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Im Sommer messen sich die Marathonläufer in den Bergen. Einer der wichtigsten Wettkämpfe ist der Swiss Alpine Marathon, der am 29. Juli stattfindet. Roger Kaufmann macht mit.
Roger Kaufmann, Marathonlaufen ist eine der härtesten Sportarten. Warum tun Sie sich das an?
Ich habe Freude am Laufen. Es macht mir Spass zu sehen, wie schnell ich rennen kann. Der Körper kann viel mehr leisten, als man denkt. Beim Marathon lernt man seinen Körper besser kennen. Das ?nde ich spannend.
Für viele Läufer bedeutet ein Marathon aber mehr Qual als Freude.
Leider sind viele zu wenig trainiert. Anfänger sollten sich nicht sofort an einen Marathon wagen, sondern mit kürzeren Läufen beginnen. Ich habe zehn Jahre lang trainiert, bevor ich meinen ersten Marathon lief.
Leiden Sie denn kein bisschen während eines Marathons?
Doch. Aber weil ich mich gut auf den Wettkampf vorbereite, wird es für mich erst kurz vor dem Ziel schwierig. Bei Anfängern ist die Luft schon in der Hälfte draussen.
Ärzte sagen, dass das Training für einen Marathon gesund sei, der Wettkampf selber aber nicht.
Das stimmt. Für das Herz ist das Laufen gut. Aber die Gelenke werden dabei stark belastet - vor allem, wenn man auf Asphalt rennt. Viele Läufer haben deshalb abgenützte Kniegelenke.
Sie auch?
Nein. Aber ich hatte vor ein paar Jahren ein Problem im rechten Bein. Der Unterschenkel verkrampfte sich beim Rennen, und der Fuss wurde gefühllos. Mein Arzt konnte mir nicht helfen. Im Internet fand ich heraus, dass dieses Problem Logensyndrom heisst. Die Muskeln im Unterschenkel hatten keinen Platz mehr in der Muskelhülle. Deshalb drückten sie die Blutgefässe und die Nerven zusammen.
War das eine Folge des Rennens?
Ja. Ich rannte damals hundert Kilometer pro Woche, weil ich für den Gigathlon trainierte. Das ist ein besonders harter Triathlon-Wettkampf. Im Jahr 2002 dauerte er sieben Tage lang. Das war wohl zu viel.
Was haben Sie dann gemacht?
Ich hörte auf zu rennen. Aber das hat nichts genützt. Ich hatte weiterhin Schmerzen, auch im Alltag. Deshalb liess ich mich operieren. Die Ärzte haben die Muskelhülle im Unterschenkel mit einem kleinen Schnitt vergrössert. Seither sind die Beschwerden verschwunden.
Immer wieder erleiden Läufer an Wettkämpfen den plötzlichen Herztod. Sind Marathonläufe gefährlich?
Nein. Zwar starb beim letzten Greifenseelauf ein Läufer. Aber der Mann hatte schon früher Herzprobleme. Ein Marathon macht nicht aus einem gesunden Menschen einen Toten. Wer zum ersten Mal einen Marathon laufen will, sollte sich zuvor gründlich untersuchen lassen.
Wie viele Marathonläufe machen Sie pro Jahr?
Die klassische Marathondistanz von 42,195 Kilometern renne ich höchstens einmal pro Jahr. Denn der Körper braucht lange, bis er sich davon erholt. Beim Swiss Alpine Marathon können die Teilnehmer Strecken zwischen 21 und 78 Kilometern wählen. Ich werde mich auf 28 Kilometer beschränken. Das reicht. Ich möchte am Rennen Freude haben.
Ist es für Sie schlimm, wenn Sie vor dem Ziel aufgeben müssen?
Ich habe nie aufgegeben. Entweder starte ich nicht oder renne bis ins Ziel. Ich gehe nur an den Start, wenn ich überzeugt bin, dass ich es schaffe. Vor einem Jahr habe ich mir bei einem Lauf fünf Kilometer vor dem Ziel den Fuss verstaucht. Da dachte ich übers Aufgeben nach. Aber der Schmerz verging, und ich rannte bis ins Ziel.
Roger Kaufmann
Der 32-jährige Roger Kaufmann ist seit 20 Jahren ein begeisterter Läufer. Er hat den Zürcher Neujahrsmarathon ins Leben gerufen und ist Präsident dieses Wettkampfs. Roger Kaufmann ist Doktor der Mathematik und arbeitet bei einer Versicherungsgesellschaft. Er hat ein Computerprogramm entwickelt, das fortlaufend hochrechnet, wer Fussball-Weltmeister wird. Tipp vor Beginn der WM: Brasilien (www.rogerkaufmann.ch/foot.htm).
28. Juni 2006 | Andreas Gossweiler
