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Artikel | Haus & Garten 3/2006

Gehet hin und vermehret sie

Neue Pflanzen ziehen aus Stecklingen ist einfach, ergibt kräftigen Nachwuchs - und ist erst noch gratis.

Schwester Beatrice im Kloster Fahr bei Unterengstringen ZH tut es jedes Jahr: Im Sommer, wenn die Pflanzen stark sind, schneidet sie von dieser und jener Pflanze einen oder mehrere Triebe ab, um daraus ein neues Pflänzchen zu ziehen. «Einfach über Stecklinge zu vermehren sind Rosmarin, Salbei, Lavendel und Currykraut», sagt die Schwester, die an der Bäuerinnenschule des Klosters Gartenbau unterrichtet. Sie selbst vermehrt auf diese Art nur Kräuter. Laut Fachliteratur eignen sich dazu auch andere Freilandpflanzen wie Clematis, Geranie, Buchsbaum und Sommerflieder.

«Die ideale Zeit, um Kräuterstecklinge zu machen, dauert vom längsten Tag des Jahres bis spätestens Mitte September», sagt Schwester Beatrice. «Denn der Trieb muss eine gewisse Härte und Stabilität haben.» Teile von ganz jungen Pflanzen benutzt die Fachfrau nicht. Ein Rosmarin z. B. muss mindestens drei Jahre alt sein.

Für die Stecklinge eignet sich ein gut entwickeltes, aber nicht verholztes Ende eines Triebs. Damit der Pflanzenteil fürs Vermehren taugt, muss er zudem einen oder mehrere Wurzelbereiche aufweisen. «Diese liegen unterhalb des obersten Blattbüschels am Stiel - dort, wo die Blätter herauswachsen», erklärt Schwester Beatrice.


Blätter abschneiden, keinesfalls abzupfen

Den obersten Blattkranz lässt sie stehen, die unteren Kränze - bei Kräutern wie Rosmarin, Salbei, Currykraut, Lavendel mindestens drei - schneidet sie mit einem scharfen Messer oder mit einer Rebschere so nahe wie möglich am Stiel ab. Dort bilden sich später die Wurzeln. Die Blätter keinesfalls abzupfen! Und aufpassen, dass nichts ausreisst oder gequetscht wird.

Ausserdem kürzt sie die Blätter des obersten Büschels leicht, wenn sie ihr zu gross erscheinen - auch Blüten entfernt sie. Andernfalls nehmen diese der werdenden Jungpflanze zu viel der benötigten Kraft. Der fertige Steckling wird nun in einen kleinen Plastiktopf gesteckt: Nur der oberste Blattkranz ragt aus der Erde. Diese besteht aus einem Teil Humus, gemischt mit Sand und eventuell Aussaaterde, oder aus einer Mischung aus lockerem Kompost und Sand.

Nach dem Angiessen kommt für drei Wochen eine Plastiktüte über den Topf. Nur darüberstülpen, nicht festbinden und die Haube mindestens drei Stunden pro Tag entfernen. Sonst könnte der Steckling verfaulen. Die Erde stets feuchthalten, die Töpfe in den Schatten oder Halbschatten stellen.

Pflanzen aus Stecklingen, auch winterharte wie Rosmarin, sollten ihren ersten Winter in einem hellen, temperierten Raum verbringen. Im Freien würden die Pflänzchen kaum überleben.

28. Juni 2006 | BENNIE KOPRIO


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