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Am saldo-Beratungstelefon knüpft man zuweilen dauerhafte Beziehungen. Zum Beispiel mit Anna Seiler (Name geändert). Ein Vertreter hatte ihr an der Haustüre ein Wunderelixier für 680 Franken aufgedrängt. Damit nehme sie im Monat zehn Kilo ab. Ich half der Frau, den Vertrag loszuwerden. Das dankte mir Anna Seiler mit ewiger Treue.
So konsultierte sie mich das nächste Mal wegen eines Hometrainers, der ihren Anforderungen nicht entsprach. Dann wieder bat sie um Rat wegen einer defekten Dampfbügelstation.
Neulich wollte meine Stammkundin wissen, ob sie als Mieterin einen Untermieter bei sich aufnehmen dürfe. Als ich ihr grünes Licht gab, verriet sie mir schelmisch, es habe bei ihr nämlich gefunkt. Den Untermieter habe sie auf einer Werbefahrt kennen gelernt. Wie sie selbst liebe er Volksmusik, Katzen und Carausflüge. Die perfekte Harmonie.
Spontan schloss sie mich in ihr Glück ein: «Also, Herr Schmid, Sie und ich kennen einander nun auch schon eine Ewigkeit. Wollen wir uns nicht du sagen?» Als ich darauf überrascht etwas wie Zustimmung stammelte, hörte ich sie am andern Ende rufen: «Werni, komm schnell ans Telefon! Der Jurist von saldo will Duzis mit uns machen!»
So unverhofft kann man neue Freunde gewinnen. Nun denn, liebe Anna, lieber Werni: Es soll gelten.
30. August 2006 | Hans Ruedi Schmid, Leiter Rechtsberatung
