätte von Milben gelten.


Weniger Feinstaub in Wohnungen mit Teppichen

Eine neue Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes zeigt jetzt aber: Die Luft in Räumen mit Teppichböden ist nicht staubiger oder unhygienischer als in Räumen mit glatten Böden. Im Gegenteil: In Wohnungen mit Teppichen hat es nur halb so viel Feinstaub in der Luft wie in Wohnungen mit Parkett, Laminat oder Fliesen. Die Studie zeigt, dass Teppiche sehr wohl Staubfänger sind - jedoch mit erwünschter Wirkung: Der gebundene Staub wirbelt nicht in der Raumluft herum. Er wird deshalb auch nicht eingeatmet.

In anderer Hinsicht sind Teppiche ebenfalls besser als ihr Image: «Die Grossaufnahmen von Milben, die im Teppichboden nisten, haben wenig mit der Wirklichkeit zu tun», betont Andreas Tischhauser vom Schweizer Teppichunternehmen Tisca. «Milben haben es gerne feucht und warm. Sie leben deshalb am liebsten in Matratzen und kaum in Teppichen.»
Immobilienfachmann Ulrich Ackle glaubt trotz Parkett-Euphorie, dass sich viele nach der Behaglichkeit der Teppiche sehnen. «In älteren Häusern ohne Bodenheizung fühlen sich glatte Böden besonders im Winter sehr kalt an», sagt er. Und er stellt fest, dass Parkettböden in Mehrfamilienhäusern zu mehr Streitereien beitragen. Denn plötzlich sind jeder Schritt und jedes Stuhlrücken zu hören. Parkett- und Fliesenböden sind auch rutschiger und bieten weniger Halt. Teppiche sind viel trittsicherer. Wer stürzt, verletzt sich zudem weniger, weil Teppiche den Aufprall dämpfen.


Für ein gepflegtes Aussehen Teppiche öfters ersetzen

Unbestritten ist jedoch, dass ein Teppich nach zehn Jahren längst nicht mehr so frisch und sauber aussieht wie ein Fliesenboden oder ein neu geschliffener Parkett (siehe auch Lebensdauer-Tabelle, K-Tipp 13/06). Früher mussten Mieter bei einem Wohnungswechsel oft alte, unappetitliche Teppiche übernehmen, weil die maximale Lebensdauer noch nicht erreicht war. Das trug viel zum schlechten Ruf der textilen Bodenbeläge bei. Für Ackle ist deshalb klar: «Ein Teppich muss gepflegt aussehen. Wenn nötig muss man ihn bereits nach fünf Jahren wechseln.»

Parkettböden sind aber derart hoch im Kurs, dass Alternativen kaum beachtet werden. Dabei, so Ackle, sei der lang geschmähte Linoleumboden im Aufschwung. Schon bald könnte das Naturprodukt aus Leinöl, Holzmehl, Kalkstein und Jute sehr begehrt sein, glaubt Ackle. «Speziell in Kinderzimmern wird Linoleum immer beliebter. Er ist behaglicher und pflegleichter als Parkett und trotzdem aus natürlichem Material.»



So reduzieren Sie die Feinstaubbelastung
Nicht nur Menschen mit empfindlichen Atemwegen, sondern auch Gesunde sollten darauf achten, dass möglichst wenig Staub in der Raumluft herumwirbelt:
- Regelmässig kurz und stark mit Durchzug lüften.
- Teppichböden ein- bis zweimal pro Woche saugen.
- Glatte Böden möglichst oft feucht - aber nicht nass! - wischen.
- Einen Staubsauger mit Hepa-Filter (High-Efficiency-Particulate-Air-Filter) benutzen. Diese Schwebstofffilter halten auch kleinste Staubpartikel zurück und wirbeln sie nicht wieder in die Raumluft zurück.



DIE VOR- UND NACHTEILE DER GÄNGIGSTEN BODENBELÄGE

Parkett
+ Langlebig
+ Natürliches Material
+ Leicht zu reinigen
+ Kann mehrmals abgeschliffen werden
- Höhere Feinstaubbelastung
- Keine Schalldämmung
- In Ritzen und Spalten kann sich Dreck sammeln

Teppich
+ Schalldämmend
+ Vermittelt Wärme und Behaglichkeit
+ Bindet Staub, deshalb für Allergiker geeignet
+ Trittsicher
+ Schnell verlegt
- Kurze Lebensdauer (5 bis 10 Jahre)
- Schmutzempfindlich

Keramik- und Steinfliesen
+ Sehr langlebig
+ Leicht zu reinigen
- Ohne Fussbodenheizung unbehaglich, da kühl
- Keine Schalldämmung
- Höhere Feinstaubbelastung
- Je nach Material rutschig

Linoleum
+ Natürliches Material aus Leinöl, Holzmehl, Kalkstein und Jute
+ Leicht zu reinigen
+ Lange Lebensdauer
+ Grosse Farbauswahl
- Empfindlich auf Feuchtigkeit
- In seltenen Fällen unangenehmer Geruch
- Höhere Feinstaubbelastung

Laminat
+ Sieht aus wie Parkett, Stein oder Keramik
+ Günstig
+ Pflegeleicht
- Kunstharzoberfläche
- Qualitätsmängel bei billigen Produkten
- Kürzere Lebensdauer als Parkett
- Keine Schalldämmung
- Höhere Feinstaubbelastung

Kork
+ Schalldämmend
+ Wirkt behaglich
- Höhere Feinstaubbelastung
- Empfindlich auf Feuchtigkeit

Kautschuk
+ Leicht zu reinigen
+ Robust
+ Natürliches Material
+ Rutschhemmend
+ Schalldämmend
- Kann unangenehm riechen
- «Industrie-Optik»
- Höhere Feinstaubbelastung

27. September 2006 | ESTHER DIENER MORSCHER


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