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Artikel | K-Tipp 12/2006

Mückenabwehr ohne Stich

Kerzen, Räucherstäbe, Ultraschall - Anti-Mückenmittel für draussen gibt
es viele. Bloss: Die Mücken lässt das kalt.

Ultraschall stoppt die Quälgeister!» Mit solchen Verheissungen versucht der Versandhandel, bis zu 60 Franken teure Geräte gegen Mücken unter die Leute zu bringen.

Werner Rudin vom Testzentrum des Schweizerischen Tropeninstituts in Basel würde keines der Geräte kaufen. Grund: Mückenweibchen - und nur sie stechen - können aufgrund der Beschaffenheit ihrer Antennen Ultraschalltöne gar nicht hören. Da erstaunt es nicht, dass die Hochton-Piepser in Versuchen der deutschen Konsumentenblätter «Öko-Test» und «Test» versagt haben.

Dennoch führt der «Gut & Praktisch Versand» in Locarno TI wieder ein Ultraschall-Gerät im Sortiment, nachdem er es kurzzeitig daraus verbannt hatte. «Stammkunden, die dieses Produkt zum Teil seit zehn Jahren erfolgreich anwenden, bestanden auf einer weiteren Lieferung», so Versandhändler Andreas Gut.

Bei der Conrad Electronic AG, die ebenfalls ein solches Gerät anbietet, gibt man sich zu dessen Wirksamkeit unverbindlich: Es sei in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich gewesen, «detaillierte Abklärungen seitens der Lieferanten und Hersteller» zu erhalten.

Neben Ultraschallgeräten sind es vor allem Räucherstäbe und -spiralen, Duftkerzen, Gels und Fackeln, die Mücken vom Balkon oder Sitzplatz vertreiben sollen. Doch Mückenexperte Rudin winkt auch hier ab.


Cremen und Sprays schützen die Haut

Schutz böten allenfalls auf die Haut aufzutragende Sprays und Cremen, so Rudin. Die anderen Produkte könnten hingegen nicht viel ausrichten, da sich die abgegebenen natürlichen oder chemischen Stoffe sehr schnell verflüchtigten. Rudins Fazit: «Mückenabwehrgeräte, die im Freien befriedigend wirken, gibt es nicht.»

Das hören Hersteller und Händler gar nicht gern. Zwar räumen sie ein, dass eine hundertprozentige Wirkung im Freien unrealistisch sei. Räucherspiralen und -stäbe könnten aber «bei einem grossen Befall mithelfen, die Plage etwas zu mindern», heisst es bei der Compo Jardin AG, Vertreiberin von Anti-Mückenmitteln der Marke Gesal. Und Ursula Ziegler von der Martec Handels AG, die neben der Eigenmarke auch Neocid-Produkte gegen Insekten verkauft, hebt hervor: Es sei eben wichtig, Kerzen oder Spiralen «richtig zu platzieren».

Punkto Mückenbekämpfung im Hausinnern zeigt sich ein differenzierteres Bild. Stechmücken mögen diverse natürliche Düfte, beispielsweise von Zitronengras, überhaupt nicht, sagt Rudin. Damit die Insekten nicht in Wohnräume fliegen, brauche es aber schon «eine nicht für alle menschlichen Nasen auf die Dauer erträgliche Konzentration». Zudem würden diese Düfte Mücken, die bereits im Raum sind, nicht vom Stechen abhalten.


Am besten ein Moskitonetz

Vergleichsweise gut wirken Produkte auf der Basis von Pyrethroiden. Oft sind das Sprays oder Geräte für die Steckdose, die mit Wirkstoffplättchen oder -fläschchen auszurüsten sind. Als Nervengifte führen Pyrethroide bei Insekten rasch zum Tod.

Ob die Methode für Menschen schädlich ist, ist umstritten. Alle vom K-Tipp befragten Anbieter pyrethroidhaltiger Anti-Mückenmittel bestreiten vehement, dass bei sachgerechter Anwendung ihrer Produkte eine Gefahr für die Gesundheit bestehe.

Doch Toxikologen weisen darauf hin, dass zumindest empfindliche Personen - ältere Menschen, Kinder, Allergiker - reagieren könnten. Bei ihnen könnten Symptome wie gereizte Augen, Kopfschmerzen, Atemwegbeschwerden und Taubheitsgefühle auftreten.

Zurückhaltung beim Einsatz pyrethroidhaltiger Mittel kann mithin nicht schaden - jedenfalls in Ländern, wo Stiche nicht lebensbedrohlich sind. Und ein Mückengitter am Fenster oder ein Moskitonetz über dem Bett hält die Quälgeister auch fern.


Auf den Wirkstoff achten

Tests des Schweizerischen Tropeninstituts haben gezeigt: Bei Sprays und Cremen, die direkt auf die Haut aufzutragen sind, schrecken Produkte mit dem Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET) Mücken am besten ab.

Das schreibt die Zeitschrift Gesundheitstipp in ihrer jüngsten Ausgabe (Nr. 6, 2006). Sie hält aber auch fest: «Bei zu häufiger Anwendung kann DEET Kopfschmerzen, Schwindel und Krämpfe verursachen oder die Haut reizen.»

Das ist bei sanften Produkten mit natürlichen Inhaltsstoffen nicht der Fall. Allerdings wirken selbst die guten natürlichen Mittel weniger lang als DEET-haltige Produkte. Doch in unseren Breitengraden bieten sie meist einen ausreichenden Schutz.

14. Juni 2006 | Gery Schwager - gery.schwager@ktipp.ch


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Mückenabwehr ohne Stich
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