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Artikel | saldo 15/2006

Vorsicht vor Katzen kot

Für Schwangere und Menschen mit Immunschwäche kann ein bestimmter Katzenparasit fatale Folgen haben. Er soll sogar psychische Störungen auslösen.

Rund die Hälfte der Menschen in der Schweiz hat sich in ihrem Leben schon mit dem Katzenparasiten Toxoplasma gondii infiziert. Zwar bleiben die Parasiten lebenslang im Körper, doch bei den meisten Menschen hat die Ansteckung keine schädlichen Folgen - im Gegenteil: Sie bleiben immun.

Vorsicht ist dennoch geboten: «Bei etwa 1 Prozent der Erwachsenen ergeben sich nach einer Infektion Lymphknotenschwellungen mit oder ohne Fieber», sagt Bruno Gottstein, Leiter des Instituts für Parasitologie
der Universität Bern. Bei immungeschwächten Personen können sogar akute, schwere Krankheitsformen auftreten.


Schwangere: Jährlich 500 Infektionen

Besonders gefährlich wird es, wenn sich Frauen während der Schwangerschaft mit dem Katzenvirus anstecken: Abort und Totgeburt sind möglich. In der Schweiz rechne man jährlich mit etwa 500 Infektionen von Schwangeren, sagt Bruno Gottstein. Ein Drittel dieser Infektionen greift auch auf das ungeborene Kind über. Dort kann das Virus zu Hirn- oder Sehschäden führen. «Das sind etwa 40 Fälle im Jahr», schätzt der Experte.

Darum werden Schwangere in der Regel auf Toxoplasmose untersucht. Vom Gesetz her vorgeschrieben ist das jedoch nicht - im Gegensatz zu Ländern wie zum Beispiel Frankreich oder Österreich.

Der Parasit vermehrt sich im Darm der Katze und wird durch ihren Kot ausgeschieden. Nach zwei Tagen Reifung im Kot ist der Parasit ansteckend. Sogenannte Zwischenwirte wie Schafe, Kühe oder Geflügel können ihn dann aufnehmen. Der Parasit dringt ins Gewebe des Wirtes ein, meistens in die Muskulatur und ins Gehirn.

Der Mensch kann sich durch den Konsum von rohem oder halbrohem Fleisch anstecken. Vorsichtig sollten aber vor allem Katzenhalter und Personen sein, die häufig im Garten arbeiten - denn bei ihnen ist die Gefahr am grössten, dass sie in direkten Kontakt mit Katzenkot kommen.


Zusammenhang mit psychischen Krankheiten möglich

Ob man sich bereits infiziert hat, kann man mit einer Blutuntersuchung beim Arzt feststellen lassen.

Neuste Forschungen stellen zudem einen Zusammenhang zwischen dem Parasiten und neurologischen Veränderungen bei Menschen her. So haben türkische Mediziner herausgefunden, dass Menschen mit einer Toxoplasmose-Infektion eine schlechtere Reaktionszeit haben. Bei Kindern wiederum konnte eine Verbindung zwischen Hyperaktivität, niederem Intelligenzquotient und hohen Toxoplasma-Werten festgestellt werden.

Forscher vom Imperial College in London kamen sogar zum Schluss, dass der Katzenparasit an der Entstehung von Schizophrenie und anderen psychischen Störungen beteiligt sein kann. In Tierexperimenten wiesen sie nach, dass Medikamente, die gegen den Parasiten wirken, gleichzeitig auch psychotische Störungen lindern können.

Experte Bruno Gottstein gibt aber erst einmal Entwarnung: «Zur Absicherung einer solchen Aussage braucht es noch vertiefte und breit gefächerte Studien.»



Vorsichtsmassnahmen für Schwangere

Ergibt der Bluttest bei einer schwangeren Frau, dass sie noch nicht gegen den Katzenparasiten immun ist, sind besondere Vorsichtsmassnahmen nötig:
- Jeden Kontakt mit Katzenkot meiden. Das Katzenkistchen nicht mehr selbst reinigen. Das Kistchen täglich mit mindestens 70 Grad warmem Wasser ausspülen lassen.
- Im Garten nur noch mit Handschuhen arbeiten.
- Gemüse und Obst sehr gut waschen.
- Rohes Fleisch nur mit Handschuhen bearbeiten.
- Nur ausreichend gebratenes Fleisch essen. Vor allem bei Kuh- und Schaffleisch ist Vorsicht geboten.

27. September 2006 | Angelica Schorre


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