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Es war lang nach Feierabend, als das Telefon im Büro nochmals läutete. «Schmid», meldete ich mich knapp. «Ach, bin ich froh, dass noch jemand abnimmt», rief eine Frauenstimme am andern Ende der Telefonleitung, «ich dachte schon, ich sei zu spät!» Ich beruhigte sie und sagte, man mache für eine zufriedene Kundin gerne eine Ausnahme.
«Könnte ich bitte mit Ihrem Herrn Hugentobler reden?», fuhr die Frau fort, von diesem sei sie immer besonders nett und fachkundig bedient worden. Hugentobler? Von all den netten Fachleuten in unserem Beratungsteam heisst keiner Hugentobler. Da ich zu dieser späten Stunde ohnehin allein im Büro war, schlug ich vor: «Wenn Sie Ihr Problem ausnahmsweise mir anvertrauen wollen, stehe ich gerne zu Ihrer Verfügung.»
Die Dame nahm dankend an: «Es ist zwar gleich Ladenschluss», entschuldigte sie sich, «aber könnten Sie mir noch ein halbes Kilogramm mageres Gulasch parat machen - mit zwei Knöchli für die Sauce?» Da war klar: Die gute Frau hatte in der Eile die falsche Nummer gewählt! Sie wollte Fleisch und keine Rechtsauskunft. Ich klärte das Missverständnis auf.
Doch für Gulasch war es nun definitive zu spät. «Ändern Sie Ihr Menü», riet ich der Dame, «die Metzgerei ist seit fünf Minuten geschlossen!»
26. April 2006 | Hans Ruedi Schmid, Leiter Rechtsberatung
