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Nur wenige Handy-Geschäfte deklarieren die Strahlungswerte ihrer Geräte. Das zeigt eine saldo-Stichprobe in fünf Städten.
Konsumenten haben es schwer, ein strahlungsarmes Handy zu finden. Zwar existiert der Sar-Wert, der angibt, wie stark ein Mobiltelefon strahlt. Doch offen deklariert wird er meist nicht, wie eine saldo-Stichprobe in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich zeigt. 13 von 20 Mobilfunkläden geben den Sar-Wert bei den ausgestellten Handys nicht an.
Mit gutem Beispiel voran gehen Fust, Swisscom, Post und die Orange-Center. Hier waren jeweils über die Hälfte der Handys klar mit dem Sar-Wert gekennzeichnet. Phone House, Mobilezone oder die Sunrise-Center dagegen verzichteten auf eine Deklaration.
Sunrise verzichtet bewusst auf Angabe des Sar-Werts
«Die meisten Kunden finden das nicht wichtig», hiess es in einigen Läden. Andere stellen den Sar-Wert überhaupt in Frage: «Wir schreiben ihn bewusst nicht an», sagt Sunrise-Sprecherin Muriel Mathis, «er ist irreführend.» Salome Ryf von der Abteilung Strahlenschutz beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) widerspricht: «Der Sar-Wert gibt direkt an, wie viel Strahlung der Kopf aufnimmt und wie stark das Gewebe erwärmt wird.»
Fast die Hälfte der Verkäufer wusste zu wenig Bescheid
saldo erkundigte sich im Laden auch nach einem strahlungsarmen Handy. Resultat: 9 von 20 Händlern konnten nicht helfen. Einige gaben zu, den Sar-Wert der Modelle nicht zu kennen, andere gaben widersprüchliche Pauschalurteile ab: «Nokia-Handys sind strahlungsarm», meinte etwa die Verkäuferin im Media Markt. «Nokia ist am schlechtesten, Samsung ist gut», hiess es im Orange-Center. Resigniert zeigte sich der Verkäufer bei Interdiscount: «Es gibt je länger je weniger strahlungsarme Handys», meinte er. Der Handyman-Händler wiederum war überzeugt: «Die Strahlung spielt bei den heutigen Handys keine Rolle mehr.»
Edith Steiner von Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz widerspricht: «Es gibt immer mehr Hinweise, dass Handy-Strahlung selbst innerhalb der erlaubten Grenzwerte gesundheitsschädigend sein kann.» Eine umfassende EU-Studie zeige, dass Handys mit einem Sar-Wert von mehr als 1,3 Watt pro Kilogramm (W/kg) das Erbgut verändern können. «Andere Studien deuten an, dass sich bei einer Handy-Nutzung von über zehn Jahren das Hirntumorrisiko erhöhen könnte», so Steiner.
Interdiscount in St. Gallen empfahl ein Handy mit einem Sar-Wert von 0,8 W/kg. Dies gilt in der Schweiz nicht als strahlungsarm. Monika Zander von Interdiscount bedauert die falsche Auskunft und verspricht, in Zukunft solche «fehlerhafte Beratung zu vermeiden». Auch der Sunrise- Verkäufer kannte kein strahlungsarmes Handy. Sunrise-Sprecherin Muriel Mathis: «Wir werden unsere Mitarbeiter zu diesem Thema erneut schulen.» In anderen Geschäften half den Verkäufern ein Blick ins Internet, um ein passendes Modell zu finden. Dies lohnt sich vor dem Gang ins Geschäft auch für den Kunden: www.topten.ch listet die strahlungsärmsten Handys auf, die erhältlich sind.
Simonetta Sommaruga, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, ist vom Resultat der saldo-Stichprobe enttäuscht: «Die minimalen Transparenzansprüche sind
nicht erfüllt. Eine konsumentenfreundliche Deklarationspflicht am Verkaufspunkt ist endlich fällig.» Doch das BAG sieht keinen Handlungsbedarf. Salome Ryf: «Ein solches Geetz wäre nicht EU-konform und würde als Handelshemmnis gelten.» Man begrüsse aber eine einfach verständliche Deklaration der Strahlungsstärke.
Der Sar-Wert
Sar steht für «spezifische Absorptionsrate» und bezeichnet die Strahlenbelastung auf den Körper beim Telefonieren mit einem Handy. Gemessen wird die Wärmeentwicklung in Watt pro Kilogramm (W/kg) bei der maximalen Sendeleistung eines Handys. Je niedriger der Sar-Wert ist, desto weniger Strahlung ist der Kopf ausgesetzt.
Die führenden Handy-Hersteller haben 2001 vereinbart, die Sar-Werte in den Gebrauchsanleitungen der Handys und im Internet zu deklarieren. In der Schweiz gilt der EU-Grenzwert von 2 W/kg. Als strahlungsarm bezeichnet www.topten.ch Geräte mit einem Sar-Wert von höchstens 0,4 W/kg.
26. April 2006 | Marc Mair-Noack
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