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Der Unfall passierte vor drei Jahren in den Ferien am Roten Meer. Es war der letzte Tauchgang vor der Heimkehr. Mein Tauchpartner und ich schwammen durch eine Schlucht. An deren Ende war eine senkrechte Wand mit einer grossen Öffnung. Wir dachten, das sei der Durchgang, durch den wir vor dem Aufstieg tauchen müssten. So hatten wir es in der Beschreibung des Tauchgangs gelesen. In diesem Moment verloren wir den Sichtkontakt zum Leiter der Tauchgruppe. Wir waren aber überzeugt, dass er bereits in das Loch eingetaucht sei. Deshalb schwammen wir da hinein.
Das Loch erwies sich als langer Tunnel, der sich später auch noch gabelte. Plötzlich ?el eine unserer Lampen aus. Wir realisierten: Jetzt wird es heikel. Deshalb kehrten wir sofort um. Das war unsere Rettung. Sonst hätte die Luft nicht mehr bis zur Oberfläche gereicht.
Weil wir unsicher wurden, atmeten wir schneller und brauchten mehr Luft. Als wir aus dem Tunnel kamen, begannen wir sofort mit dem Aufstieg. Da signalisierte mein Partner, dass ihm die Luft ausging. Er versorgte sich deshalb über den zweiten Automaten meines Druckluftgeräts, so wie wir es gelernt hatten. Doch die Luftreserve meines Geräts reichte nicht für zwei. Wir mussten möglichst schnell an die Oberfläche und konnten keinen Zwischenstopp machen, wie das nötig gewesen wäre für die Dekompression.
Als ich zum Boot zurückkehrte, bekam ich die ersten Beschwerden: Ich hatte starke Gefühlsstörungen, vor allem in den Beinen. Etwas später konnte ich ohne Stütze nicht mehr gehen. Während mein Tauchpartner mit dem Schrecken davonkam, musste ich vor der Heimreise mehrmals in die Druckkammer. Ich wurde unter Überdruck mit reinem Sauerstoff behandelt. Der ägyptische Arzt stellte eine Dekompressionskrankheit fest mit Schäden im Rückenmark. Laufen konnte ich glücklicherweise bald wieder, doch die Gefühlsstörungen sind bis heute geblieben.
Anfangs konnte ich nicht einmal eine Büroklammer aufheben, weil mir das Gefühl in den Fingern fehlte. Ich habe auch Probleme mit dem Gleichgewicht. Manchmal plagen mich diffuse Schmerzen, die möglicherweise auch mit dem Unfall zusammenhängen, weil ich meinen Körper seither falsch belaste. Ich schaffe es nicht mehr, längere Strecken zu gehen, denn ich werde schnell müde.
Die Ärzte empfahlen mir, mindestens drei Monate nicht mehr zu tauchen. Dann wollte ich unbedingt wieder ins Wasser. Denn ich liebe diesen Sport und habe viel in die Ausbildung und eine gute Ausrüstung investiert. Ich habe trotz des Unfalls keine Angst beim Tauchen, doch ich bin vorsichtiger geworden. Ich würde heute nie mehr in eine Höhle schwimmen.
Für mich ist das Tauchen auch ein bisschen Selbsttherapie. Ich kann dadurch das traumatische Erlebnis besser verarbeiten. Im Wasser schwebe ich und kann total abschalten. Ich liess mich auch schon mit Akupunktur und chinesischen Massagen behandeln. Die Beschwerden sind immerhin schwächer geworden. Ich gebe nicht auf, denn ich will wieder so leben wie vor dem Unfall.
Tauchunfall: Schneller Aufstieg führt zu Nervenschäden
Rund 60000 Schweizerinnen und Schweizer tauchen - in einheimischen Gewässern oder in den Ferien im Meer. Tauchunfälle passieren zwar eher selten, doch die Folgen sind oft schwerwiegend. Die Ursachen sind meist Fehlverhalten oder eine defekte Ausrüstung.
Besonders heikel ist der zu schnelle Aufstieg. Dabei bilden sich im Gewebe und im Blutstrom Stickstoffbläschen, die den Körper schädigen.
Bei einem Tauchunfall muss man möglichst schnell einen Tauchmediziner beiziehen und den Verunfallten mit 100-prozentigem Sauerstoff behandeln. Sonst besteht die Gefahr bleibender Schäden wie Lähmungen, Muskelschwäche und anderer neurologischer Ausfälle bis hin zu lebensbedrohlichen Folgen.
Notzentrale und Informationen:
- Rega Schweiz: Tel.1414, aus dem Ausland: +41 333 333 333
- Europe Headquarter Dan Europe: Tel. +39 08 58 93 03 33, Notfallnummer: +39 06 42 11 86 85, www. daneurope.org, mail@daneurope. org
- SUHMS Schweizerische Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin, www.suhms.org
28. Juni 2006 | Aufgezeichnet: Fridy Schürch
