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Rote Flecken im Gesicht und am Hals: Wegen Cordarone wurde Paula Birri extrem empfindlich auf Sonnenstrahlen. Aber auch andere Medikamente können solche Nebenwirkungen auslösen.
Paula Birri erinnert sich nur ungern an den letzten Sommer. «Ich bekam im ganzen Gesicht und am Hals rote Flecken», sagt die 54-Jährige. Sie versuchte es mit einer Sonnencreme mit Schutzfaktor 60 und mied die Sonne. Doch selbst im Schatten bildeten sich Flecken. «Ich musste sogar unter den Kleidern Sonnencreme auftragen», sagt sie.
Es war hart, den ganzen Sommer lang der Sonne aus dem Weg zu gehen. Dies besonders, weil Birri gerne auf dem Urnersee rudern geht. Doch sie wusste sich zu helfen: «Ich ruderte einfach auf der anderen Seeseite. Die liegt am frühen Morgen noch im Schatten.»
Haut reagiert am häufigsten mit Brennen und Rötung
Der Grund für die hässlichen roten Flecken: Das Medikament Cordarone, das Paula Birri seit einigen Monaten gegen Herzrhythmusstörungen nehmen musste. Es führt häufig zu extremer Sonnenempfindlichkeit.
Silvia Schauder, Professorin für Hautkrankheiten an der Universität Göttingen (D), beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. «Etwa vier von zehn Cordarone-Patienten reagieren empfindlich auf die Sonne», sagt sie.
Doch auch durch zahlreiche andere Medikamente wird die Haut empfindlich auf Sonnenlicht - etwa durch gewisse Antibiotika oder Mittel gegen Bluthochdruck, Depressionen und Darmkrebs. (Liste unter www.gesundheitstipp.ch oder unter der Adresse im Kasten)
Am häufigsten reagiere die Haut mit Brennen und Rötung, sagt Silvia Schauder. «Typischerweise betrifft es Körperteile, die an der Sonne waren, aber noch nicht daran gewöhnt sind, zum Beispiel das Dekolleté oder im Frühling die Unterarme.» Doch auch für einen überraschend starken Sonnenbrand können Medikamente verantwortlich sein. Manchmal bilden sich gar Blasen wie bei einer Verbrennung.
Sonne kann Reaktionen sogar durch Fenster auslösen
Besonders perfid: Auch durchs geschlossene Fenster kann die Sonne solche Reaktionen auslösen. Dafür verantwortlich sind UV-A-Strahlen - Glas hält sie nicht auf. Dagegen schützt eine Glasscheibe vor UV-B-Strahlen.
Laut Silvia Schauder sollte man von einem Arzt erwarten können, dass er diese Nebenwirkungen zumindest kennt. «Ich stelle aber fest, dass die meisten Ärzte davon keine Ahnung haben.» Oft reagiere ein Arzt deshalb falsch, wenn ein Patient über rote Flecken oder brennende Haut klagt. Dabei kann man durchaus etwas dagegen tun.
Auch Beipackzettel behandeln das Thema oft stiefmütterlich. Der Blutdrucksenker Reniten Plus zum Beispiel enthält Hydrochlorothiazid. Weil der Wirkstoff sehr verbreitet ist, leiden laut Schauder besonders viele Patienten an der Sonne unter brennender Haut oder roten Flecken. Der Beipackzettel von Reniten Plus erwähnt zwar «Hautausschläge» in einer langen Liste «seltener» Nebenwirkungen. Einen Hinweis auf die Sonne sucht man aber vergebens. Für Schauder ist dies «völlig ungenügend».
Herstellerin von Reniten Plus ist die Firma MSD. Sprecher Stefan Wild sagt, das Medikament werde fortlaufend überwacht: «Kommen Nebenwirkungen zum Vorschein, werden die Informationen im Beipackzettel entsprechend angepasst.» Zudem weise die Fachinfo für Ärzte auf «Lichtempfindlichkeit» hin.
Dass es anders geht, zeigt der Beipackzettel von Cordarone, das Paula Birri nehmen musste: «Bei bestimmten Patienten können unter Sonnenbestrahlung Hautreaktionen auftreten. Es ist empfehlenswert, während der Behandlung mit Cordarone direkte Sonnenbestrahlung zu vermeiden oder sich davor zu schützen.»
Vermeiden Sie UV-A-Strahlen
Eine Sonnenempfindlichkeit wegen Medikamenten ist lästig. So schützen Sie sich:
- Tragen Sie lange, dunkle Kleider.
- Meiden Sie die Sonne zwischen 11 und 15 Uhr.
- Verwenden Sie Sonnencreme mit hohem UV-A-Schutz.
- Gehen Sie nicht ins Solarium.
- Fragen Sie den Arzt, ob Sie das Medikament am Abend nehmen, das Mittel wechseln oder die Dosis verringern können.
- Falls es nicht ohne das Medikament geht: Kleben Sie UV-undurchlässige Folien an die Fenster von Haus und Auto.
Der Gesundheitstipp hat eine Liste der Medikamente zusammengestellt, die diese Nebenwirkung haben können. Erhältlich gegen ein frankiertes C5-Rückantwortcouvert an Gesundheitstipp, «Sonne», Postfach 277, 8024 Zürich, oder unter www.gesundheitstipp.ch
28. Juni 2006 | Christian Egg
