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Artikel | saldo 10/2006

Schnäppchenfalle: Grosspackungen sind oft Mogelpackungen

Wer Grosspackungen kauft, erwartet einen preislichen Vorteil. Das ist aber häufig nicht der Fall. Das zeigt eine saldo-Stichprobe.

Mit dem Kauf von Grosspackungen l?sst sich Geld sparen. Davon gehen viele Konsumenten aus und greifen beim Einkauf zu XXL- und Family-Size-Packungen. Aber l?ngst nicht in jedem Fall gibt es beim Kauf grosser Mengen Rabatt. Im Gegenteil: Einige Grosspackungen sind im Verh?ltnis zu Klein- oder Normalpackungen teurer. Das zeigt eine Stichprobe von saldo bei den Grossverteilern Carrefour, Coop, Denner, Migros und Spar.

Die gefundenen Preisunterschiede sind betr?chtlich. Aufpassen heisst es vor allem bei Schokolade: Wer bei Migros die Frey Truffes assorties in der 300-Gramm-Schachtel kauft, bezahlt pro 100 Gramm ?ber 35 Prozent mehr als bei der 230-Gramm-Schachtel.

Bei Carrefour kosten mini K?gifretli in der Kilopackung ?ber 34 Prozent mehr als im 250-Gramm-Beutel. Besser f?hrt man bei Carrefour auch, wenn man Toffifee in der 125-Gramm- statt der 400-Gramm-Packung kauft. In der Grosspackung kostet Toffifee n?mlich 23 Prozent mehr.

Bei Coop legt kr?ftig drauf, wer statt der 150-Gramm- die 400-Gramm-Schachtel Merci-Schokolade kauft: Sie ist 19 Prozent teurer. Doch nicht nur bei S?ssigkeiten, auch bei anderen Lebensmitteln wie Mayonnaise, H?ttenk?se, Aromat oder Reis m?ssen Konsumenten beim Kauf der Grosspackung oft mit Preisnachteilen rechnen.


Deutschland: Grosspackungen bis zu 45 Prozent teurer

Die Schummelei ist kein schweizerisches Ph?nomen. Auch deutsche und ?sterreichische Superm?rkte mogeln bei den Grosspackungen. Die Arbeiterkammer Wien hat die Preise von 470 Lebensmitteln verglichen und festgestellt, dass bei 12 Prozent der Produkte die Grosspackung mehr kostete als das kleiner abgepackte Produkt.

Zu einem ?hnlichen Ergebnis kam die Verbraucherzentrale Hamburg, die feststellte, dass Schokoriegel, Weichsp?ler und S?ssigkeiten im Grossformat oft bis zu 45 Prozent teurer sind. Die Hamburger Verbrauchersch?tzer vermuten hinter dem Verhalten der Anbieter nicht nur unbeabsichtigte Fehler, sondern volle Absicht: «Gr?ssere Verpackungen fallen eher ins Auge als kleine und bringen mehr Umsatz f?r die Anbieter.»

saldo hat die Verkaufsstellen nach den Gr?nden f?r die eigenartige Preispolitik gefragt. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Migros und Coop sagen, dass das Herstellen der Grosspackungen aufw?ndiger sei und sich der h?here 100-Gramm-Preis so rechtfertige.

Anlass zum Handeln sehen nur Spar und Carrefour. Marc Sch?fer von Spar schreibt in seiner Stellungnahme, dass es sich bei den Beispielen um Einzelf?lle handle und dass man die Preise der Grosspackungen senken wolle. ?hnlich t?nt es bei Carrefour. Gem?ss Marketing-Direktor St?phane Caruso will Carrefour gr?ssere Packungen grunds?tzlich g?nstiger anbieten, deshalb werde man die Preise nach unten korrigieren.

Wer also nicht draufzahlen m?chte, muss beim Einkauf genau nachrechnen. Doch das ist nicht ganz einfach, denn oft sind die Grundpreise f?r 100 Gramm nicht angegeben, die den Vergleich vereinfachen k?nnten. Einzig Migros l?st das vorbildlich und gibt auf den meisten Produkten neben dem Verkaufspreis auch den Preis pro 100 Gramm an.


Angabe des 100-Gramm-Preises: Kaum Kontrollen

Andere Grossverteiler nehmen das nicht so genau: Sie schreiben den Preis nur noch am Regal an und unterschlagen dabei oft den 100-Gramm-Preis. Damit verstossen sie gegen die Preisbekanntgabeverordnung, welche die Angabe des Grundpreises bei den meisten Waren vorschreibt. Doch die Vollzugsbeh?rden sehen meist ?ber solche vermeintlichen Details hinweg. Zust?ndig f?r die Durchsetzung der Vorschriften sind die Kantone, welche diese Aufgabe wiederum an die St?dte und Gemeinden delegiert haben. Und die machen, was die 100-Gramm-Preise angeht, falls ?berhaupt, nur vereinzelte Kontrollen.

In der Stadt Z?rich etwa ist die Abteilung Bewilligung der Stadtpolizei zust?ndig. Detektive in Zivilkleidung kontrollieren in den ihnen zugeteilten Revieren, ob die grundlegenden Vorschriften der Preisbekanntgabeverordnung eingehalten werden. Dabei achten sie jedoch nicht darauf, ob auch die 100-Gramm-Preise wie vorgeschrieben angegeben werden. «Bei der Angabe der Grundpreise handelt es sich um ein Detailproblem, das nur aufgrund von konkreten Hinweisen, nicht aber systematisch kontrolliert wird», erkl?rt Nicole Gerzner, Mediensprecherin der Stadtpolizei Z?rich.



“Gesch?ttet, nicht gelegt”

Coop-Sprecher J?rg Birnstiel zum Preisunterschied bei der Merci-Schokolade: «Die kleinere Packung ist ein absolutes Leader-Produkt, ?usserst preissensibel und deshalb dem Preiskampf voll ausgesetzt.»

Migros-Sprecher Urs Peter Naef zu den Frey-Truffes: «In die 230-Gramm-Truhe werden die Truffes gesch?ttet, in die Klappdeckel-Schachtel werden sie eingelegt. Zur Herstellung wird mehr und edleres Verpackungsmaterial verwendet, daraus resultiert ein Mehrwert als “geschenkf?hige” Packung mit Pr?sentationscharakter.»
Denner-Mediensprecherin Eva-Maria Bauder erkl?rt, dass es sich bei der kleineren Mayonnaise in der Tube um die meistverkaufte Gr?sse handle, im Glas sei dasselbe Produkt teurer: «Ein Kriterium ist auch das Marktumfeld und da sind wir preislich “absolut bei den Leuten”.»



Forum
Was halten Sie davon, dass Grosspackungen oft teurer sind als kleine Packkungen?
Schreiben Sie an: saldo, Postfach 723, 8024 Z?rich oder redaktion@saldo.ch

24. Mai 2006 | Jeannette Büchel


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