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Artikel | Gesundheits-Tipp 7+8/2006

«Bei der Arbeit war die Sucht stärker»

Seit Anfang Jahr kämpft Arthur Kessler mit rauchfreien Zigaretten gegen das Rauchen an. Nun ist er gescheitert.

Sechs Monate lang wehrte sich Arthur Kessler gegen die Nikotinsucht. Jetzt hat er den Kampf verloren. «Schon im Frühling hatte ich kleinere Rückfälle», erinnert er sich. «Ich rauchte zeitweise wieder eine bis zwei Zigaretten pro Tag.»

Der 39-Jährige versuchte es noch einmal: Im Mai rauchte er zwei Wochen lang nicht. Dann hielt er es nicht mehr aus: «Als meine Ferien vorbei waren, begann ich wieder zu rauchen.» Kessler stand am Arbeitsplatz unter Druck: «Am ersten Arbeitstag konnte ich mich noch beherrschen, aber dann ging es wieder los», sagt er zerknirscht. Jetzt raucht er wieder täglich 15 Zigaretten.

Kessler hat versucht, mit Hilfe von Smokeless Cigarettes vom Rauchen wegzukommen. Die Smokeless Cigarettes sehen aus wie normale Zigaretten. Sie enthalten aber ätherische Öle statt Tabak, und man muss sie nicht anzünden. Das Aroma der ätherischen Öle soll einem den Rauchgenuss verderben.


Smokeless Cigarettes: «Sie wirkten nur am Anfang»

Arthur Kessler ist enttäuscht von diesem Produkt. «Am Anfang haben mir die Smokeless Cigarettes beim Ausstieg geholfen. Sie bewirkten, dass die Zigaretten schlecht schmeckten», sagt er. «Aber mit der Zeit wurde dieser Effekt schwächer.»

Die Berner Tabakpräventions-Expertin Christine Gafner ist überzeugt, dass Smokeless Cigarettes nichts nützen: «Sie helfen ausstiegswilligen Rauchern nicht, ihr Verhalten aktiv und bewusst zu verändern.» Für den erfolgreichen Rauchstopp sei aber eine Verhaltensänderung nötig. «Mit den Smokeless Cigarettes hat Arthur Kessler das Rauchen weiterhin simuliert», sagt Gafner. «Er hat nicht gelernt, wie er Stresssituationen mit anderen Mitteln überbrücken kann.»

Auf diese Kritik entgegnet die Firma TLC Trading, die Smokeless Cigarettes vertreibt: «Die Smokeless Cigarettes kann man anstelle der normalen Zigaretten halten und die gewohnten Handbewegungen ausführen», sagt Geschäftsführerin Trinity Pfaendler. «Das hilft beim Nikotinentzug.»

Nach Kesslers Scheitern sind nur noch fünf der zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aktion Rauchstopp Nichtraucher: Isabel Berger, Nadir Ferrari, Beatrix Isler, Barbara Oesch und Christian Santschi.


Kessler will in den Sommerferien wieder aufhören

Es sei aussergewöhnlich, dass nach einem halben Jahr die Hälfte der Ex-Raucher noch immer nicht rauche, sagt Christine Gafner: «Normalerweise ist die Erfolgsrate tiefer.» Die Teilnehmer habe zusätzlich motiviert, dass der Gesundheitstipp über sie berichtet, vermutet die Rauchstopp-Expertin.

Doch Gafner ist überzeugt: «Auch die rückfälligen Teilnehmer sind ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen. Den nächsten Rauchstopp-Versuch werden sie als noch dringender betrachten. Damit steigen ihre Erfolgschancen.»

Arthur Kessler gibt jedenfalls nicht auf: Bereits in den Sommerferien will er einen neuen Versuch wagen. Aber nicht mehr mit Smokeless Cigarettes: Diesmal bereitet er sich mit dem Buch «Endlich Nichtraucher!» auf das rauchfreie Leben vor.



RAUCHSTOPP

Seit dem vergangenen Januar testen zehn Raucherinnen und Raucher unterschiedliche Hilfsmittel, um mit dem Rauchen aufzuhören. Der Gesundheitstipp berichtet regelmässig über Erfolg und Misserfolg. Bis heute haben fünf Raucher den Entzug durchhalten können, fünf sind rückfällig geworden.

28. Juni 2006 | Andreas Gossweiler


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