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Die EU fordert verständlichere Aufschriften auf Sonnenschutzmitteln. Von der neuen Kennzeichnung dürften auch Schweizer Sonnenhungrige profitieren.
Vollkommener Schutz», «Sunblocker», «optimale Sicherheit» - mit solchen Schlagworten wiegen die Sonnencreme-Hersteller die Konsumenten in falscher Sicherheit. Denn in Wirklichkeit schützt keine Sonnencreme die Haut vollständig vor den UV-Strahlen der Sonne. Die EU-Kommission will daher im europäischen Markt ab nächstem Jahr solche irreführenden Angaben nicht mehr dulden und fordert neue, eindeutige Bezeichnungen. Übernehmen die Hersteller die Empfehlung, sind die neu beschrifteten Produkte ab 2007 auch in der Schweiz erhältlich.
Schutzfaktor: Nur noch vier Abstufungen
Ab nächstem Jahr soll auf den Packungen nur noch «niedriger», «mittlerer», «hoher» oder «sehr hoher Schutz» stehen. Diese genormten Begriffe sind leicht verständlich und vor allem aussagekräftiger als der heute gebräuchliche Lichtschutzfaktor. Denn dieser Wert ist trügerisch: Der Lichtschutzfaktor gibt nur den Schutz vor den sogenannten UVB-Strahlen an. Diese sind verantwortlich für den Sonnenbrand und können Hautkrebs begünstigen. Doch auch die UVA-Strahlen haben eine negative Wirkung. Sie dringen tiefer in die Haut ein als UVB-Strahlen und führen zur Hautalterung. Auch sie können Hautkrebs fördern.
Für UVA-Strahlung gibt es noch keine einheitliche Kennzeichnung. Hinweise wie «nach australischer Norm» geben zwar an, dass ein Mindestwert eingehalten wurde, dieser ist bei starker Sonnenbestrahlung aber zu gering. Bei den heutigen Beschriftungen weiss der Konsument nicht, ob die Creme mit einem hohen UVB-Schutz auch über einen entsprechenden Schutz vor UVA-Strahlen verfügt. Hier bietet die neue Kennzeichnung mehr Klarheit. Die Angaben wie «hoher Schutz» müssen sich jeweils auf beide Strahlungstypen beziehen.
Ausserdem neu auf die Packungen kommen Hinweise, wie man die Sonnencreme korrekt anwendet. Denn auch hier gibt es Aufklärungsbedarf: «Die meisten Leute schmieren sich viel zu dünn ein», sagt Lasse Braathen, Direktor der Dermatologischen Klinik des Inselspitals Bern. «So wird oftmals höchstens die Hälfte des angegebenen Schutzfaktors erreicht.»
Neue Empfehlungen: Die Mehrheit der Hersteller macht mit
Damit das Mittel so gut wie möglich nützt, sollte man für den ganzen Körper jeweils ungefähr 35 Gramm Creme verwenden. Das entspricht etwa einem Drittel einer kleinen Tube.
Die neuen Vorschläge sind eine reine Empfehlung. Michel Donat vom Bundesamt für Gesundheit hat in einer Arbeitsgruppe der EU-Kommission an den neuen Vorschlägen mitgearbeitet. Zwar hätte er sich eine verbindlichere Regelung gewünscht, ist aber dennoch zuversichtlich: «Die Industrie ist damit einverstanden, deshalb sollte die Mehrheit der Produkte diesen Empfehlungen entsprechen.»
saldo fragte dazu bei Herstellern von Sonnenschutzmitteln nach. Positiv steht den EU-Bemühungen zum Beispiel die Beiersdorf AG gegenüber: «Die Empfehlungen werden von den zuständigen Stellen in Hamburg geprüft und rechtzeitig umgesetzt», verspricht die Vertreiberin von Nivea.
Auf der andern Seite wollte Yves Rocher bis Redaktionsschluss nicht Stellung zur Frage nehmen, ob sich das Unternehmen an die EU-Empfehlungen halten wird. Heute bewirbt Yves Rocher seine Sonnenschutzprodukte noch blumig mit «Strahlende Bräune, ganz ohne Schattenseiten» und «Die Sonne unbeschwert geniessen».
So schützen Sie sich vor der Sonne
- In der Schweiz braucht es bei Sonnencremes mindestens Lichtschutzfaktor 15. Das bedeutet: Mit dem Mittel verlängert sich die Zeit bis zur Sonnenbrandgefahr um das Fünfzehnfache.
- Welcher Faktor für welchen Hauttyp empfohlen wird, erklärt die Krebsliga Schweiz auf www.hauttyp.ch.
- Achtung: Genetische Schäden und damit die Gefahr von Hautkrebs können schon vor den ersten Hautrötungen auftreten. Daher die Maximalzeit für das Sonnenbad nie voll ausnützen.
- Die Creme sollte sowohl vor UVB- wie auch vor UVA-Strahlen schützen. Damit der versprochene Nutzen auch eintritt, sollte man das Mittel reichlich und rund 30 Minuten vor dem Sonnenbad auftragen.
- Auch wenn der Hersteller den Sonnenhungrigen etwas anderes weismachen will: Die Wirkung der Sonnencreme hält keinen ganzen Tag an. Daher: Nach zirka 2 Stunden oder nach dem Baden und Abtrocknen neu einreiben (auch bei wasserfesten Cremes). Dies verlängert die Maximaldauer für das Sonnenbad jedoch nicht.
- Eine Sonnenbrille ohne genügenden UV-Schutz schadet den Augen mehr als keine Brille. Achten Sie auf die Bezeichnung «100 % UV-Schutz bis 400 Nanometer».
- T-Shirts sind kein totaler UV-Schutz. Dunkle, dichte Kleidung schützt jedoch besser als helle und transparente, Kunstfasern besser als Naturfasern.
- Der beste Sonnenschutz heisst aber seit Jahrtausenden: Ab in den Schatten!
24. Mai 2006 | Marc Mair-Noack
