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Die Bankenkommission hat dem Naturschutzprojekt Forestation die rote Karte gezeigt. Es wirbt mit hohen Renditen für ein Aufforstungsprogramm in Bolivien.
Die Idee tönt nicht schlecht: Dank des Projekts Forestation sollen in Bolivien eine Million Bäume gepflanzt werden. Bereits ab 22 Euro (rund 33 Franken) ist man dabei. Doch wer das Projekt (www.foresta tion.biz) genauer unter die Lupe nimmt, merkt, dass es mit dem Naturschutzanliegen nicht weit her ist. Denn dahinter verbirgt sich eine Art Schneeballsystem.
Ziel ist es, weitere Geldgeber zu finden. Für jede Empfehlung gibt es Prämien - und das auf zehn Ebenen. Das heisst, Mitglieder verdienen bis auf die zehnte Stufe der Pyramide auch an jedem neuen Zahler, den von ihnen geworbene Mitglieder gewinnen. Das Ganze nennt sich Multi-Level-Marketing. Von den 22 Euro fliessen jedoch nur gerade 10 Euro in das Aufforstungsprojekt. 7 Euro sind für die Prämien gedacht, 5 Euro stecken die Initianten für «Administrativkosten» ein.
Sämtliche Konten der Firma gesperrt
Den Gründern von Forestation rund um den Schweizer George Meyer dürfte es also eher ums grosse Geld als um Boliviens Wälder gehen. Dieser Meinung war auch ein Kritiker: Er erstattete Strafanzeige. Aufgrund dieser läuft nun eine Untersuchung wegen Verdachts auf Verstoss gegen das Schweizer Lotteriegesetz. Ende März wurde überdies die Eidgenössische Bankenkommission aktiv. Sie sperrte sämtliche Privat- und Geschäftskonten der Firma JAM - J. George Meyer, weil sie das Forestation-Konzept als «Ausübung einer Tätigkeit als Bank, Effektenhändler oder Anlagefonds» sieht. Zudem wurde Meyer und seiner Frau untersagt, weitere Rechtshandlungen für die Einzelfirma vorzunehmen.
Doch die Initianten geben sich nicht geschlagen. Frischfröhlich wird vom Ausland aus weitergemacht. Die Mitglieder werden auf der Website vertröstet: Die Anwälte würden alles daransetzen, die Konten freizubekommen und die Prämien wieder auszuzahlen.
Weiterführung des Projekts durch eine Briefkastenfirma
Bis es so weit sei, würden das Projekt und die Mitglieder durch die Firma World As One weiterbetreut, mit der Meyer nichts zu tun habe. Bei World As One handelt es sich um eine Briefkastenfirma in London. Und obwohl Meyer seine Hände hier nicht im Spiel haben soll, sind alle entsprechenden Domains auf seinen Namen registriert. Bisher zählt Forestation knapp 10 000 Mitglieder aus 141 Ländern.
George Meyer ist kein unbeschriebenes Blatt. Er war bereits Länderchef Schweiz von Darwin International, einer untergegangenen Multi-Level-Marketing-Firma. Dort mussten die Mitglieder Jahresabos für die Nutzung des Darwin-Portals vertreiben und konnten dann Produkte günstiger erwerben. Meyer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
mif
10. Mai 2006
