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Die weltweit grössten Gentech-Konzerne setzten Schweizer Eierproduzenten mit Erfolg unter Druck, eine Inseratenkampagne abzuändern.
Schweizer Eier schmecken besser, weil das Futter der Hennen nicht gentechnisch verändert wird und weder tierisches Eiweiss noch Antibiotika enthält.» Dieser Satz im Inserat des Verbandes Schweizer Eierproduzenten, Gallosuisse, ist der Gentech-Industrie sauer aufgestossen. Sie setzte die Eierbauern vor Ostern massiv unter Druck. Gallosuisse-Präsident Willi Lüchinger: «Wir wurden von Internutrition aufgefordert, unsere Inserate zu ändern. Sonst werde man gerichtlich gegen uns Eierproduzenten vorgehen.»
Gallosuisse durch Klagedrohung eingeschüchtert
Hinter der drohenden Internutrition mit Sitz in Zürich stecken die mächtigsten Gentech-Konzerne der Welt. Beispielsweise die Basler Syngenta, grösster Hersteller von Gentechpflanzen und -saatgut (Jahresumsatz 10,4 Milliarden Franken) oder die dänische Novozymes (Umsatz 1,37 Milliarden), weltgrösster Produzent von gentechnisch veränderten Mikroorganismen. Mit dabei auch die Genfer Firmenich (2,03 Milliarden Franken Umsatz), Produzentin von künstlichem Aroma.
Nicht verwunderlich: Die Klagedrohung der mächtigen Industrie zeigte bei den Mitgliedern von Gallosuisse Wirkung. Anfang April wurden die Inserate umgeschrieben - neu wirbt Gallosuisse nicht mehr damit, dass Schweizer Eier gentechfrei sind. Jetzt heisst es unverfänglich: «Schweizer Eier geniessen Vertrauen, weil das Futter der Hennen nach schweizerischen Qualitätsnormen hergestellt wird.»
Internutrition begründete die Intervention mit «negativen Auswirkungen beim Konsumenten, wenn dieser durch die irreführenden Inserate zum Schluss kommt, Gentech-Futter für Hennen ist minderwertig und führt zu schlechtem Geschmack der Eier».
80 Prozent der Bevölkerung lehnen Gentechnik ab
Internutrition-Geschäftsführer Jan Lucht bestätigt auf Nachfrage von saldo: «Wir haben unseren Unmut gegenüber Gallosuisse kundgetan und uns überlegt, ob wir gegen die Inserate klagen sollen. Doch die jetzt getroffene einvernehmliche Lösung ist wesentlich besser.» Im Klartext: Die Agro-Industrie hat sich durchgesetzt - ohne einen kostspieligen Prozess zu riskieren. Lucht: «Wir wollen verhindern, dass sich das negative Bild über Gentech-Nahrungsmittel bei den Konsumenten zementiert. Das ist im Interesse der Lebensmittelindustrie.» Zur Imagekorrektur hat die Branche durchaus Grund: Laut aktuellen Umfragen lehnen nämlich rund 80 Prozent der Bevölkerung den unwiderruflichen Eingriff in die Erbsubstanz der Natur ab.
Bauernvertreter fürchten, dass Internutrition verhindern will, dass die Schweizer Landwirtschaft als gentechfrei beworben wird. Herbert Karch von der Vereinigung kleiner und mittlerer Bauern (VKMB): «Dieser Druckversuch gegen die Eierproduzenten zeigt, wie stark die Gentech-Industrie versucht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Es wird alles unternommen, um den Spielraum der Bauern so weit als möglich einzuschränken.»
Wie heisst es doch im Leitbild von Internutrition: «Wir möchten einen Beitrag zur verbesserten Information und Objektivität gegenüber der Gentechnologie schaffen.»
Gallosuisse-Inserat: Auf Druck der Gentech-Konzerne änderten die Schweizer Eierbauern einen gentechkritischen Satz
10. Mai 2006 | Marc Meschenmoser
