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Artikel | K-Tipp 15/2006

Schuhkauf: Pilze inklusive

Der K-Tipp hat in Läden die Innensohle neuer Schuhe untersucht: 18 von 50 Paaren waren mit Pilzen und Bakterien infiziert.

Nur wenige Geschäfte bieten sterile Probiersöckchen zum Anprobieren neuer Schuhe an. Dieser Mangel kann für Kundinnen und Kunden gesundheitliche Folgen haben. Eine K-Tipp-Stichprobe zeigt nämlich: In jedem dritten neuen Schuh finden sich Krankheitserreger, die mitunter ansteckend sein können. Dies gilt vor allem für Schuhe, in die man mit nackten Füssen hineinschlüpft.

Von 50 getesteten Innensohlen waren 18 belastet. Insgesamt wurden 31 Erreger gefunden, u. a. Haut-, Hefe- und Schimmelpilze, die Haut- und Nagelinfektionen verursachen können.

Hans-Jürgen Tietz, Professor am Berliner Institut für Pilzkrankheiten, hat die Proben untersucht: «Gleich mehrmals wurde der Hefepilz Candida albicans festgestellt. Er gilt als der häufigste Erreger von Vaginal-Infektionen.»


Hautentzündungen und Nagelprobleme

Laut Tietz hat jede dritte Person Fusspilz und ist somit automatisch Keimträger. Die Ansteckungsgefahr ist dementsprechend gross: «Beim Probieren neuer Schuhe gelangen die Krankheitserreger von nackter Haut und infizierten Nägeln ungehindert zum nächsten - noch gesunden - Kunden.»

Mögliche Folge: Hautabschuppungen, Entzündungen, Blasenbildungen, Juckreiz zwischen den Zehen, Infektionen der Nägel. Im schlimmsten Fall können weitere Hautregionen von den Pilzen befallen werden.
Wer sich beim Probieren mit eigenen Socken sicher fühlt, liegt falsch, warnt Tietz: Die Krankheitserreger können sich in groben Maschen verfangen, und durch wiederholtes Auftreten mit dem Fuss werden die Keime rasch zur Sohle transportiert.

Der Experte sieht daher nur eine Möglichkeit, die Ansteckungsgefahr bei der Schuh-Anprobe zu reduzieren: «Engmaschige und sterile Probiersöckchen zum einmaligen Gebrauch bieten wirksamen Schutz.» Mit gutem Beispiel voran geht Vögele Shoes: In allen Filialen sind solche Socken erhältlich - rund eine halbe Million würden jährlich direkt nach Gebrauch vom Verkaufspersonal entsorgt.

Doch längst nicht alle Geschäfte offerieren solche Socken. Es kommt auch vor, wie die K-Tipp-Stichprobe zeigt, dass die Einweg-Socken nicht im Müll, sondern in der Box mit den Anprobe-Wollsocken landen.


«Kunden ärgern sich über Wegwerfsocken»

Von den zehn getesteten Geschäften fielen Globus, Mango, C&A und Zara speziell negativ auf: Rund die Hälfte der dort entnommenen Proben war durch Pilze und Bakterien verunreinigt.

«Für Kunden, die Schuhe barfuss probieren, halten wir Wegwerfsocken parat», sagt Globus-Sprecher Ernst Pfenninger. «Doch nicht alle Kunden machen mit, manche reagieren sogar verärgert.» Das Verkaufspersonal, so Pfenninger, soll nun erneut darauf hingewiesen werden, «die Probiersöckchen bei den Kunden durchzusetzen».

Bei der Modekette Mango zeigte man sich überrascht über das Ergebnis und leitete sofort Massnahmen ein: «Künftig dürfen die Schuhe nur noch mit sterilen Socken anprobiert werden, die umgehend in alle Filialen ausgeliefert werden», verspricht Sprecherin Maja Amrein.

Nur beschränkt einsichtig zeigt sich C&A Schweiz, in deren Clockhouse-Filialen ebenfalls überdurchschnittlich viele Erreger gefunden wurden: «Bei uns werden Schuhe trocken und luftig gelagert und auf offenen Tablaren angeboten. So können Pilzinfektionen nicht entstehen und sich kaum ausbreiten», glaubt Sprecher Peter Gadient. Dennoch will auch C&A prüfen, «künftig Probiersöckchen zur Verfügung zu stellen».



Tummelplatz für mehrere Erreger

Bei 50 neuen Schuhen wurden insgesamt 31 Erreger festgestellt:
- 6-mal Hautpilz, zwei Typen - sie gelten als Erreger von Haut- und Nagel-Infektionen.
- 14-mal Hefepilze - fünf verschiedene Typen -, Erreger von Haut- und Vaginal-Infektionen
- 5-mal Schimmelpilze - drei Typen, Erreger von Nagel-Infektionen
- 6-mal (Darm-)Bakterien

So wurde geprüft
Der K-Tipp hat bei Benetton, Blue Dog, Botty, C&A, Esprit, Globus, Mango, Manor, Tschümperlin und Zara Proben von der Innensohle neuer Schuhe genommen und ans Berliner Institut für Pilzkrankheiten gesandt. Im Labor wurden die Proben auf verschiedene Nährböden ausgestrichen. Bei nicht sterilen Proben zeigten sich unter dem Mikroskop nach zwei Wochen Herde von Bakterien, Hefe-, Haut- und Schimmelpilzen.

20. September 2006 | Sabine Rindlisbacher - redaktion@ktipp.ch


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